Die Podiumsdiskussion „Zehn Drehgeberrunden“ auf der SPS 2025 zog Bilanz zur Entwicklung sicherer Drehgeber und skizzierte die nächsten Schritte. Safety hat sich technologisch, regulatorisch und im Markt stark weiterentwickelt, etablierte sich aber erst mit wachsender Marktreife und besserem Systemverständnis – denn entscheidend ist stets das Gesamtsystem aus Sensor, Steuerung, Normen und Anwendung.
Treiber sind vor allem neue bzw. verschärfte Normen (u. a. C‑Normen im Maschinenbau) sowie komplexere Maschinen. Gleichzeitig wächst die Diskrepanz zwischen steigenden Anforderungen und sinkender Zahlungsbereitschaft: Safety gilt immer häufiger als „selbstverständlich“. Hersteller reagieren mit skalierbaren Portfolios und abgestuften Sicherheitslevels (z. B. SIL2 statt SIL3) sowie stärker applikationsspezifischen Lösungen zur Optimierung von Total Cost of Ownership.
International bleibt Safety zwar EU-geprägt, gewinnt aber in Asien und Nordamerika an Bedeutung – oft durch Exportanforderungen; erste eigene Normungsinitiativen entstehen. Bei der sicheren Kommunikation dominieren Ethernet-basierte Protokolle, während neue Ansätze (BISASafety, OPC UA FX Safety) wegen eines Sensor/Steuerungs-„Henne-Ei“-Problems nur langsam in die Breite kommen; parallele Koexistenz mehrerer Technologien gilt als wahrscheinlich.
Technologisch diversifiziert sich der Markt: neben optischen auch magnetische, kapazitive, induktive und lagerlose Drehgeber (besonders relevant für Robotik/kompakte Antriebe). Single‑Turn ist breit sicher umsetzbar, Multi‑Turn bleibt anspruchsvoller. Die wachsende Komplexität führt zu professionellerer Softwareentwicklung, Plattformstrategien und „Safe‑Ready“-Design von Beginn an. Zudem wandeln sich Safety-Drehgeber vom Premium- zum Standardprodukt; Differenzierung verlagert sich auf Integration, Beratung und Zusatznutzen.
Kerntrend: Safety wird vom reinen Schutzmechanismus zum Performance‑Enabler („sichere Produktivität“) – mit weniger Stillstand, weniger Referenzfahrten und höherer Prozessgeschwindigkeit bei Schutz. Für die nächsten 7–10 Jahre erwartet die Branche mehr Verbreitung und Standardisierung, stärkere Verbindung von Safety und Cybersecurity sowie mehr Datenmehrwert – bei weiterhin skeptischer Haltung gegenüber direkter Cloud-Anbindung von Sensoren. Safety wird selbstverständlich; der Mehrwert entsteht durch Daten, Integration und Systemkompetenz.
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Bild: TeDo Verlag GmbH
Technologische Trends
Technologisch zeigt sich eine breite Diversifikation. Neben klassischen optischen Drehgebern etablieren sich:
magnetische Systeme
kapazitive Technologien
induktive Sensorik
lagerlose Drehgeber
Besonders lagerlose Konzepte gewinnen an Bedeutung, etwa in der Robotik oder bei kompakten Antriebslösungen. Für Singleturn-Anwendungen sind verschiedene Technologien bereits sicher umsetzbar. Im Multiturn-Bereich bleibt hingegen Entwicklungsbedarf, insbesondere bei innovativen Ansätzen wie Wiegand-Technologie in sicherheitsgerichteten Anwendungen.
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Software und Entwicklung
Die steigende Komplexität der Safety-Anforderungen führt zu einer deutlichen Professionalisierung der Softwareentwicklung. Moderne Safety-Produkte entstehen heute:
auf Basis strukturierter Entwicklungsprozesse (z.B. V-Modell)
mit spezialisierten Tools und Teams
zunehmend auf gemeinsamen Plattformen
Ein zentraler Trend ist, dass neue Produkte von Beginn an als ’safe-ready‘ entwickelt werden. Der nachträgliche Umbau eines Standardsensors zum Safety-Produkt gilt als ineffizient und riskant. Plattformstrategien ermöglichen es zudem, Standard- und Safety-Produkte effizient abzuleiten und Entwicklungsaufwände zu reduzieren.
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Vom Premiumprodukt zur Commodity
Ein klarer Trend ist die Entwicklung von Safety-Drehgebern vom Premium- zum Standardprodukt. Gründe dafür sind:
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