Lassen Sie uns abschließend noch über die Cloud sprechen. Welche klassischen Simatic-Funktionen können künftig über das Internet gelöst werden?

Franke: Rein technisch wird die überwiegende Mehrheit an Steuerungsanwendungen mittelfristig cloudfähig sein. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie in der Praxis dann auch so gelöst werden. Denn nur weil es möglich ist, ist es nicht unbedingt sinnvoll. Persönlich glaube ich, dass es viel stärker zu einer Anreicherung der dezentralen Intelligenz kommt, womit wir wieder beim Thema Edge sind. Es wird also mehr um die Frage gehen, wie man Rechenleistung und Künstliche Intelligenz vor Ort an die Maschine bringen kann. Und das bei viel loseren und flexibleren Strukturen in der Fabrik.

Ein Hemmschuh für die Cloud ist die Security. Was kann denn Simatic dazu beitragen, dass sich der Anwender sicherer fühlt?

Franke: Das Thema Security ist mit ausschlaggebend, warum die zwei anfangs genannten S-Kurven noch lange nebeneinander verlaufen. Denn für einen Anwender ist es ein sehr großer Schritt, sich dem Netz zu öffnen. Rückblickend haben wir bei Siemens Glück gehabt, dass uns das Thema Stuxnet ereilt hat. Denn das führte dazu, dass wir die komplette Architektur für das TIA Portal in Punkto Security nochmal neu aufgesetzt haben. Entsprechend ist Siemens heute der einzige Anbieter von Automatisierungstechnik, der Security-zertifiziert ist – sowohl was die Produkte angeht, als auch den Entwicklungsprozess betreffend. Dennoch wird es niemals absolute Sicherheit im Netz geben, und deswegen werden wir das Security-Level auch weiterhin mit hohem Aufwand treiben. Als einen zentralen Aspekt, dem sich Simatic mit seinen 60 Jahren auf dem Buckel stellen muss.

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