Rohstoffe: Wo die deutsche Industrie ihre Versorgung absichern kann

0:000:00

434472 Grispb AdobeStock 622862854
Bild: ©Grispb/stock.adobe.com

China raffiniert 90% der Seltenen Erden, 87% des Kobalts und 71% des Lithiums – bei 15 Schlüsselrohstoffen stellen die drei größten Förderländer im Schnitt 69% des Minenangebots – Bis 2035 drohen Defizite bei Kupfer, Nickel und Seltenen Erden – sie zu schließen, erfordert weltweit rund 4,2 Billionen US-Dollar Investitionen und mehr als 310.000 zusätzliche Fachkräfte – Handlungsoptionen für Unternehmen: Weiterverarbeitung mitdenken, Recycling ausbauen, Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette eingehen

Die weltweite Rohstoffversorgung konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder – am stärksten in der Weiterverarbeitung: Bei Seltenen Erden, Kobalt und Lithium stammen 71 bis 90% der raffinierten Produktion aus China. Zugleich reichen die weltweiten Investitionen in Minen und Raffinerien nicht aus, um die absehbare Nachfrage zu decken. Ansatzpunkte für die deutsche Industrie liegen vor allem in der Weiterverarbeitung, im Recycling und in Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.

Konzentration steigt – trotz Diversifizierung

Bei den 15 wichtigsten Rohstoffen stieg der Anteil der drei größten Förderländer von durchschnittlich 66% im Jahr 2020 auf 69% im Jahr 2025; in der Weiterverarbeitung legte die Konzentration ebenfalls um 3 Prozentpunkte zu. Neben Seltenen Erden, Kobalt und Lithium dominiert China auch bei Graphit (68%) und bei Basismetallen wie Aluminium (60%) und Kupfer (46%). Von den 13 Rohstoffen, die zugleich stark konzentriert und strategisch besonders wichtig sind, unterliegen inzwischen neun Handelsbarrieren eines der drei größten Lieferländer.

„Trotz aller Diversifizierungsbemühungen ist die Konzentration bei vielen Schlüsselrohstoffen zuletzt nicht kleiner, sondern größer geworden“, sagt Christian Hoffmann, Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey. „Wer seine Versorgung absichern will, sollte deshalb nicht nur auf den Bergbau schauen, sondern vor allem auf die Weiterverarbeitung.“

Engpässe an unerwarteter Stelle

Wie anfällig Lieferketten sind, zeigt der Konflikt im Nahen Osten: Die Golfstaaten westlich der Straße von Hormus liefern rund 10% des weltweiten Aluminiums und mehr als ein Viertel des Schwefels. Der Schwefelpreis hat sich binnen eines Jahres mehr als verdreifacht. Bei 1.000 US-Dollar je Tonne macht Schwefel bis zu 40% der Betriebskosten von Kupferproduzenten aus, bei Nickel fast 50%. Erste Produzenten haben ihre Förderung bereits gedrosselt oder gestoppt.

Während die Renditen im Bergbau größer werden, gehen sie bei Hütten und Raffinerien zurück – neue Anlagen rechnen sich ohne Förderung oft nicht. Chinesische Unternehmen haben zwischen 2021 und 2025 52% aller neuen Raffinerien weltweit gebaut. In der zweiten Auswahlrunde unter dem Critical Raw Materials Act hat die EU-Kommission kürzlich acht Projekte in Deutschland benannt – mehr als in jedem anderen Mitgliedstaat. „Diversifizierung entscheidet sich in der Weiterverarbeitung: Erst wenn sich Hütten und Raffinerien wirtschaftlich tragen, entstehen belastbare Alternativen“, so Hoffmann. „Resilienz entsteht durch integrierte regionale Wertschöpfungsketten – von der Mine bis zum Abnehmer.“