Harro Höfliger ist Spezialist für maßgeschneiderte Verpackungsmaschinen in der Pharma- und Medizinindustrie (vgl. auch Kasten). Die Kunden haben hohe Anforderungen an Qualität und Prozesssicherheit. Und durch den hohen Variantenreichtum ist jede Maschine im Grunde ein Einzelstück. Eigentlich sind das keine guten Voraussetzungen für eine kostensenkende Standardisierung im Engineering. Standardisierung ist machbar Wo eine Vielzahl individueller Kundenanforderungen umgesetzt werden muss, ist Standardisierung eigentlich unmöglich – so die gängige Meinung. Dipl.-Ing. Volker Scheub, Leiter des Bereichs Steuerungstechnik bei Harro Höfliger, widerspricht: Zwar ist keine Maschine wie die andere, aber es gibt wiederkehrende Elemente und Problemstellungen. Wenn es gelingt, durch Standardisierung signifikant Entwicklerstunden einzusparen und dadurch schneller zur Inbetriebnahme zu gelangen, ist das ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Dies umso mehr, wenn die Abnehmer in Branchen zu Hause sind, deren hohes Innovationstempo den Zeitdruck, der auf den Entwicklern lastet, stetig steigen lässt. Kopierfehler ausgeschlossen Zwar habe man schon frühzeitig Bibliotheken für einzelne Software- und Hardware-Komponenten angelegt, berichtet Volker Scheub. Doch rasch habe man vor der Notwendigkeit gestanden, diese Datenbanken zu standardisieren, zu vereinheitlichen und besser zu strukturieren. Die Einführung des modularen Engineeringsystems Mind8 Engineering Center 2004 erwies sich als echter Glücksgriff. Denn im Mind8 Engineering Center werden nicht konkrete Einzellösungen aus vorhandenen Maschinen abgelegt, sondern aus diesen abgeleitete, verallgemeinerte Programm-Templates, die losgelöst vom Einzelprojekt abgerufen, flexibel parametriert und eingesetzt werden können. Die Software für Bahnverarbeitungsmaschinen kann beispielsweise bereits bis zu 90% aus den Programm-Templates abgeleitet werden. Gut für die Qualität, weiß Volker Scheub: Denn so kommt man weg von der Methode der \’evolutionären\‘ Entwicklung, bei der man Komponenten einer früheren Maschine einfach kopiert und abwandelt. Die Gefahr, dabei Veraltetes oder Überholtes unnötig mitzuschleppen, wird ausgeschlossen, wenn alle Projektentwickler direkten Zugriff auf einheitliche, aktuelle und überprüfte Programmbausteine haben. \“Wir kommen schneller zur Inbetriebnahme, und der Aufwand für Nacharbeiten nach der Installation der Anlage reduziert sich ebenfalls\“, kalkuliert Volker Scheub. Pluspunkte beim Kunden-Audit Konsequent hat man diese neue Arbeitsweise bislang im Technologiebereich Bahnverarbeitung bei zwei vorherrschenden Maschinentypen umgesetzt. \“Vor allem bei den Pflastermaschinen haben wir bereits eine Modularität erreicht, die einen Großteil der Stationen umfasst\“, berichtet der Leiter des Bereichs Steuerungstechnik. Auch in den beiden anderen großen Technologiegruppen, bei den Kartoniermaschinen und im Bereich Füll- und Montageanlagen, soll auf modulares Engineering umgestellt werden. \“Die Pharmahersteller sind verpflichtet, ihre Maschinenlieferanten regelmäßig auf die Einhaltung des GAMP-Regelwerks (\’Good Automated Manufacturing Practice\‘) bei Konstruktion, Softwareentwicklung und Qualitätssicherung zu überprüfen. Ohne Zertifizierung nach GAMP ist man schnell aus dem großen Geschäft und verliert vor allem den Zugang zum lukrativen US-Markt. Mit dem Einsatz von Mind8 Engineering Center sammelt Volker Scheub bei den mehrmals im Jahr zu absolvierenden Audits regelmäßig Pluspunkte. Übertragung auf weitere Disziplinen Vor diesem Hintergrund wundert man sich auch nicht, dass die Harro Höfliger GmbH die guten Erfahrungen mit dieser Softwarelösung nicht nur Schritt für Schritt auf weitere Maschinentypen, sondern darüber hinaus auch auf andere Konstruktionsdisziplinen übertragen möchte. Die verbesserte Erstellung von Stromlaufplänen durch standardisierte Baukastenelemente ist ein besonders dringendes Anliegen. Heute ist für jede Maschine ein hoher manueller Aufwand in der Elektro-Konstruktion erforderlich. Deshalb ist eine Übertragung der Vorteile des modularen Konstruierens mit dem Mind8 Engineering Center auf die Elektrokonstruktion die logische Konsequenz. Baukasten statt Maximalplan Seit Sommer 2007 wird bei Harro Höfliger die CAE-Lösung E³.series der Ulmer Softwareschmiede CIM-Team eingesetzt. Eine Analyse des von vielen E³-Anwendern verfolgten Konzeptes der Variantenbildung über einen Maximalplan, in dem auftragsspezifisch Optionen ausgeblendet werden, hat ergeben, dass dieser Ansatz