
KI in der Anwendung
Umrahmt wurden die drei Messetage von einem Vortragsprogramm mit Fokus u.a. auf KI in der Automatisierung. „Für uns ist der Top-Trend auf der SPS ganz klar die künstliche Intelligenz. Wir sind überzeugt, dass diese Technologie in den kommenden Jahren – vielleicht sogar Jahrzehnten – enorme Produktivitätsvorteile bringen wird“, kommentierte WSCAD-Geschäftsführer Dr. Axel Zein das Messegeschehen. Die insgesamt vier Messeforen boten die Gelegenheit, tief in die Materie einzutauchen und in den direkten Austausch mit den Experten zu gehen. Auch auf den meisten Messeständen war das Thema KI omnipräsent, es wurde nicht nur diskutiert sondern auch spannende Exponate und Demos gezeigt. So auch bei Siemens in Halle 11. Der Konzern hatte schon auf der Hannover Messe dieses Jahr für seine KI-Lösung Industrial Copilot eine Kooperation mit Schaeffler vorgestellt. In Nürnberg folgte der nächste Schritt in Form einer weiteren Kooperation in diesem Bereich, und zwar mit der Anlagenbau-Sparte von Thyssenkrupp. Das Industrieunternehmen plant, den von generativer KI gesteuerten Assistenten großflächig einzusetzen. Konkret sollen ab 2025 alle Anlagen an den Thyssenkrupp-Standorten mit dem Copilot ausgestattet werden. Das KI-Tool soll dann die Ingenieure bei der Erstellung von TIA Portal-Projekten unterstützen und helfen, SCL-Code für SPSen schneller zu entwickeln und eine Maschinenvisualisierung in WinCC Unified zu erstellen. Das erlaubt den Engineering-Teams, repetitive und monotone Aufgaben wie die Automatisierung der Datenverwaltung oder die Sensorkonfiguration zu reduzieren. Ein erstes Beispiel war auch schon live auf dem Siemens-Stand zu sehen. Als Messe-Demo wurde der Copilot für das Engineering in eine Batteriefertigungsmaschine von Thyssenkrupp Automation Engineering integriert, die zur Qualitätsprüfung von Elektrofahrzeugen eingesetzt wird. Dazu Rainer Brehm, CEO Factory Automation bei Siemens: „Der Industrial Copilot als KI-gestütztes Produkt für das Engineering ist ein Katalysator für die Industrieautomatisierung und verhilft unseren Kunden zu mehr Innovation, Produktivität und verbesserter Wettbewerbsfähigkeit.“

Einfach ins IoT
Das Credo von Weidmüller auf der SPS lautete: The easy way to IoT. „In diesem Sinne zeigen wir auf unserem Stand an vielen Stellen wie wir Automatisierung als Lösungsanbieter einfach machen – vom Sensor bis in die Cloud“, betonte CEO Dr. Sebastian Durst im Rahmen des Standrundgangs. Ein Punkt, der auf dieser Mission immer wichtiger wird, ist die Cybersicherheit. Deshalb kündigte das Unternehmen auf der Messe verschiedene Partnerschaften in diesem Bereich an. In Zusammenarbeit mit Fortinet will man künftig auf den wachsenden Bedarf an Cybersicherheit an der Schnittstelle von IT und OT reagieren. Ziel ist es, eine integrierte Lösung zu entwickeln, die eine Absicherung für Industriekunden vereinfacht. Die Technik von Fortinet soll künftig in die Weidmüller-Hardware integriert werden und eine kohärente wie sichere Basis für kritische Infrastrukturen und industrielle Systeme bilden. „Gemeinsam bieten wir unseren Kunden die Gewissheit, dass ihr Geschäft geschützt ist,“ brachte es der Automatisierungs-Chef von Weidmüller, Dr. Thomas Bürger, vor Ort auf den Punkt. Zusätzlich wird das Unternehmen Mitglied des Open Fabric Ecosystems von Fortinet mit über 400 Partnern und 800 Integrationen. Eine zweite Kooperation für mehr Sicherheit hat Weidmüller mit der französischen Firma Orange Cyberdefense bekannt gegeben. Hier liegt der Fokus darauf, produzierenden Unternehmen einen leichteren Zugang zu umfassenden Beratungsleistungen im Bereich Cybersicherheit zu ermöglichen. Last but not least hat Weidmüller auf der SPS 2024 das Zertifikat für industrielle IT-Sicherheit nach IEC62443-4-1 vom TÜV Nord erhalten. Das soll das Engagement von Weidmüller unterstreichen, neue Produkte von Beginn an Secure-by-Design zu entwickeln, damit Anwender gesetzliche Security-Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie und den Cyber Resilience Act besser erfüllen können. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
Um das IoT ging es auch beim Automatisierungsanbieter KEB. An dessen Stand fiel im Rahmen der SPS der Startschuss für die Plattform NOA, über die das SPS-MAGAZIN auch schon verschiedenfach berichtet hat. NOA steht für Next Open Automation und soll Anwendern neben der flexiblen Steuerung und Bedienung ihrer Maschine auch die smarte Nutzung und Analyse von erfassten Prozessdaten ermöglichen. In der Folge lassen sich Kosten und Ausfallzeiten reduzieren oder die Effizienz erhöhen. Das Unternehmen bietet einen Grundbaukasten an, der um kundenspezifische und 3rd-Party Apps erweitert werden kann – für den Anwender selbst und auch für deren Kunden. Dabei funktioniert NOA als hardwareunabhängige Automatisierungsplattform as a Service (APaaS) und basiert auf Linux und Containertechnologie. Die Plattform ist als White-Label Lösung verfügbar, so dass OEMs darüber die Erweiterung ihrer Geschäftsmodelle umsetzen können – etwa mit digitalen Leistungen wie Predictive Maintenance oder Condition Monitoring, intelligentem Alarming oder Fernwartung.

Simulation und Safety
Machineering zeigte auf der Messe, wie sich mit der Simulationssoftware iPhysics die virtuelle Inbetriebnahme in die Cloud verschieben lässt. Das spannende Ergebnis einer Partnerschaft gab es am Stand ebenfalls zu sehen. Dr. Georg Wünsch von Machineering, Markus Bengel von Fanuc und Dr. Anatoly Sherman von Sick stellten auf der SPS 2024 die Integration von Fanuc-Safety-Funktionen und Sick-Safety-Sensoren in die virtuelle Inbetriebnahme vor. Sicherheitsfunktionen können damit realitätsnah simuliert, Sensorik und Safety-Signale virtuell an die SPS übertragen werden. Während bisher in der virtuellen Inbetriebnahme ausschließlich Standardsignale zwischen dem Roboter, der Simulationssoftware iPhysics und der SPS ausgetauscht werden konnten, erlaubt die neue Funktionalität nun auch die Einbindung von Safety-Signalen in das virtuelle Modell. So können bereits während der Simulation die Sicherheitssteuerung in Betrieb genommen und sicherheitsrelevante Testszenarien risikofrei für Mensch und Maschine durchgeführt werden. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht



















