Jeder fünfte Kunststoffverarbeiter erwartet sehr kritische Liquiditätslage

Umfrage Kunststoffverarbeiter Liq 20260309154722
Bild: Industrie-Contact AG

In den letzten zwölf Monaten erlebten 75% der Betriebe in der kunststoffverarbeitenden Industrie bereits kritische Liquiditätsengpässe, davon 58,5% eher kritische und 17,5% sehr kritische Engpässe. Das ergab eine Umfrage der Close Brothers Factoring aus Mainz unter 200 Unternehmen der Branche. Für die kommenden zwölf Monate erwarten außerdem 81,5% der Befragten eine überwiegend kritische Liquiditätslage. Im Detail sehen 61,5% hierbei eine eher kritische, 20% eine sehr kritische Situation voraus.

Zu den Ursachen für zurückliegende Liquiditätsprobleme zählen 25% der betroffenen Unternehmen vor allem Umsatzrückgänge aufgrund sinkender Nachfrage. Am zweithäufigsten – von 22,5% der Befragten – wurden Zahlungsverzögerungen als wesentlicher finanzieller Belastungsfaktor genannt. Hohe Energiekosten, die sie nicht vollständig oder nur verzögert weitergeben konnten, folgten mit 20,5% der Nennungen an dritter Stelle. 17,5% der Unternehmen machten zudem Zahlungsausfälle besonders stark zu schaffen.

Zahlungsausfälle bei sieben von zehn Betrieben

Im Zusammenhang mit dem Begleichen offener Forderungen zeigte die Umfrage zudem, dass insgesamt 199 von 200 Unternehmen hier mit Problemen konfrontiert waren: 10,5% der Befragten erlebten Zahlungsausfälle und -verzögerungen, 30,5% nur Verzögerungen und 58,5% nur Ausfälle. Oder anders gerechnet: 41% der Unternehmen waren von verspäteten Zahlungen betroffen und ganze 69% mussten sogar Forderungsausfälle hinnehmen.

Die Befragung ergab zudem, dass im vergangenen Jahr 82% der Unternehmen auf zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen zurückgriffen, um ihre Zahlungsfähigkeit zu stärken. Am stärksten gefragt waren Darlehen von Kreditinstituten, die 42% der Befragten in Anspruch nahmen. Jeweils 30,5% entschieden sich außerdem für Factoring sowie für den Verkauf von Anlagegütern an Händler oder andere Nutzer. Darüber hinaus schalteten 28% der Betriebe Anwälte und Inkassodienste ein. 25,5% nutzten Sale-and-Lease-back-Modelle zur Steigerung ihrer Liquidität.

Umfrage Kunststoffverarbeiter Liq 20260309154718
Bild: Industrie-Contact AG

Liquiditätsdruck dürfte anhalten

In der gleichen Umfrage ging es auch um einen Ausblick auf die kommenden zwölf Monate. Hier zeigt sich, dass eine große Mehrheit der Kunststoffverarbeiter – 81,5% – einen weiterhin hohen Liquiditätsdruck erwartet: 61,5% gehen von einer eher kritischen und 20% sogar von einer sehr kritischen Liquiditätslage aus. Weitere 18% rechnen mit einer eher unkritischen Situation. Nur ein einziger von 200 Betrieben, also 0,5%, erwartet keinerlei Probleme hinsichtlich seiner Zahlungsfähigkeit.

Als einen der voraussichtlich größten finanziellen Belastungsfaktoren für die kommende Zeit betrachten 29,5% der Betriebe Zahlungsverzögerungen. Weiterhin zählen für 28,5% sinkende Umsätze aufgrund rückläufiger Nachfrage und für 27% hohe Transportkosten zu den Hauptgefahren für ihre Liquiditätslage. 24% der Umfrageteilnehmer erwarten zudem, dass Zahlungsausfälle sie erheblich belasten werden.

Factoring am gefragtesten

Um ihre Liquidität gezielt zu stabilisieren, planen 81,5 % der Unternehmen konkrete Maßnahmen. 37% dieser Betriebe möchte dabei auf Factoring setzen, 35% auf den Verkauf von Anlagegütern an Händler oder andere Nutzer und 30% auf Sale-and-Lease-back. 29,5% beabsichtigen außerdem ihre Lage mit einem konsequenteren Forderungsmanagement inklusive juristischer Unterstützung zu verbessern und 27,5%mit Darlehen von Kreditinstituten.