
In der Kunststoffverarbeitung sind isolierte Insellösungen längst passé. Die Anlage bei A. Raymond verdeutlicht diesen Trend: Eine Arburg-Spritzgussmaschine arbeitet hier im Verbund mit einer Buchsenzuführung, einem Kistenpuffer sowie einer Kombination aus Linear- und 6-Achsen-Robotern. Das Herzstück der Fertigung ist das Umspritzen von Buchsen. Damit dieser hochautomatisierte Prozess sicher betrieben werden kann, müssen alle Komponenten – von der Zuführung bis zum Entnahmeroboter – steuerungstechnisch im Sicherheitskreis der Spritzgussmaschine abgebildet werden.

Die Krux mit der Euromap-Schnittstelle
Die Euromap 78 spezifiziert die Verbindung zwischen Maschine und Sicherheitseinrichtung über zweikanalige OSSD-Signale. Die Herausforderung im Sondermaschinenbau: Standardmäßig bietet die Spritzgussmaschine oft nur eine begrenzte Anzahl an Schnittstellen. Kommen weitere Schutztüren, Not-Halt-Taster oder Roboterzellen hinzu, müssen Anwender üblicherweise teure Schnittstellenerweiterungen beim Maschinenhersteller nachkaufen oder eine zentrale Sicherheits-SPS im Schaltschrank installieren, um die Signale mühsam zu bündeln. Besonders komplex wird es, wenn zusätzlich ein Hintertretschutz (Pre-Reset) nach DIN EN ISO20430:2020 gefordert ist oder wenn ein lokaler Not-Halt an einer Schutztür auch entfernte Peripheriemodule abschalten soll, obwohl die physikalische Verbindung primär zur Spritzgussmaschine führt.

Dezentrale Intelligenz statt Kabelbäume
Zur Lösung setzte A. Raymond auf den Safety Simplifier von Safety System Products (SSP). Das Konzept bricht mit der traditionellen Schaltschrank-Hierarchie: Die Sicherheitssteuerung ist direkt im Gehäuse der Bedienelemente an der Schutztür integriert. Der Simplifier verfügt über eine integrierte Euromap 78-Schnittstelle, die über einen standardisierten Stecker direkt mit der Arburg-Maschine verbunden wird. Anstatt jede Tür einzeln zur Maschine zu verdrahten, werden bis zu 15 Geräte dezentral an der Anlage verteilt – etwa am Kistenpuffer, an den Zuführungen und den Roboterstationen. Die Kommunikation der Teilnehmer untereinander erfolgt sicher (nach PLe) über CAN oder kabellos per Funk.
Plug&Play für komplexe Sicherheitslogiken
Das System fungiert als intelligenter Hub: Alle Sicherheitsfunktionen wie Not-Halt, Türanforderung oder Quittierung werden lokal im Simplifier verarbeitet. Die Freigabe der OSSD-Signale an die Spritzgussmaschine erfolgt erst, wenn das System über das Netzwerk meldet, dass alle Türen geschlossen, zugehalten und quittiert sind. Ein zentraler Vorteil ist die einfache Integration des Pre-Reset-Tasters für den Hintertretschutz, der ohne Zusatzmodule direkt am Zugang eingebunden wird. Für die physische Absicherung kombiniert A. Raymond den Simplifier mit der Sicherheitszuhaltung tGard und dem RFID-Sensor Safix 3 an den Haupteingängen, während am Paletten-Puffer die Prozesszuhaltung HoldX RL 1 zum Einsatz kommt.
Minimierter Engineering-Aufwand in der Praxis
Die Programmierung der Logik erfolgt über den Simplifier Manager. Dank vorgefertigter Funktionsbausteine lassen sich selbst komplexe Verkettungen zwischen der Maschine und den verschiedenen Robotertypen ohne tiefgehende SPS-Kenntnisse konfigurieren. Da der Planungsaufwand für die Kabelwege durch die Wireless-Option nahezu entfällt, konnte die Anlage bei A. Raymond wesentlich schneller in Betrieb genommen werden als mit konventioneller Verdrahtung. Das modulare Aluminium-Schutzzaunsystem Flex-Line rundet das Gesamtpaket ab, wobei spezielle Selbst-Entnahme-Felder die Wartung der Linearachsen zusätzlich erleichtern.
Sicherheit wächst mit der Applikation
Für den Kunststoffverarbeiter entsteht somit eine skalierbare Sicherheitsarchitektur, die sich bei Bedarf um weitere Module oder Roboter erweitern lässt, ohne grundlegende Änderungen an der Sicherheitsanbindung der Spritzgussmaschine.
Bestandsmaschinen einfacher integrieren
Neben Euromap 78 unterstützt der Safety Simplifier auch die älteren Standards Euromap 67 und 73. Dadurch lassen sich Roboter und Peripherie an Maschinen unterschiedlicher Generationen anbinden, ohne die vorhandene Sicherheitsarchitektur aufwendig umzubauen. Das erleichtert Retrofit-Projekte und unterstützt ein einheitliches Sicherheitskonzept im Maschinenpark.
Praxistipp: Bestandsmaschinen einfacher integrieren Neben Euromap 78 unterstützt der Safety Simplifier auch die älteren Standards Euromap 67 und 73. Dadurch lassen sich Roboter und Peripherie an Maschinen unterschiedlicher Generationen anbinden, ohne die vorhandene Sicherheitsarchitektur aufwendig umzubauen. Das erleichtert Retrofit-Projekte und unterstützt ein einheitliches Sicherheitskonzept im Maschinenpark.
















