Das klingt nach einem großen Schritt für Ihre Kunden. Wie stellen Sie denn sicher, dass Sie dabei den mittelständigen Maschinenbauern genauso mitnehmen wie einen Großkunden mit mehreren tausend Mitarbeitern?

Mrosik: Es bringt nichts, wenn man sich in den Elfenbeinturm zurückzieht und dort die Entwickler auf eine allgemeingültige Musterlösung ansetzt. Das Gegenteil ist der richtige Ansatz: Eine passende Lösung kann nur in intensiver Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt und auf seine jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Entsprechend gilt es, sich jeden Fall genau anzuschauen: Was ist der Bestand? Welche Systeme verwendet der Kunden heute schon? Was bringt ihm zum jetzigen Zeitpunkt und auch perspektivisch den größten Nutzen? Wie können weitere Schritte aussehen? Die Digitalisierung ist keine Sache, die man einmalig kauft und einbaut – sie muss Stück für Stück eingeführt werden. So ist das übrigens auch auf Seite der Investitionen.

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Apropos Investitionen: Mit welchen Kosten muss der Anwender denn rechnen?

Mrosik: Unsere Erfahrung zeigt: Nur etwa 20 Prozent des Aufwandes eines Digitalisierungsprojekts machen die Software und deren Implementierung aus. Die übrigen 80 Prozent liegen darin, die Prozesslandschaft anzupassen, bisherige Systeme oder Datenbanken aufzuräumen und digitalisierungsfähig zu machen sowie die Entwicklung auf eine einheitliche Datenbasis zu bringen. Werden jedoch umgekehrt die neuen Tools so verbogen, dass sie die alte Prozesslandschaft reflektieren, dann geht das eindeutig zu Lasten des Einsparungs- und Verbesserungspotentials.

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Der digitale Zwilling ist ein zentraler Bestandteil in Ihrer Strategie. Wie ist denn hier der tatsächliche Ist-Zustand? Nutzt Siemens als Fertigungsunternehmen auch selbst entsprechende Ansätze?

Mrosik: Als fertigendes Unternehmen setzen wir immer stärker auf den digitalen Zwilling. Sei es in der Elektronikfertigung in Amberg oder in unserem chinesischen Werk in Chengdu. Eine weitere Musterfertigung ist am Standort Bad Neustadt entstanden. Dort wurde die Fertigung ebenfalls komplett nach den Ansätzen der digitalen Fabrik gestaltet – in diesem Fall für Metallbearbeitung.

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