Schon seit einiger Zeit werden Feldbusse für die Dezentralisierung der Peripherie von Steuerungssystemen eingesetzt, um Verdrahtung einzusparen. In einem weiteren Schritt der Dezentralisierung lässt sich auch die Steuerungsfunktion selbst dezentralisieren. Dadurch wird die komplette Modularisierung von Maschinen und Anlagen ermöglicht. Ein wichtiger Vorteil dieser Modularisierung besteht darin, dass sich Anlagenteile standardisieren lassen. Ziel des Anwenders ist es, dabei möglichst viele Teile wieder zu verwenden. Das erleichtert die Übertragung einmal erarbeiteter Ergebnisse und lässt sich auf Folgeprojekte übertragen. Defizite herrschen heute bei der steuerungstechnischen Realisierung. Die verfügbaren Engineeringtools, Steuerungs- und Kommunikationssysteme unterstützen diesen modularen Ansatz nur unzureichend. Die heutigen Systeme sind überwiegend von einem zentralisierten Ansatz geprägt. Mit der Zielsetzung, die Verteilbarkeit der Steuerungsfunktionen und damit den modularen Ansatz zu ermöglichen, wurde das Kommunikationssystem Safetynet p entwickelt. Das Automatisierungssystem PSS4000 von Pilz hat die Dezentralisierung von Steuerungsfunktionen auf Basis von Safetynet p konsequent umgesetzt. Verteilte Steuerungen und ihr Kommunikationssystem Das industrielle Kommunikationssystem Safetynet p wurde zur Vernetzung von dezentralisierten Steuerungssystemen optimiert. Entscheidend dafür ist, dass nicht das Master/Slave-Prinzip, sondern ein Producer/Consumer- bzw. ein Publish/Subscribe-Verfahren zum Einsatz kommen. Bei Master/Slave-Systemen muss ein zentraler Master vorhanden sein, über den die gesamte Kommunikation abgewickelt wird. Direkte Kommunikation zwischen den Slaves ist nur ineffizient durch Umkopieren im Master möglich. Mehrere Master in einem Netzwerk sind nicht möglich, sondern können nur durch Kopplung von Netzwerken mittels speziellen Geräten realisiert werden. In einem dezentralisierten Steuerungssystem sind jedoch alle Teilnehmer Master und müssen intensiv miteinander kommunizieren können. Des Weiteren muss in einem Master/Slave-System dem Master die gesamte Netzwerkkonfiguration bekannt sein. Das widerspricht dem Modularisierungsgedanken. In einer modularisierten Anlage sollen die einzelnen Module voneinander unabhängig sein, sonst wäre keine Standardisierung der Software in den Modulen möglich. Bei wechselnder Zusammenstellung der Anlagenmodule müsste die Software im zentralen Master angepasst werden. In einem Publish/Subscribe- oder Producer/Consumer-System wie bei Safetynet p gibt es keine zentrale Instanz. Alle Kommunikationsteilnehmer sind gleichberechtigt. Damit ist Safetynet p für die beschriebenen verteilten Steuerungssysteme geeignet. Safetynet p basiert auf Standard-Ethernet nach IEE802.3. Alle Standard-konformen Ethernet-Komponenten wie Switches, Router, Stecker und Kabel sind einsetzbar. Bei Safetynet p stehen zwei Performanceklassen zur Verfügung. Das RTFN-Prinzip nutzt Standard-Ethernet-Hardware und ermöglicht Kommunikationszyklen von ca. 1ms. Das RTFL-Prinzip ist mit Zykluszeiten von bis zu 62,5µs für harte Echtzeitanwendungen, wie z.B. Motion Control, optimiert. Bei RTFL sind Teile des Protokolls in Hardware implementiert, um eine schnelle Verarbeitung zu garantieren. RTFN nutzt das Producer/Consumer-Prinzip. Dabei werden Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Sender und Empfänger aufgebaut. RTFL benutzt das Publish/Subscribe-Prinzip. Hierbei werden Daten durch die Sender auf dem Netzwerk veröffentlicht, ohne dass die Empfänger bekannt sein müssen. Dadurch wird die direkte Kommunikation zwischen Teilnehmern beschleunigt. Die Konfiguration der Kommunikation ist einfach, weil lediglich dem Empfänger bekannt sein muss, welche Daten vom Netzwerk er \’abonniert\‘ hat. Sicherheitstechnik dezentralisiert Die Sicherheitstechnik wurde in Safetynet p sowie beim PSS4000-System von Anfang an berücksichtigt. Safetynet p ermöglicht eine Übertragung von sicherheitsgerichteten Daten bis SIL3 nach IEC61508. In einem Netzwerk sind bis zu 512 sichere Teilnehmer erlaubt. Das Sicherheitskonzept ist so ausgelegt, dass alle üblichen Ethernet-Medien wie z.B. Lichtwellenleiter oder Funkübertragung per WLAN möglich sind. Auch die sichere Kommunikation kommt ohne zentrale Instanz aus. Somit ist auch die sicherheitsgerichtete