Optimierungsprobleme ergeben sich in der Automatisierungstechnik überall dort, wo mit unbekannten Stellgrößen (Parametern) gearbeitet wird. Beispielsweise beim Auslegen von (abhängigen) Bewegungsprofilen oder beim Verbessern eines maschinellen Prozesses. Die Problematik sieht dabei oft vermeintlich einfach aus und es wird versucht, die Stellgrößen von Hand und aus der Erfahrung heraus zu verändern. Dieses Vorgehen ist natürlich begrenzt, insbesondere dann, wenn mehrere Stellgrößen gleichzeitig verändert werden müssen, um eine Verbesserung des Prozesses zu erreichen. Der Ansatz der mathematischen Optimierung ist dort dann wesentlich besser geeignet als das rein manuelle Ausprobieren. Dabei ist mathematische Optimierung generell als Querschnitt-Technologie zu verstehen, die sich von der Designphase, der mechanischen Konstruktion, über die Steuerung bis zum Prozess erstreckt. Was ist Genetische Optimierung? Ziel einer mathematischen Optimierung ist es, optimale Parameter eines komplexen Systems zu finden. Die Genetische Optimierung, ein Lösungsansatz der mathematischen Optimierung, verwendet bei der Suche nach der optimalen Lösung die Vorgehensweise der Natur. \’Optimal\‘ bedeutet dabei, dass eine anwenderbezogene Zielfunktion minimiert oder maximiert wird. Die Grundidee genetischer Algorithmen ist also ähnlich der biologischen Evolution. Dort werden eine Menge (Population) von Lösungskandidaten (Individuen) zufällig erzeugt und diejenigen ausgewählt, die einem bestimmten Gütekriterium am besten entsprechen (Selektion). Deren genetische Eigenschaften (Parameterwerte) werden dann leicht verändert (Mutation) und miteinander gekreuzt (Crossover), um eine neue Population von Lösungskandidaten (eine neue Generation) zu erzeugen. Auf diese neue Generation werden nun wiederum Selektion, Mutation und Crossover angewandt. Dieses Verfahren wird dann wiederholt angewandt, sodass die Individuen der neuen Generationen immer besser dem Gütekriterium entsprechen. Dies ist genau die Vorgehensweise der Natur, wo sich Individuen von Generation zu Generation immer besser an ihre Lebensbedingungen anpassen. Um einen genetischen Algorithmus in der Praxis anwenden zu können, müssen mindestens folgende Komponenten bedacht werden: – Genetische Repräsentation der Lösungen (z.B. als Array von Fließkommazahlen, den soge- nannten Genen) – Verfahren zur Erzeugung einer Startpopulation (zufällige Auswahl oder ein paar Individuen gesetzt) – Zielfunktion (liefert eine absolute Aussage über die Güte einer Lösung und ist in der Regel anwenderspezifisch ausgestaltet) – Fitnessfunktion (setzt die Zielfunktionswerte in Relation zur Bewertung aller Lösungen der aktuellen Population) – Genetische Operatoren (Mutation, Crossover und Selektion) – Abbruchkriterium (fixe Anzahl an Generationen oder Konvergenz der Güte der Lösungen) Genetische Algorithmen sind numerische Lösungsverfahren, welche versuchen mit begrenztem Wissen und in kurzer Zeit zu guten Lösungen zu kommen. Sie können als Solches zur numerischen Lösung beliebiger Optimierungsprobleme eingesetzt werden. Modellierung als Grundlage Grundlage für eine anwenderspezifische Optimierung ist die Modellierung, also die Übersetzung der Realität in ein mathematisches Modell. Das ist die Basis, um Simulationen und Optimierungen erst anwenden zu können. Zudem ist dann in der Simulation die Variation von Parametern zur Bestimmung optimaler Einstellungen wesentlich einfacher und preiswerter als in der Realität. Dadurch wird auch die Umkehrung des üblichen Entwicklungsprozesses möglich: Man gibt vor, was ein System können soll, und versucht dieses dann durch Simulation zu optimieren. Mit dem fachlichen Know-how von Simon Modellierungen im Bereich der mathematischen Modellierung können Maschinenbauer, Konstrukteure, Steuerungshersteller und Applikations-Ingenieure bei der Lösung Ihrer Aufgabenstellung professionelle Unterstützung erhalten. Optimierung als Softwarepaket Um den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gerecht zu werden, entwickelte Simon Modellierungen eine möglichst allgemein einsetzbare Optimierungssoftware. Dabei kann sich der Anwender bei deren Einsatz auf die Erstellung der Zielfunktion und die Angabe der Randbedingungen für die Parameterwerte beschränken und konzentrieren. Das