Geschwindigkeit zählt: Pro Stunde verlassen bis zu 10.000 mit Fleisch, Käse oder Fertiggerichten gefüllte und mit Folie versiegelte Kunststoffschalen die Verpackungsmaschine TwinStar. Jede noch so kleine Beeinträchtigung im Produktionsprozess bewirkt daher Produktionsausfälle und hohe Kosten. Bei der Entwicklung des TwinStar legte die GEA CFS Bühl GmbH (GEA CFS) deshalb größten Wert auf eine schnelle Einrichtung und die Gewährleistung eines störungsfreien Laufs der Anlage. Das Kemptener Unternehmen entwickelt und produziert Einzelmaschinen und Produktlinien für die Verarbeitung und Verpackung von Fleisch, Geflügel, Fisch, Käse und anderen Lebensmitteln. Die Anforderung an den TwinStar bestand darin, unterschiedliche Produkte in ebenso vielfältigen Verpackungen konfektionieren zu können. Auch die Gewährleistung einer schnellen Produktumstellung galt als wichtiges Kriterium. Ein entscheidender Faktor hierfür war der zügige Wechsel der aus vier Einzelteilen bestehenden Werkzeuge. Wenn Werkzeugober- und -unterteile sowie rechte und linke Greifer falsch kombiniert werden, kann es zu Abscherungen der Greifer oder zur Zerstörung der Folienmesser kommen. \”Da sich die Werkzeuge manchmal sehr ähnlich sehen, können sie leicht verwechselt werden\”, betont GEA CFS-Softwareentwickler Patrick Wiedenmann. Schnell kann es dann zu Maschinen- und Produktionsausfällen von mehreren Tagen kommen. Um solche Störungen auszuschließen und den reibungslosen Werkzeugwechsel sicherzustellen, entschieden sich die Produktentwickler des TwinStar für die Markierung der Werkzeuge mit RFID-Datenträgern und -Schreibleseköpfen. Schlüssel-Technologie RFID setzt sich durch Eine eindeutige Identifikation von Objekten mittels elektronischer Etiketten (Datenträger/Tags) wird möglich durch die Technologie der Radio Frequency Identification (RFID). Der Speicher eines Tags enthält eine vordefinierte, unverwechselbare Nummer und einen Bereich zur Speicherung ergänzender Objektinformationen: Der Schreib-Lese-Kopf gestattet das Programmieren von objektspezifischen Parametern und erlaubt es, den Werdegang des Objekts nachzuvollziehen. \”War die RFID-Technologie bis vor einigen Jahren ausschließlich IT-Experten vertraut, ist sie mittlerweile im Alltag vieler Industriebereiche angekommen\”, erklärt Norbert Matthes, Produktmanager RFID/Senorik bei Contrinex. Vor allem in der automatisierten Fertigung basieren heute flexible, sich selbst steuernde Systeme auf RFID. Da keine Sichtverbindung zwischen Tag und Schreib-Lesekopf erforderlich ist und Informationen im Datenträger erweitert, verändert oder gelöscht werden können, verdrängt die RFID-Technologie zunehmend Identifikationssysteme, die sich auf Barcodes und Lasermarkierung stützen. Schnell, einfach, fehlerlos: zuverlässiger Werkzeugwechsel Beim Werkzeugwechsel müssen alle Teile des alten Werkzeugs aus der Maschine entfernt werden, um im zweiten Schritt die neuen Werkzeuge einsetzen zu können. Anschließend lädt der Operator die Maschinenparameter für das neue Produkt und startet die Maschine. Die RFID-Werkzeugerkennung (RFC) stellt sicher, dass diese Schritte fehlerfrei erfolgen: Die Tags enthalten alle erforderlichen Informationen über die Art des Werkzeugs, zu welchem Produkt es