
Stand Februar waren in Deutschland rund 450 Lizenzen für Campusnetze für den Frequenzbereich 3.700 bis 3.800MHz vergeben. Bislang stagniert die Entwicklung nicht zuletzt, weil es noch an 5G-Devices fehlte. Es wird jedoch immer deutlicher, dass private 5G-Netze als zukunftssichere Technologie für eine sichere Konnektivität für immer mehr Unternehmen eine wichtige Rolle spielen werden. Es wird erwartet, dass 5G in den kommenden Jahren immer öfter mit WiFi koexistieren oder es sogar ersetzen wird.

Wer profitiert von privaten 5G-Netzen?
Doch für wen kommen private 5G-Netze überhaupt in Frage? Neben automatisierten Lagerhäusern und Logistikzentren spielen sie bei der Echtzeitüberwachung und Steuerung von Energienetzen (Smart Grids) sowie der Automotive-Fertigung spielen eine Rolle. Erste 5G-Campusnetze sind an Flug- und Seehäfen, aber auch im Gesundheitswesen zu sehen. Im Rahmen eines Pilotprojekts mit einem großen Medizintechnikhersteller wird derzeit erarbeitet, wie dessen Maschinen drahtlos statt wie bisher kabelgebunden über LAN vernetzt werden können. Forschungseinrichtungen wie die TH Rosenheim setzen ebenfalls auf ein privates 5G-Netz.

Industrielle Automatisierung nach vorn bringen
Sowohl bei Cobots, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten, als auch bei autonomen Transport- und Lagersystemen muss eine Echtzeitsteuerung und im Gefahrenfall eine sofortige Notabschaltung möglich sein. Hier stößt WiFi an seine Grenzen. Die Übergabe zwischen Zugangspunkten sind bei 5G deutlich stabiler als bei anderen Technologien. In der industriellen Vernetzung ermöglicht die Verbindung aus 5G-Campusnetz und TSN eine Technologie, die sich als Real-Time-Ethernet via 5G bezeichnen lässt. TSN ist Teil der 5G-Roadmap und eine Ethernet-basierte Funktionalität, die eine synchronisierte, deterministische Echtzeitkommunikation zwischen Maschinen, Robotern und Sensoren ermöglicht: ein entscheidender Aspekt, um das Thema Industrie 4.0 mit neuen technologischen Möglichkeiten weiter voranzubringen. Mit einem Mobile Private Network (MPN) lässt sich neben höchsten Safety-Standards in der Arbeitssicherheit etwa auch Geofencing umsetzen – z.B. um in sensiblen Bereichen der Fabrik zusätzliche Sicherheitsanforderungen abzudecken. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In Szenarien wie in der Fabrik geht es meist vor allem um Flexibilität. So stellt man bei Kontron in der mit 5G ausgestatteten Fabrik in Augsburg fest: Wenn Geräte, Maschinen und Anlagen ohne Verkabelung auskommen, wird man bei Veränderung und Planung deutlich unabhängiger und flexibler. Das spielt z.B. dort eine wirtschaftlich wichtige Rolle, wo es um Kleinserien geht, denn 5G hebt bestehende Grenzen beim Design von Produktionszellen auf. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Nicht komplexer als WiFi
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass der Aufbau eines MPN technisch, architektonisch und regulatorisch größere Herausforderungen mit sich bringt. Der Prozess beginnt immer mit einer Standortanalyse und Netzsimulationen, um die bestmögliche Signalausbreitung zu ermitteln. Ein Nutzungsszenario für 5G ist die Versorgung großer Outdoor-Flächen, wie der Chemieindustrie. In Slowenien hat Kontron das erste kommerzielle 5G-Privatnetz für den Chemiekonzern Chinkania Chale gebaut, dessen Gelände sich über eine Fläche von 1,6km Länge und 800m Breite erstreckt. Im Vorfeld wurde eine Vergleichsrechnung zwischen der Versorgung mit WiFi oder mit 5G erstellt. 5G erwies sich als deutlich wirtschaftlicher, denn mit WiFi wären schlicht unzählige Access-Punkte nötig gewesen. Die Entscheidung fiel aufgrund der klaren Kostenvorteile des 5G-Campusnetzes und der übergreifenden, sicheren Konnektivität.



