heißt also auf die Optimierungsaufgabe selbst. Mit dieser Software können die Möglichkeiten der mathematischen Optimierung einfach in unterschiedliche Softwarearchitekturen eingebunden werden. Z.B. in Visualisierung-, Scada- oder Programmier-Tools. Die Optimierungssoftware umfasst zurzeit die drei Pakete Eindimensionale Zuschnittoptimierung (basierend auf genetischen Algorithmen), Hill Climbing Algorithmen (zum schnellen Auffinden von lokalen Optima) und Evolutionäre und Genetische Algorithmen (zum Auffinden globaler Optima). Die Pakete sind enthalten in einer .NET-Assembly (DLL-Datei) und eine objektorientierte Anwenderschnittstelle erlaubt die lückenlose Einbindung in die Microsoft .NET-Umgebung. Die Objektorientierung erleichtert den Zugriff auf die Pakete der Optimierungssoftware ungemein, da Sie im Prinzip ein Optimierungsobjekt mit allen seinen Eigenschaften und Funktionen einbinden. Excel Integration Insbesondere in mittelständischen Unternehmen werden, wie die Erfahrung zeigt, sehr viele Prozessmodellierungen intuitiv mithilfe von Microsoft Excel erstellt. Alle in diesem Beitrag vorgestellten Optimierungspakete sind über das Microsoft Visual Studio 2010 sehr einfach in Microsoft Excel 2010 integrierbar. Dadurch können wie gewohnt Modelle, Berechnungen und Formeln in Excel erstellt und mit unterschiedlichen Einstellungen optimiert werden. Die Möglichkeit der individuellen Anpassung, und das fachliche Know-how von Simon Modellierungen, erlauben es Probleme zu lösen, welche über die Grenzen des schon integrierten Excel-Solvers hinausgehen. Die Verwendung von Excel hat darüber hinaus noch den Vorteil, dass oftmals sensibles Know-how im eigenen Unternehmen bleibt und relativ einfach intern darauf zugegriffen werden kann. Kompetenz in der Zusammenarbeit mit Partnern Ein gelungenes Beispiel einer Kooperationspartnerschaft ist die JetWeb Option Optimization der Jetter AG, welche in Zusammenarbeit mit Simon Modellierungen entwickelt wurde. Alle JetWeb-Industriesteuerungen können mit der JetWeb Option Optimization ausgestattet werden. Dies erlaubt neben der Steuerung von Industrieprozessen zusätzlich noch die Prozessoptimierung. Dadurch werden Prozesse schneller, dynamischer, robuster und effizienter, was nicht nur mehr Durchsatz bedeutet, sondern auch noch die Langlebigkeit der Maschinen erhöht. So wurden beispielsweise in Zusammenarbeit mit Sheppee International Ltd. Abschiebeprozesse heißer Glasflaschen optimiert. Diese Art der Optimierung von Abschiebeprozessen, welche im zweiten Artikel der Serie genauer vorgestellt werden, lässt sich aber auch sehr gut auf andere Objekte anwenden und eröffnet ganz neue Perspektiven. So konnte in dem genannten Beispiel der Flaschendurchsatz bei gleicher Maschinenbelastung um bis zu 30% gesteigert werden. Zusammenfassung Die mathematische Optimierung mit Genetischen Algorithmen ist ein faszinierendes Themengebiet und bietet ein erstaunliches Optimierungspotenzial in der Automatisierungstechnik. Überall dort, wo man mit vielen Einstellmöglichkeiten bei technischen Prozessen kämpft, lohnt es sich, darüber nachzudenken, diese Strategien der Natur einzusetzen. Dies durchaus auch schon bei einfach erscheinenden Anwendungen. Der modulare Aufbau der vorgestellten Optimierungssoftware erlaubt dabei die Einbindung in verschiedene Software-Infrastrukturen. So kann z.B. ein Anlagenbauer in der Bedienoberfläche seiner Anlagen seine Kunden gezielt Prozessabläufe optimierten lassen. Überall dort wo die Prozessabläufe bisher noch manuell optimiert wurden, kann die Optimierung der Abläufe automatisiert erfolgen. Wie man sieht, kann also auch in der Mathematik, wenn man 1+1 zusammenzählt, als Kundennutzen weit mehr als 2 dabei herauskommen. Kasten: Ausblick Im zweiten Artikel der Serie in Heft 10/2011 wird die Optimierung von Abschiebeprozessen mithilfe Genetischer Algorithmen vorgestellt. Dort kann sich der Maschinenbediener direkt an der Bedienoberfläche der Abschiebemaschine produktabhängig optimierte Abschiebebewegungsprofile erstellen lassen. Auf eine weitere Einsatzmöglichkeit Genetischer Optimierung wird im dritten Artikel der Serie in Heft 11/2011 eingegangen, welcher das Maßschneidern von Kurvenscheiben mit optimierten normierten Übertragungsfunktionen zum Inhalt haben wird.