gehört und welche anderen Werkzeugteile zu ihm passen. Diese Daten werden von den Schreibleseköpfen ausgelesen und an die Maschinensteuerung weitergegeben. Passen alle vier Werkzeugteile zusammen, beginnt der TwinStar mit der Produktion. Wird über die RFIDs festgestellt, dass ein Werkzeugteil fehlt, die Werkzeuge nicht zusammen gehören oder falsche Parameter geladen wurden, informiert die Maschinensteuerung den Operator über den genauen Fehler. Die Maschine gibt den Prozess frei und startet erst, wenn sämtliche Fehler behoben, die korrekten Werkzeuge eingebaut beziehungsweise die richtigen Parameter geladen wurden. Die Kontrolle der Werkzeuge erfolgt dabei ohne Zeitverlust im Hintergrund – unbemerkt von dem Maschinenbediener. Dadurch ist der TwinStar ausgesprochen bedienerfreundlich: Der Operator muss lediglich seine Arbeitsanweisungen abarbeiten. Edelstahl für gehobene Hygieneansprüche Maschinen, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, müssen zusätzliche Bedingungen erfüllen, besonders im Bereich der Hygiene. Diese Bedingungen galt es bei der Auswahl geeigneter RFID-Datenträger und RFID-Schreibleseköpfe zu berücksichtigen: Weil die Verpackungsanlagen mindestens einmal täglich gründlich eingeschäumt und gereinigt werden, bestehen sie aus Edelstahl. Auch die RFID-Einheiten sind den aggressiven Reinigungsmitteln ausgesetzt und müssen diese extreme Belastung schadlos überstehen. Außerdem müssen sie in der Edelstahlumgebung der Maschine störungsfrei funktionieren. Mit diesen Vorgaben machten sich die Entwickler von GEA CFS auf die Suche nach geeigneten RFID-Transpondern. Versuche mit Kunststoff-RFIDs scheiterten aufgrund gehobener Hygieneansprüche. Bei anderen Fabrikaten gab es Probleme mit Reflektionen durch die Edelstahlumgebung. Letztlich konnten nur die Produkte eines Herstellers die Anforderungen der Kemptener Entwickler erfüllen: die Ganzmetall-RFID Datenträger und – Schreibleseköpfe aus V2A-Edelstahl des Sensorspezialisten Contrinex. \”Contrinex war der einzige Hersteller, der unseren Vorgaben gerecht wurde\”, berichtet Patrick Wiedenmann. Der Kontakt zu dem Schweizer Sensorspezialisten kam Mitte 2010 zustande. GEA CFS entschied sich im Fall des TwinStar für Metalldatenträger vom Typ RTM2160 mit M16-Gewinde und der Schutzart IP68. Diese sind bündig einbaubar und können durch das Metall hindurch beschrieben bzw. gelesen werden. Die Speicherkapazität der Tags beträgt 120 Worte zu je 16Bit. Diese oder gleich ganze Speicherbereiche kann der Anwender mittels persönlicher Identifikationsnummer (PIN) lese- und/oder schreibschützen. Die Anzahl der Schreibzyklen beträgt bei diesem Typ der Datenträger 100.000, die Zahl der Lesezyklen ist unbegrenzt. Laut Hersteller bleiben die Daten zehn Jahre erhalten. Die Schreibleseköpfe mit einem Durchmesser von M18 basieren auf der patentierten ConIdent-Technologie. Diese ermöglicht die Herstellung der Datenträger und Schreib-Lese-Köpfe aus einem einteiligen, mechanisch wie chemisch nahezu unzerstörbarem Edelstahlgehäuse, die bündig oder sogar versenkt eingebaut werden können. Dabei sorgt das Verfahren für vergleichsweise große Schaltabstände, obwohl sich auch die aktive Fläche hinter einer dichten Ganzmetallhülle verbirgt. Im Fall der