
NIS-2, CRA und IEC62443 treiben die industrielle Cybersicherheit voran und verlangen von Automatisierungsunternehmen umfassende technische und organisatorische Maßnahmen. Wer sich frühzeitig darauf einstellt, reduziert Risiken – und gewinnt zugleich Wettbewerbsvorteile durch eine stärkere Sicherheitsstrategie.
NIS-2: Neue Anforderungen an kritische Infrastrukturen
Die NIS-2-Richtlinie (Network and Information Security Directive 2) stärkt die Cybersicherheit kritischer und wesentlicher Dienste in der EU. Sie baut auf der ursprünglichen NIS-Richtlinie von 2016 auf und erweitert deren Geltungsbereich auf eine größere Anzahl von Unternehmen, darunter:
- Betreiber kritischer Infrastrukturen (Energie, Transport, Gesundheitswesen)
- Hersteller und Betreiber von Industrieautomatisierungssystemen
- Anbieter digitaler Dienste (Cloud, Rechenzentren, IoT-Plattformen)
Die Hauptverpflichtungen umfassen:
- Erweiterte Sicherheitsmaßnahmen: Unternehmen müssen ein effektives Risikoman-agement etablieren, das sich auf Netzwerksicherheit, Zugangskontrolle und Vorfallreaktionen konzentriert.
- Meldepflichten: Sicherheitsvorfälle müssen innerhalb von 24 Stunden an die zuständigen Behörden gemeldet werden.
- Lieferkettensicherheit: Die Sicherheit von Zulieferern und Partnern wird stärker reguliert, um Schwachstellen in der gesamten Lieferkette zu minimieren.
Die Umsetzung von NIS-2 erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen IT- und OT-Sicherheitsabteilungen sowie die Integration von Sicherheitskonzepten in bestehende Betriebsabläufe.

Cyber Resilience Act (CRA): Stärkung der Produktsicherheit
Auch der CRA setzt neue Standards für die Cybersicherheit von Produkten mit digitalen Elementen. So soll die Sicherheit der Automatisierungssysteme erhöht und das Risiko von Cyberangriffen minimiert werden. Der CRA schreibt vor: In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
- Security by Design: Bereits in der Entwicklungsphase sind Sicherheitsmerkmale zu berücksichtigen.
- Schwachstellenmanagement: Es wird zur Pflicht, bekannte Sicherheitslücken zu identifizieren und zu beheben.
- Langfristige Update-Pflichten: Sicherheitsupdates müssen über einen definierten Zeitraum bereitgestellt werden.
IEC62443: Sicherheitsstandard für die Automation
Die Normenreihe IEC62443 spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Sie bietet einen strukturierten Ansatz zur Sicherung von Automatisierungssystemen und umfasst:
- Risikobasierte Sicherheitskonzepte: Unternehmen können Sicherheitsmaßnahmen entsprechend ihrer individuellen Bedrohungslage anpassen.
- Segmentierung von Netzwerken: Durch die Trennung kritischer und nicht-kritischer Systeme wird die Angriffsfläche reduziert.
- Identitäts- und Zugriffsmanagement: Die Authentifizierung und Autorisierung von Nutzern und Maschinen wird verbessert.
- Sichere Kommunikation: Daten werden über verschlüsselte Kanäle übertragen, um Manipulation und Abhören zu verhindern.
Die IEC62443 kann Unternehmen dabei unterstützen, die Anforderungen von NIS-2 und CRA effizient umzusetzen und eine robuste Cybersicherheitsstrategie zu etablieren.
Herausforderungen und Chancen für die Industrie
Die Einhaltung von NIS-2, CRA und IEC62443 stellt Unternehmen vor verschiedene Herausforderungen:
- Legacy-Systeme: Ältere Steuerungen und Automatisierungslösungen entsprechen häufig nicht den neuen Sicherheitsanforderungen und müssen modernisiert werden.
- Erhöhter Verwaltungsaufwand: Die Einführung neuer Prozesse zur Cybersicherheitsüberwachung kann komplex sein.
- Schulungsbedarf: Mitarbeiter müssen im sicheren Umgang mit neuen Vorschriften geschult werden.
Gleichzeitig bieten die neuen Regularien erhebliche Vorteile:
- Erhöhte Sicherheit und Resilienz: Unternehmen können sich besser vor Cyberangriffen schützen.
- Vertrauen und Wettbewerbsvorteil: Firmen, die frühzeitig in Cybersicherheit investieren, können sich als zuverlässige Partner positionieren.
- Standardisierte Sicherheitsprozesse: Eine einheitliche Sicherheitsstrategie erleichtert die Zusammenarbeit innerhalb globaler Lieferketten.
Zertifizierung nach IEC62443-4-1
Softing Industrial verzeichnete in den vergangenen Jahren verstärkt Kundenanfragen zur IEC62443-4-1, die Anforderungen an einen sicheren Produktentwicklungsprozess für Komponentenhersteller definiert. Anfang 2022 begann das Unternehmen, seine Prozesse entsprechend zu erweitern. Im Juni 2023 erhielt Softing die IEC62443-4-1:2018-Zertifizierung für die Standorte Haar, Nürnberg und Cluj (Rumänien) – durchgeführt vom TÜV Süd. Seitdem fließen die erweiterten Prozesse in alle Produktentwicklungen ein, einschließlich der Umsetzung der in IE62443-4-2 definierten Sicherheitsanforderungen für Komponenten. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Segmentierung von Netzwerken
Die Segmentierung industrieller Netzwerke ist ein zentraler Baustein der IEC62443. Sie empfiehlt die Aufteilung in Zonen und gesicherte Übergänge, die sich mit IT-Firewalls oder OT-spezifischen Lösungen realisieren lassen. Softing Industrial bietet hierfür den SmartLink HW-PN, der als sicherer Zugangspunkt zu Profinet-Netzwerken dient.
Der SmartLink HW-PN unterstützt u.a.:
- Asset Management
- Netzwerk Monitoring
- Prozess Analyse (IIoT, NOA).
Asset-Management-Tools wie Emerson AMS Device Manager greifen über die FDI-Communication-Schnittstelle des SmartLink HW-PN sicher auf Profinet-Geräte zu – basierend auf OPC UA und optional zertifikatsgeschützt. Nordseitig erlaubt er nur autorisierten Anwendungen den Zugriff; südseitig agiert er als Profinet Supervisor und stellt eine transparente Device IO-Verbindung unabhängig vom Controller her. Die Hardware trennt das nordseitige Anwendungsnetzwerk vom südseitigen Profinet-Netzwerkes strikt: Separate Betriebssysteminstanzen kommunizieren nur über einen geteilten Speicherbereich, ein IP-Durchgriff ist ausgeschlossen. Aufwendige Firewall-Konfigurationen entfallen.
Echtzeit Inventur von Netzwerken
Für einen sicheren Anlagenbetrieb ist ein aktueller Überblick über alle Geräte und Firmwarestände unerlässlich – in der Praxis weichen As-Built und As-Planned jedoch oft voneinander ab.
Softing Industrial bietet für Profibus- und Profinet-Netzwerke mit dem PlantPerfect Monitor eine Netzwerk-Monitoring-Anwendung an. Diese nutzt für den Zugriff auf das Netzwerk die SmartLink-Produkte und ermöglicht eine Echtzeit-Inventur der im Netzwerk verbauten Geräte und schafft damit eine Basis für den sicheren Betrieb.



















