
Es ist ein besonders effizienter Ansatz, der den Verkabelungsaufwand bedeutend reduziert: Single Pair Ethernet vereint Datenübertragung und Energieversorgung über lediglich ein Adernpaar. Besonders geeignet ist die Technologie für kompakte Geräte, installationskritische Umgebungen mit wenig Platz sowie flexible Netzwerkstrukturen. Einer breiten Marktdurchsetzung stand bislang jedoch die Vielzahl unterschiedlicher, nicht kompatibler Steckgesichter entgegen: Die verschiedenen Ausprägungen der Normenreihe IEC63171 ließen sich nicht kombinieren und erschwerten dadurch die Entwicklung von Geräten und Infrastrukturen. Jetzt zeichnet sich ein Wendepunkt ab. „SPE hat in den letzten Monaten wieder drive bekommen“, erklärt Ralf Moebus, Head of Product Management Industrial Communication bei Lapp. Ausschlaggebend dafür ist die Entscheidung der Profinet Nutzerorganisation (PI), die sich gemeinsam mit ihren Mitgliedern auf ein einheitliches SPE-Steckgesicht verständigt hat. Festgelegt wurde der IEC63171-7 M12-Hybridsteckverbinder, der ursprünglich für IP67-Anwendungen entwickelt wurde. Künftig soll dieser besonders robuste Steckverbinder auch in IP20-Umgebungen eingesetzt werden. Die Aufnahme in die Profinet-Planungsrichtlinien ist bereits im Gange, die Integration in die IEC-Normung wird für 2027 erwartet.

Standardisierung bietet Investitionssicherheit
Mit dieser Vereinheitlichung entsteht erstmals echte Investitionssicherheit – sowohl für Hersteller als auch für Anwender. Der standardisierte Steckverbinder ebnet den Weg für einen flächendeckenden Einsatz von SPE in der industriellen Automatisierung. Lapp begleitet diese Entwicklung aktiv und engagiert sich in relevanten Normungsgremien. Zudem bietet das Unternehmen ein umfassendes SPE-Portfolio: von Leitungen und Steckverbindern bis hin zu Industrial Ethernet Switches. Es will damit einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Etablierung dieser zukunftsweisenden Technologie im Markt leisten.

Der Weg von Ethernet-APL in der Prozessindustrie
Als Lösung für die speziellen Anforderungen der Prozessindustrie entwickelte sich parallel zu SPE das Ethernet-APL. Auf SPE-Basis erweitert APL die Technologie um intrinsische Sicherheit (gemäß IEC TS 60079-47) und ermöglicht Datenübertragungen mit bis zu 10Mbit/s über Strecken bis 1000m. Über dieselbe Leitung erfolgt gleichzeitig die Energieversorgung der Feldgeräte. In neuen Anlagen, sogenannten Greenfield-Projekten, wird Ethernet-APL bereits erfolgreich eingeplant. Geprüfte und freigegebene APL-Komponenten können hier von Anfang an eingesetzt werden. Im Vergleich zu klassischen Systemen wie 4…20mA/HART bietet Ethernet-APL deutliche Vorteile und das trotz leicht erhöhter Anschaffungskosten: eine schnellere Amortisation durch bessere Fernwartungsmöglichkeiten sowie eine vereinfachte Planung. Die aufwändige Berechnung der Eigensicherheitsparameter entfällt durch den Einsatz von 2-WISE-konformen Feldgeräten und passiven Komponenten vollständig.
Im Brownfield sieht die Lage dagegen anders aus: Den strengen Anforderungen von Ethernet-APL hinsichtlich Kapazität, Induktivität und Schirmung werden die bestehenden Verkabelungsinfrastrukturen oft nicht gerecht. Es muss eine sorgfältige Qualifizierung der Bestandskabel mit speziellem Messequipment vorgenommen werden. Wenn die Parameter außerhalb der Toleranz liegen, sind reduzierte Übertragungslängen oder sogar eine vollständige Neuverkabelung notwendig.
Diesen Herausforderungen zum Trotz zeigt sich: Für die Prozessindustrie bietet Ethernet-APL eine zukunftsfähige Lösung, die langfristig eine durchgängige IP-Kommunikation bis in explosionsgefährdete Bereiche ermöglicht. „Das größere Thema für unsere Kunden ist aus unserer Erfahrung aktuell die Aufbereitung bestehender Verkabelung und nicht der Neuaufbau, denn es gibt viele Bestandsgebäude, die nachgerüstet werden“, erklärt Christian Illenseer, Product Manager Industrial Communication und Ethernet APL-Experte bei Lapp. „Für deren Prüfung bedarf es hochkomplexer Geräte, damit eine erfolgreiche APL-Kommunikation gewährleistet werden kann.“

Ganzheitliche Unterstützung
Bei der Implementierung dieser neuen Technologien unterstützt Lapp Unternehmen mit einem umfassenden Portfolio:
