Logik vollständig dezentralisierbar. Das PSS 4000-System ist für sicherheitsgerichtete Anwendungen bis Perf. Level e nach EN/ISO13849-1 bzw. SIL CL3 nach EN/IEC62061 geeignet. Die Dezentralisierung der Sicherheitstechnik bringt entscheidende Vorteile mit sich. Bei einem Fehler in einer Komponente des Systems muss in einem dezentralisierten System nicht zwangsläufig das Gesamtsystem abgeschaltet werden. Stattdessen reicht es oft, wenn nur die an einer Sicherheitsfunktion beteiligten Systemkomponenten abgeschaltet werden. Eine Steigerung der Verfügbarkeit ist die Folge. Ein weiterer Vorteil ist die schnelle lokale Reaktion auf Ereignisse, wenn die Logik direkt vor Ort in der zugehörigen Steuerung verarbeitet wird. In Anwendungen muss häufig vor Ort schnell reagiert werden, z.B. wenn durch den Eingriff in ein Lichtgitter der nahe Antrieb in wenigen Millisekunden abgeschaltet werden muss. Die schnelle Reaktion kann dabei unabhängig von den Zykluszeiten des Netzwerks erfolgen, was bei großen Netzwerken eine deutliche Reduzierung der Reaktionszeit bedeuten kann. Automatisierungssystem auf Basis Safetynet p PSS4000 ist ein Automatisierungssystem für unterschiedliche Automatisierungsaufgaben. Safety-, Standard- und Motion Control, sowie Diagnose und Visualisierung werden in einem System vereint. Eine SPS, die die PSS4000-Philosophie implementiert hat, ist die PSSu PLC. Dabei handelt es sich um eine SPS für Standard und sicherheitsgerichtete Steuerungsaufgaben. Die PSSu PLC ist als Kopf für das modulare E/A-System PSSuniversal realisiert, wodurch die gesamte Vielfalt an Modulen für verschiedene Signalarten zur Verfügung stehen. Software Plattform reduziert Engineeringaufwand Eine zentrale Rolle im PSS4000 System spielt die Software-Plattform PAS4000. Sie ermöglicht es Anwendern, ihre zentrale Sichtweise auch auf dezentrale, verteilte Steuerungsstrukturen beizubehalten. Alle Tools der Software-Plattform für die Programmierung und Parametrierung greifen auf eine einheitliche Datenbasis zu. Das vermeidet Mehrfacheingaben und reduziert Fehlerquellen, wie sie mit der manuellen Pflege von Daten einhergehen. Das PAS4000 basiert auf bewährten Standards wie den IEC61131-3-Programmiersprachen. Außerdem kann die Programmierung mittels PNOZmulti Configurator erfolgen. Dazu werden Funktionsblöcke programmiert und einfache Logikblöcke verschaltet. Wesentliche Unterschiede in der Handhabung zeigen sich bereits beim Start eines Automatisierungsprojektes, wenn nach der initialen Projektabstimmung aller beteiligten Fakultäten die konkrete Arbeit beginnt. Doch während es gängige Praxis ist, dass die Software-Entwicklung erst dann startet, wenn feststeht, wie eine Maschine aussehen soll, erfolgt mit dem Automatisierungssystem PSS4000 das Hard- und Software-Design zeitlich parallel und unabhängig voneinander. Das PSS4000 eröffnet hier neue Möglichkeiten. Durch seine Struktur und Eigenschaften bedingt lassen sich Entscheidungen, wie beispielsweise die Auswahl der für die Konstruktion notwendigen SPS, auf einen späten Zeitpunkt während der Konstruktionsphase verschieben. Die Programmierung erfolgt vollständig mit symbolischen Variablen. Erst am Ende werden die Variablen den Hardware Ressourcen per Mapping zugewiesen. So kann auch nachträglich noch die Aufteilung der Software auf die Hardware vorgenommen werden. Die Zuordnung, auf welcher Steuerung das Anwenderprogramm ausgeführt wird, erfolgt ebenfalls per Drag&Drop. Im Hintergrund wird die Kommunikation zwischen den verteilten Steuerungen mit dem Tool PAS4000 konfiguriert. Für den Download der Programme zu den Steuerungen ist nur Mausklick notwendig, er muss also nicht für jede Steuerung einzeln vorgenommen werden. Hier zeigt sich, dass beim Einsatz eines für verteilte Steuerungen optimierten Tools die Komplexität in dezentralen Strukturen reduziert wird. Komplette Modularisierung von Anlagen ermöglichen Mit Safetynet p und PSS4000 steht ein Automatisierungssystem zur Verfügung, das die komplette Modularisierung von Maschinen und Anlagen ermöglicht. Durch die durchgängige Unterstützung des modularen Ansatzes in Kommunikation, Hard- und Software kann der Engineeringaufwand reduziert werden. Wird die Modularisierung konsequent beim Maschinenbauer umgesetzt, können Kosten durch die Standardisierung von Maschinen gesenkt werden.