RFID-Transponder in dem TwinStar beträgt der Schreibleseabstand zwischen zwei und fünf Millimetern. Die RFID-Auswertgeräte gibt es wahlweise mit Schnittstellen zu RS485, Profibus, Devicenet und Ethernet/IP. Beim TwinStar entschieden sich die Entwickler für ein Gerät mit vier Schreibleseköpfen und serieller RS485-Schnittstelle in Kombination mit einem separaten TCP/IP-Adapter, der die Daten aus der Auswerteinheit an die Maschinensteuerung überträgt. Contrinex entwickelte diesen Adapter für die TwinStar-Anwendung. \”Die TCP/IP-Schnittstelle hat für uns viele Vorteile. Das Protokoll ist einfach zu implementieren, die Schnittstelle bereits in der Maschine vorhanden und es ist sichergestellt, dass kein Datenpaket verloren geht\”, erklärt Patrick Wiedenmann. Die Software macht den Unterschied Bei der Entwicklung der Technologie galt es, eine Reihe von Herausforderungen zu meistern. Wie bei jeder neuen Technik war es erforderlich, die Funktionsweise der Hardware und die Kommunikation mit der Auswerteeinheit sowie deren Bedienung in Einklang zu bringen und in die Maschinensoftware zu integrieren. Eine weitere Aufgabe für die Softwareentwickler bestand darin, die Abläufe so weit zu automatisieren, dass der Operator einen gewohnten Arbeitsablauf ohne Abweichungen hat: Mögliche Fehlerquellen durch zusätzliche Arbeitsschritte, beispielsweise das Quittieren neuer Meldungen, sowie Wartezeiten durch das Auslesen der Tags galt es daher, auszuschließen. Zudem sollte die RFID-Software über den TwinStar hinaus auch für andere Maschinen adaptiert werden können. All diese Anforderungen konnte das Team um Patrick Wiedenmann umsetzen. Eine Patentierung für die Werkzeugteilkennzeichnung per RFID-Tags ist bereits erfolgt, weitere Einsatzmöglichkeiten an anderen Verpackungsmaschinen prüft GEA CFS derzeit. Die RFID-Werkzeugerkennung wurde bereits auf der Interpack 2011 präsentiert.
RFID-Werkzeugerkennung: Reibungsloser Werkzeugwechsel für schnelle Produktumstellung
-
Roboterdichte steigt in Europa, Asien und Amerika
Westeuropa installierte 2024 im verarbeitenden Gewerbe einen Rekord von 267 Industrierobotern pro 10.000 Arbeitnehmern und führt damit im internationalen Automationsrennen vor Nordamerika mit 204 Einheiten und Asien mit…
-
Hochschulausgaben 2024 um 5% gestiegen
Im Jahr 2024 haben die öffentlichen, kirchlichen und privaten Hochschulen in Deutschland insgesamt 79,2 Milliarden Euro für Lehre, Forschung und Krankenbehandlung ausgegeben.
-
Entwicklung der Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe für Februar
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts legten die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Februar 2026 leicht zu: Das Ordervolumen stieg preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 0,9%.
-
Deutscher Maschinenbau 2030
KI entscheidet über Zukunft der Branche
Produktion, Qualitätssicherung, Materialhandling oder Wartung: Der Anteil der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, die kritische Prozessschritte wie diese automatisieren, wird sich bis 2030 nahezu verdreifachen – im Median…
-
Für Einsatz in Zone 2
Sicherheitsschaltgerät für Ex-Bereiche
Mit dem neuen Sicherheitsrelais PSR-MC35-EXI baut Phoenix Contact sein Safety-Portfolio weiter aus.
