Rettung in letzter Sekunde. So lässt sich die Installation von 150 Schneekanonen am Rastkogel beschreiben. Ohne wäre es in der Wintersaison 2009/2010 eng geworden. \“Wir hatten sehr wenig Schnee im Zillertal. Irgendwie hat der Winter dieses Mal ganz Tirol ausgelassen\“, erinnert sich Felix Gaugg, Prokurist der Zillertaler Gletscherbahnen. So stand die neu installierte Technik umgehend am Prüfstand. Ihre Aufgabe war es, rechtzeitig zum Saisonauftakt auf 28 Kilometern Pistenfläche deckendes Weiß zu schaffen. Der Rastkogel liegt im Zentrum von vier zusammenhängenden Schigebieten Eggalm, Rastkogel, Finkenberg, Mayrhofen und bekommt erfahrungsgemäß die meiste Sonne ab. Das ist zwar gut für die Skifahrer, die haben es dann angenehm \’warm\‘ und können ihre Schwünge großteils bei hervorragender Sicht ziehen, aber weniger gut für den Schnee. Dieser neigt bei zu viel Schönwetter dazu, unter den Skiern wegzuschmelzen. Jetzt ist jedoch im Bedarfsfall schnell für Nachschub gesorgt. Die Zillertaler Gletscherbahnen investierten acht Millionen Euro in eine Beschneiungsanlage mit 150 Schneelanzen (mit der Baustufe 2010 sind es sogar 250 Schneelanzen) sowie in den Bau eines Speicherteichs mit 155.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Und die Rechnung der Zillertaler Liftgesellschaft ist voll aufgegangen: Die Anlage verwandelt einen Kubikmeter Wasser in bis zu 2,5 Kubikmeter Schnee. Mit den 155.000 Kubikmetern Wasser können so insgesamt 120 Hektar Piste beschneit werden. Am Rastkogel schneit es nur in der Nacht Schnee ist nicht gleich Schnee. Umso ungeübter ein Skifahrer, desto mehr spürt er dies. \“Im Zillertal finden Sie hauptsächlich den Genuss-Skifahrer. Der soll am Ende eines Skitages das Gefühl haben, dass er die Piste bezwungen hat und nicht die Piste ihn. Und das ist nicht nur eine Frage des Gefälles, sondern auch eine Frage der Schneequalität. Je moderner die Anlage und je optimaler sämtliche Parameter aufeinander abgestimmt sind, desto besser die erzeugte Schneequalität\“, erklärt Felix Gaugg. Für die perfekte Mischung muss alles optimal zusammenspielen: Das Wetter sprich Temperatur und Wind, das Rohmaterial das Wasser im Speicherteich muss richtig temperiert werden und last but not least natürlich die Technik. Die Zillertaler Gletscherbahnen setzen in ihren Schigebieten ausschließlich Hochdruckanlagen mit Lanzentechnologie ein. Da ist die Leistungsregelung der Pumpen eine wesentliche Voraussetzung für die optimale Beschneiung. Die Schneeproduktion selbst erfolgt am Rastkogel nur in der Nacht. \“Wir wollten mit den vorhandenen 2,4 MW elektrische Anschlussleistung auskommen. Das bedeutet, wir drehen die Schneekanonen nur dann auf, wenn kein Liftbetrieb mehr ist\“, verrät Gaugg. Erfolgreicher Gipfelsturm von Rockwell Automation Mit der elektrotechnischen Ausrüstung der Beschneiungsanlage am Rastkogel wurde die Firma Elektro Krautgasser aus Leisach/Lienz beauftragt. Die Osttiroler sind in der Krankenhaus- und in verschiedensten Bereichen der Automatisierungstechnik tätig und beschäftigen sich bereits seit dem Jahr 2000 mit der künstlichen Schneeerzeugung. \“Wir haben auf diesem Gebiet bereits mehrere Projekte erfolgreich realisiert, aber dieses hier ist unser bisher größtes\“, zeigt sich Michael Obererlacher, Leiter der Automatisierungstechnik bei Elektro Krautgasser, stolz auf den Auftrag der Zillertaler Gletscherbahnen. Umgesetzt wurde dieser vorwiegend mit Komponenten von Rockwell Automation, wie beispielsweise der CompactLogix als Herz der Anlage, mit mehreren PowerFlex 700 Frequenzumrichtern als Regulatoren, mit SMC PLUS Softstartern als sanfte Anlaufhilfe und natürlich mit Ethernet I/P als bevorzugtes Kommunikationsnetzwerk. Der große Vorteil dieser Systemarchitektur: die Fernwartung. Krautgasser kann jederzeit vom Firmensitz aus über einen VPN Tunnel auf das vor Ort installierte EtherNet/IP Netzwerk der Anlage zugreifen bzw. gegebenenfalls eingreifen oder nachjustieren. \“Das ist sehr wichtig, da die Zeitfenster, in denen man gut beschneien kann, sehr klein sind. Insofern ist eine hohe Anlagenverfügbarkeit ein wesentliches Kriterium für uns\“, betont der Prokurist der Zillertaler Gletscherbahnen Felix Gaugg. CompactLogix: Die beste Lösung für eine