Aber dennoch wird sich die Feldebene stark verändern, oder?

Franke: Sicherlich. Die Hardware wird völlig anderen Anforderungen gerecht werden müssen und in Sachen Rechenleistung die aktuelle Simatic-Generation um Faktoren überschreiten. Auch die klassische Verbindung von Hardware und Software über eine Runtime-Lizenz wird es so nicht mehr geben. Letztendlich wird man auf Anhieb gar nicht mehr sagen können, wo eine Bewegungs- oder Sicherheitsfunktion tatsächlich ablaufen wird.

Welche Rolle wird Simatic dann übernehmen? Die des Vermittlers?

Franke: Genau, die gesamte Architektur braucht ja ein Backend, man benötigt regelmäßige Updates und muss Algorithmen permanent teachen. Das wird vielleicht aus der Cloud initiiert – aber letztendlich auf die Steuerungen im Feld heruntergeladen. Und die stellen dann den Kontakt zu allen entsprechenden Devices her. Das notwendige Maß an Konnektivität für solche Szenarien und den tatsächlichen Paradigmenwechsel müssen flächendeckend aber erst noch erfolgen. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir noch sehr lange die Asymptote der Mainstream-Technologie pflegen werden.

Neben der genannten Entkopplung von Hardware und Software fordert Industrie 4.0 offene Strukturen. Liegt darin dann nicht die Gefahr, dass Hardware komplett austauschbar wird, weil alle Fabrikate das Gleiche können?

Franke: Dieser Frage darf man sich nicht verschließen. Wenn es einmal vollkommen aufgelöste Strukturen gibt, dann wird die Wertigkeit der Hardware eine andere Bedeutung einnehmen, als heute. Es ist also wichtig, nicht krampfhaft an bestehenden Geschäftsmodellen festzuhalten. In Anlehnung an heutige Softwarelizenzen könnte dann z.B. auch die Runtime einer Simatic ein Service sein, den der Kunde monatlich bucht und abhängig von der Performance bezahlt.

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