-
Infrarotsensor regelt Materialauftrag bei der Plasmabeschichtung
Ultradünne Barriereschichten auf Verpackungen können Lebensmittel oder Medikamente wirksam vor Kontakt mit Sauerstoff,…
-
Neues Mitglied im Wago Management Board
Zum 1. Mai verstärkt Jens Hunecke das Management Board bei Wago als Chief…
-
Digitale Prozesse: Mit Ethernet-APL sicher und effizient
Die Digitalisierung der Prozessindustrie schreitet unaufhaltsam voran – und sie stellt neue Anforderungen…
-
Elektromechanisches Fügesystem
Kistler hat mit dem IJSys ein neues Fügemodul entwickelt, das alle Komponenten inklusive…
-
Komplexe Bewegungen über High-Level-Sprachen steuern
Es geht auch ohne Echtzeit
Die koordinierte Bewegung mehrerer Achsen – z.B. bei Robotikanwendungen – ist kein neues…
-
Offizielle Eröffnung der Hima-Niederlassungen in Kolumbien und Peru
Die Hima Group baut die Präsenz in Lateinamerika mit der offiziellen Eröffnung neuer…
-
CiA-Vorstand wieder gewählt
Auf der Vollversammlung des Vereins CAN in Automation wurde der amtierende Vorstand bestätigt:…
-
Schmersal gehört 2026 zu den besten Arbeitgebern in Nordrhein-Westfalen
K.A. Schmersal zählt 2026 zu den besten Arbeitgebern in Deutschland.
-
IO-Link-Safety-Lösungen
Mit der Kombination robuster Sicherheitskomponenten und IO-Link Safety ermöglicht Euchner eine durchgängige, sichere…
-
Im Interview: Wie NI und DataTec den europäischen Testmarkt neu denken
Vom Messgerät zur Datenplattform
Beim Besuch von National Instruments bei DataTec tauschten sich Ritu Favre, President Test…
-
Maßgeschneiderte Schwingungsüberwachung mit IO-Link
Gemeinsam zur Lösung
Steigende Anforderungen an die Überwachung von Schwingförder- und Siebmaschinen erfordern präzise und flexibel…
-
Kompakter Distanzsensor bis 150m
Mit dem OptoNCDT ILR1041-150-IO erweitert Micro-Epsilon sein Laser-Distanzsensoren-Portfolio um ein kompaktes Modell für…
-
Gute Ergänzung
Der SCHALTSCHRANKBAU und das Thema ‘schaltschranklose Automatisierung’: Wie passt das denn zusammen? So…
-
Wenn Unmanaged Switches Managed Funktionen übernehmen
Plug&Play trifft Priorisierung
Netzwerksegmentierung und Datenflusspriorität sind in der industriellen Automatisierung keine Kür mehr, sondern Pflicht.…
-
Für sichere Maschinennetzwerke
Industrial Security-Gateway und Maschinenfirewall
Sichere Maschinennetzwerke werden mit den aktuellen Vorgaben der Europäischen Maschinenverordnung und der IEC62443…
-
Skalierbare IPC-Plattform
Spectra bietet mit der MD-3000-Serie von Cincoze eine modulare Embedded-Computer-Plattform an, die speziell…
-
Retrofit für die Industrie 4.0
So lassen sich alte Steuerungen wirtschaftlich OPC-UA-fähig machen
Viele Produktionsanlagen arbeiten noch mit Steuerungen, die seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten.…
-
KI perfektioniert Phishing-Angriffe – von personalisierten Mails bis zu Voice Cloning
Wenn Maschinen Vertrauen imitieren
Die KI generiert nicht nur immer neue Hacker-Tools, sondern verbessert die Glaubwürdigkeit von…
-
Interview: Wie neue EU-Regularien Maschinenbauer zu sicheren Kommunikationsarchitekturen zwingen
„Cybersecurity ist heute keine Option mehr“
Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem Cyber Resilience Act steigt der Druck auf…
das könnte sie auch interessieren
-
Mit integrierter Sicherheitstechnik
MDR-Controller für die Intralogistik
-
Lebensmittelkonformer Oberflächenschutz
Aluminium-Antriebe
-
Für datenintensive Industrieumgebungen
1HE-Rack-PC
