nicht die Flexibilität bietet, die für die Elektrokonstruktion der Sondermaschinen von Harro Höfliger erforderlich ist. Zu individuell ist der Pool der Optionen, die im Einzelfall integriert werden müssen. Auch bei Kartonieranlagen oder den Kapselfüllmaschinen, die noch am ehesten dafür geeignet scheinen, scheidet die Standardisierung nach dem Maximalkonzept wegen des hohen Anteils individueller Zuführkonzepte letztlich aus. Da lag es nahe, den in der Softwareerstellung bewährten modularen, baukastenbasierten Prozess auf die Schaltplanerstellung zu übertragen. \“So erhalten wir eine ebensolche Variabilität und individuelle Anpassungsfähigkeit für den Schaltplan, wie sie mit dem Mind8 Engineering Center-Baukasten bereits für die Generierung von Steuerungssoftware erreicht worden ist\“, so Volker Scheub. Mind8 Engineering Center verlagert den Maximalansatz von der Maschine auf einzelne funktionale Einheiten, beispielsweise die Komponenten Einspeisung oder Servo-Achse, erläutert Thomas Schaaf, Vertriebsleiter der Stuttgarter Mind8 GmbH. Solche Komponenten sind so überschaubar, dass in ihnen alle in unterschiedlichen Projekten vorkommenden Varianten abgebildet und weiterentwickelt werden können. Dass die Anbieter von Mind8 Engineering Center und E³.series kopieren und Datenaustausch zwischen ihren Softwarelösungen ermöglicht haben, gibt der Integration der einzelnen Konstruktionsdisziplinen zusätzlichen Rückenwind. Die neue Arbeitsweise steckt an Ein neues mechatronisches Team aus Softwareentwicklern und Elektrokonstrukteuren ist mit dem Aufbau des Schaltplan-Baukastens sowie dessen Abgleich mit dem vorhandenen Softwarebaukasten betraut. Gab es seitens der Unternehmensleitung denn keine Widerstände dagegen, die Teammitglieder aus dem täglichen Projektgeschäft herauszulösen und auf eine solche Stabsstelle zu holen? Für einen Mittelständler ist das eine schwierige Entscheidung, räumt Volker Scheub ein, doch dank der nachweisbar positiven Effekte, die seit der Einführung von Mind8 Engineering Center erzielt worden sind, schwinden auch die Bedenken. Auch bei den Kollegen haben sich anfängliche Vorbehalte zerstreut, es werde womöglich Entwickler \’erster und zweiter Klasse\‘ geben – etwa nach dem Motto, die einen entwickeln die Bausteine, die anderen wenden sie nur noch an. Klar ist, dass jeder Projektentwickler mit seinen Innovationen auch zum Baukasten beitragen kann und zudem von ressourcenfressenden Doppelentwicklungen entlastet wird, wenn es für das Problem, vor dem er steht, bereits ein Lösungsmodul gibt. \“Man muss zusammen schaffen und entwickeln, dabei viel kommunizieren, und man lernt, andere Meinungen und Sichtweisen zu respektieren\“, beschreibt Heiko Rentschler den Arbeitsstil im interdisziplinären Team. Die neue Denkweise wächst aus der Arbeit mit dem neuen Instrument. Richtig so, meint Thomas Schaaf: \“Wer gleichzeitig ein neues Tool und eine neue Organisationsstruktur einführt, arbeitet mit zwei Unbekannten\“, weiß der Mind8-Vertriebsleiter. Deshalb helfe Mind8 seinen Kunden, die Umstellung auf modulares Engineering mit dem Mind8 Engineering Center-Baukasten schrittweise und von einer Keimzelle aus einzuführen und organisch wachsen zu lassen. Gelingt das, winken beachtliche Optimierungspotenziale. Die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH zeigt, wie man\’s macht – und hat noch viel vor. Kasten: Über Harro Höfliger Bei Harro Höfliger ist praktisch jede Maschine ein Unikat. Von Allmersbach im Tal im Norden Württembergs liefert das Unternehmen Verpackungsmaschinen in alle Welt. Über 500 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 80Mio. Euro bei einer Exportquote von 75%. In den gut dreißig Jahren seines Bestehens ist aus einem Ein-Mann-Betrieb ein Technologieführer in mehreren Bereichen geworden, mit Niederlassungen in den USA, China und der Schweiz und einem weltweiten Vertriebsnetz. Vor allem bei den großen Adressen der pharmazeutischen, medizinischen und Lebensmittel-Industrie sind die Verpackungs- und Produktionsanlagen von Harro Höfliger gefragt. Die Anforderungen in diesen Branchen sind so individuell wie anspruchsvoll. Ob Blisterverpackung oder feinstdosierte Inhalate, Kartonieranlage oder Verpackungsstraße für Wundpflaster, Verbände oder Portionspackungen – stets findet man eine Lösung, die prozesssicher, schnell und präzise strengste Qualitäts- und Reinheitsstandards erfüllt.
Standardisierung im Sondermaschinenbau: Baukasten-basierte Schaltplanerstellung
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