
Viele industrielle Antriebsanlagen – etwa in Gepäckförderanlagen von Flughäfen – sind in ihrer Auslegung über die Jahre oft nicht mehr auf aktuelle Betriebsanforderungen abgestimmt. Infolge schleichender Überdimensionierung oder durch den Einsatz veralteter Motortechnologien bleiben Effizienzpotenziale ungenutzt. Zielgerichtet kann die Erfassung und Analyse des tatsächlichen Energiebedarfs Transparenz schaffen. Beispiele aus der Branche, etwa bei Nord Drivesystems, belegen: Ein externer Analyseservice erfasst Lastprofile und Leistungsfaktoren direkt in der Anlage – unabhängig vom Hersteller.
Dreh- und Angelpunkt der Messung ist ein mobiles Energiemodul, das zwischen Motor und Stromversorgung installiert wird. Über mehrere Wochen werden alle relevanten Messgrößen wie Wirkleistung, Blindleistung, Spannung, Strom und daraus resultierende Leistungsfaktoren kontinuierlich aufgezeichnet. Entscheidend ist, dass so sowohl typische Belastungen als auch Ausreißer und unregelmäßige Betriebszustände erfasst werden.
Die erhobenen Daten bilden die objektive Grundlage für eine belastbare Beurteilung. Sie ermöglichen es, betriebsspezifische Überdimensionierungen, unnötige Variantenvielfalt oder schlicht veraltete Komponenten eindeutig zu identifizieren. Das gilt für klassische Transportanlagen ebenso wie für Krane oder Förderbänder in anderen Branchen.

Langzeitanalyse liefert Klarheit für die Praxis
Die Auswertung der aktuellen Betriebsdaten erfolgt in Spezialsoftware, die Optimierungsoptionen objektiv bewertbar macht. Auf dieser Basis kann eine moderne Antriebslösung mit den vorhandenen Daten verglichen werden. Bei Bedarf kommt direkt nach der Analyse ein alternatives Antriebssystem in die Anlage, dessen Betrieb wiederum unter echten Bedingungen vermessen wird. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
Die Vergleichsmessung zeigt unmittelbar sowohl den energetischen Nutzen als auch die technischen Auswirkungen, etwa im Hinblick auf Temperaturverhalten, Spitzenlasten oder erforderliche Wartungsintervalle. Das Ergebnis wird den Kunden in einem ausführlichen technischen Report zur Verfügung gestellt, der alle Messergebnisse nachvollziehbar dokumentiert.
Technische Beratung ergänzt die Dateninterpretation und unterstützt bei der Entscheidungsfindung für eine mögliche Modernisierung. Je nach Anwendungsfall lassen sich so nicht nur Energieverbrauch und Kosten reduzieren; auch die CO2-Bilanz der Anlage verbessert sich nachweislich.
Praxisbeispiele aus der Gepäckförderung
Konkrete Messergebnisse aus mehreren Gepäckförderanlagen von Flughäfen belegen die Potenziale dieses Ansatzes. Ausgangsbasis war häufig eine Systemausstattung mit IE1-Motoren, in der Folge wurde auf aktuelle IE5+-Technik umgerüstet. In einem Anwendungsfall konnte so der Energiebedarf um 43 Prozent, in einem zweiten um 48 Prozent reduziert werden. Die jeweils über mindestens vier Wochen aufgezeichneten Langzeitdaten zeigten zudem, dass sich der CO2-Ausstoß jährlich um 137 bis 144kg reduzierte. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Zusätzlichen Nutzen erwies die Standardisierung von Motortypen: Eine konsequente Variantenreduzierung im Antriebssystem halbierte in einem Fall die Komplexität des Komponentenbestands für Wartung und Instandhaltung. Weniger Bauformen bedeuten nicht nur reduzierte Lagerungs- und Ersatzteilkosten, sondern erleichtern auch den logistischen Service und die operative Planung im laufenden Betrieb.
Im Rahmen der Umrüstung wurde außerdem dokumentiert, dass die Betriebstemperaturen moderner Antriebe teilweise deutlich unter denen älterer Motoren liegen. Das führt bei sensiblen Umgebungen wie Flughäfen zu weitergehenden Einsparungen im Kühlbedarf der Anlagenbereiche.
Auch moderne Systeme haben noch Luft nach oben
Doch auch Anlagen mit bereits effizienterer Technik, etwa IE3-Motoren, lassen sich weiter verbessern. In einem Airport-Projekt mit zwei Systemen zeigte sich nach zwölf Monaten, dass die Kombination aus DuoDrive mit IE5+-Motor und dezentralem Frequenzumrichter Nordac Link den Energieverbrauch zusätzliche um etwa 20 Prozent reduziert. Im Jahresmittel entsprach dies einer Einsparung von rund 590kWh sowie knapp 400kg CO2.



