Pumpenregelung 200 Liter pro Sekunde, das ist die maximale Wassermenge, die über insgesamt vier Pumpen am Rastkogel ins Feld hinausströmt. Dabei wirkt die Höhenluft auf über 2000 Metern durchaus leistungsvermindernd. Deshalb werden für den Wassertransport nach oben und unten Frequenzumrichter zur Regelung der Pumpen eingesetzt. Auf den Berg hinauf geht es mit 2*400 kW und ins Tal mit 2*200 kW. \“Es bestehen zwei Parallelpumpen, wobei die Zweite nur bei Bedarf synchron hinzu geregelt wird. Wichtig dabei ist, dass dies ohne Druckschwankungen im System erfolgt. Zudem besteht eine Pumpenkurve, die besagt, dass in einem gewissen Druckbereich eine bestimmte Fördermenge eingehalten werden muss. Ist das nicht der Fall, schreitet umgehend die CompactLogix regulierend ein\“, erklärt Michael Obererlacher, Leiter Automatisierungstechnik bei der Firma Elektro Krautgasser. Für die CompactLogix gilt es unter anderem, die Temperatur von Motoren und Lager, den Aus- und Eingangsdruck der Pumpen, den Durchfluss und natürlich die Drehzahl der Antriebe zu überwachen. Bei den Kühltürmen für den Speicherteich werden beispielsweise drei Ventilatoren über einen PowerFlex 700 drehzahlgeregelt. \“Das Wasser, das zu den Lanzen gepumpt wird, darf nicht wärmer als ein halbes oder ein Grad sein. Wird diese Temperatur im Teich überschritten, wird das Wasser über eine Kühlturmanlage geführt. Die drei Ventilatoren mit je 11 kW werden je nach Bedarf geregelt. Ziel ist es, eine bestimmte Austrittstemperatur des Wassers zu erreichen\“, erklärt Michael Obererlacher. Mit den PowerFlex 700 Frequenzumrichtern hat er die richtigen Regulatoren zur Verfügung. Die patentierte Force Technology von Allen-Bradley liefert eine genaue und zuverlässige Drehzahl und Drehmomentregelung und zwar unabhängig von der Temperatur des Motors. Insgesamt befinden sich bei der Umrichter-Serie 700 gleich drei Steuerungsmodi mit an Bord: Vektorregelung mit Force Technology, Sensorless Vector- und V/Hz-Steuerung. \“Ein weiterer Vorteil ist das Safe-Off-Modul. Damit bleibt die Diagnosefähigkeit auch bei deaktiviertem Umrichter erhalten, da nur der Leistungsteil des Umrichters sicher deaktiviert wird, während der Steuerteil aktiv bleibt. Das bedeutet, ich sehe sogar bei einem Not-Aus, warum die Anlage nicht mehr läuft\“, sagt der Automatisierungstechniker der Firma Krautgasser. Bewährt hat sich auch der Einsatz von SMC Plus Softstartern von Rockwell Automation am Rastkogel. \“Dank der speziellen Pumpenfunktion werden Schläge im Rohrsystem verhindert. Diese würden sonst bei solchen Wassermengen unweigerlich zu mechanischen Problemen führen\“, weiß Michael Obererlacher aus Erfahrung. Ein Vorzeigeprojekt auf 2000 Metern Höhe Die neue Beschneiungsanlage am Rastkogel bedeutete in vielerlei Hinsicht eine absolute Punktlandung. Sie kam genau zur rechten Zeit, da in Tirol in der vergangenen Saison 2009/2010 der natürliche Schneefall ausblieb. Die Inbetriebnahme erfolgte plangemäß in der Nacht von 10. auf 11. November 2009. Und sie schuf das, wovon jeder Skifahrer träumt: ein gut befahrbares, einladendes, flächendeckendes Weiß. Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten machte dies möglich. Wobei die Kooperation zwischen dem Auftraggeber Zillertaler Gletscherbahnen und den für die elektrotechnische Ausrüstung verantwortlichen Firmen Elektro Krautgasser, Routeco (Rockwell Automation Distributor) und Rockwell Automation genauso gut funktionierte wie das Zusammenspiel der eingesetzten Komponenten. Kasten: Das Projekt \’Schnee\‘ Die Anforderung: Die Zeitfenster, in denen optimal beschneit werden kann, sind relativ klein. Deshalb war es den Zillertaler Gletscherbahnen besonders wichtig, dass Komponenten eingebaut werden, die – wenn sie benötigt werden – zuverlässig funktionieren. Die Lösung: – Allen-Bradley CompactLogix – Allen-Bradley PowerFlex 700 Frequenzumrichter – SMC PLUS Softstarter – EtherNet/IP Das Ergebnis: – Schneegarantie am Rastkogel, auch wenn die Natur auslässt – Eine Pumpenleistung von maximal 200 Liter pro Sekunde – Hohe Anlagenverfügbarkeit dank Fernwartung SPS/IPC/Drives 2010: Halle 9, Stand 205
Zillertaler Gletscherbahnen: Hohe Verfügbarkeit der Schneekanonen
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