Prozessoptimierung mit Naturstrategien Teil 1: Mathematische Prozessoptimierung mit Genetischen Algorithmen
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Nach Land aufgeschlüsselte Elektroexporte im März
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im März erneut gestiegen.
-
Erfolgreiche Österreich-Premiere
Ausstellerstarke All About Automation in Wels
Die erste Ausgabe der Messereihe All About Automation in Österreich war mit 268 Ausstellern die bisher größte Premiere für den Veranstalter Easyfairs.
-
EBM-Papst eröffnet neuen Hightech-Standort in Rumänien
Am 2. Juni hat EBM-Papst einen neuen Standort im rumänischen Oradea offiziell eröffnet.
-
Ziehl-Abegg trauert um langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden
Ziehl-Abegg trauert um Uwe Ziehl. Der Unternehmer und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende ist am 6. Juni im Alter von 79 Jahren verstorben.
-
Von der OT-Risikobewertung bis zum operativen Schutz
TXOne Networks stellt die Sennin-Produktfamilie vor.
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
Kontron präsentiert das High-End-3U-VPX-Board VX30101
Kontron hat das neue Kontron VX30101 angekündigt. Dieses 3U-VPX-High-End-Computing-Board der nächsten Generation wurde…
-
Neue Axia-Antriebsfamilie bei Bonfiglioli
Bonfiglioli hat die neue Axia-Antriebsfamilie, bestehend aus AxiaVert und AxiaAgile, vorgestellt. AxiaVert wurde…
-
Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau im Inland schwach
Für den Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland war der April ein Monat mit…
-
Strukturwandel im Mittelstand: Industriesektor schrumpft
Der deutsche Mittelstand hat sich in den Jahren seit 2010 tiefgreifend verändert.
-
Neuer CEO bei Siemens Electrical Products
Siemens hat Markus Grabmeier mit Wirkung zum 1. Juni zum neuen CEO der…
-
Energieführung für Industrieroboter
Freitragende Energiekette für 600°-Robotikbewegungen
Mit einer neuen freitragenden Variante der Twisterchain präsentiert Igus eine Energieführung für kompakte…
-
Philip Harting erneut in engeren ZVEI-Vorstand gewählt
Philip Harting bleibt Teil des engeren Vorstands des ZVEI.
-
Erfolgreiche Premiere von Eplan Next2026
Eplan Next2026 – das waren zwei Tage geballter Informationen rund um das Thema…
-
Neue Vorstandsvorsitzende der ABB in Deutschland
Der ABB-Aufsichtsrat hat Rosa Meckseper (Bild) zur neuen Vorstandsvorsitzenden der ABB AG bestellt.
-
Elektroexporte: Deutlicher Anstieg im ersten Quartal um 10,3%
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im März erneut gestiegen: Mit…
-
Wie ein Copilot die Wartung von S5- und S7-Steuerungen vereinfacht
KI für Bestandsanlagen
In vielen Fabriken laufen ältere Maschinen mit S5- oder klassischen S7-Steuerungen nach wie…
-
Künstliche Intelligenz
KI-Agent unterstützt weltweiten technischen Service
Mit dem KI-Agenten ‚Karl‘ erweitert Neugart sein digitales Serviceangebot um einen weltweit verfügbaren…
-
Zentrale Überwachung von Profibus- und Profinet-Netzwerken in einer einzigen Anwendung
Monitoringlösung unterstützt jetzt auch Profinet
Mit PlantPerfect Monitor 2.00 erweitert Softing Industrial Automation seine Monitoringlösung um Profinet-Unterstützung.
-
Eplan
Smart Sourcing verbindet Elektrokonstruktion und Beschaffung
Mit Eplan Smart Sourcing stellt Eplan eine neue Software zur intelligenten Verknüpfung von…
-
Messtechnikzubehör
DataTec erweitert Portfolio um Signalzugriffs- und Verbindungslösungen
DataTec baut sein Angebot im Bereich Messtechnikzubehör aus und vertreibt künftig im DACH-Raum…
das könnte sie auch interessieren
-
Platzsparende Antriebstechnik für die Verpackungsindustrie
Effizient, robust und kompakt
-
Workshop ebnet produzierenden Unternehmen den Weg zur Smart Factory
KI in der Praxis
-
Bomag standardisiert die Elektrokonstruktion von mobilen Arbeitsmaschinen
Der Kabelbaum als digitaler Zwilling
-
Modulare I/O-Systeme werden zur Architektur hinter moderner Produktion
Vom Anschlusspunkt zur Dateninfrastruktur
