Safetynet p: Kommunikationsbackbone für dezentrale Automatisierung
-
Ulrich Leidecker in engeren ZVEI-Vorstand gewählt
Mit der Wahl auf der Mitgliederversammlung des ZVEI e.V., dem Verband der Elektro- und Digitalindustrie, am 21. Mai wirkt Ulrich Leidecker, COO von Phoenix Contact, jetzt im engeren…
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Wirtschaftsleistung um 0,3% höher als im Vorquartal
Das Bruttoinlandsprodukt ist im 1. Quartal 2026 gegenüber dem 4. Quartal 2025 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,3% gestiegen.
-
Produktion im April: +0,4% zum Vormonat
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im April gegenüber März saison- und kalenderbereinigt um 0,4% gestiegen.
-
Stromerzeugung im 1. Quartal mehrheitlich aus erneuerbaren Quellen
Im 1. Quartal wurden in Deutschland 126,6 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert und in das Stromnetz eingespeist.
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
Deutsche Elektro- und Digitalindustrie: Erneutes Auftragsplus dank starker Auslandsnachfrage
Im April sind die wertmäßigen Auftragseingänge in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie laut…
-
Studie von Fluke: Digitale Reife deutscher Hersteller stagniert
Die Fluke Corporation hat Ergebnisse einer neuen Untersuchung zur digitalen Reife der Instandhaltung…
-
Dezentrale Sicherheitsrelais in IP65
Weiterentwicklung in vollem Gange
Mit der Tethys IP65-Familie positioniert sich Zander Aachen als Brückenbauer zwischen bewährter, klassischer…
-
EBM-Papst eröffnet neuen Hightech-Standort in Rumänien
Am 2. Juni hat EBM-Papst einen neuen Standort im rumänischen Oradea offiziell eröffnet.
-
Ziehl-Abegg trauert um langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden
Ziehl-Abegg trauert um Uwe Ziehl. Der Unternehmer und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende ist am 6.…
-
Importpreise im April: +5,3% gegenüber April 2025
Die Importpreise waren im April 2026 um 5,3% höher als im April 2025.
-
Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im April: -3,8% zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen…
-
Neuer CEO bei Siemens Electrical Products
Siemens hat Markus Grabmeier mit Wirkung zum 1. Juni zum neuen CEO der…
-
Kontron präsentiert das High-End-3U-VPX-Board VX30101
Kontron hat das neue Kontron VX30101 angekündigt. Dieses 3U-VPX-High-End-Computing-Board der nächsten Generation wurde…
-
Neue Axia-Antriebsfamilie bei Bonfiglioli
Bonfiglioli hat die neue Axia-Antriebsfamilie, bestehend aus AxiaVert und AxiaAgile, vorgestellt. AxiaVert wurde…
-
Von der OT-Risikobewertung bis zum operativen Schutz
TXOne Networks stellt die Sennin-Produktfamilie vor.
-
Nach Land aufgeschlüsselte Elektroexporte im März
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im März erneut gestiegen.
-
Erfolgreiche Österreich-Premiere
Ausstellerstarke All About Automation in Wels
Die erste Ausgabe der Messereihe All About Automation in Österreich war mit 268…
-
Neue Vorstandsvorsitzende der ABB in Deutschland
Der ABB-Aufsichtsrat hat Rosa Meckseper (Bild) zur neuen Vorstandsvorsitzenden der ABB AG bestellt.
-
Elektroexporte: Deutlicher Anstieg im ersten Quartal um 10,3%
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im März erneut gestiegen: Mit…
-
Wie ein Copilot die Wartung von S5- und S7-Steuerungen vereinfacht
KI für Bestandsanlagen
In vielen Fabriken laufen ältere Maschinen mit S5- oder klassischen S7-Steuerungen nach wie…
-
Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau im Inland schwach
Für den Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland war der April ein Monat mit…
-
Strukturwandel im Mittelstand: Industriesektor schrumpft
Der deutsche Mittelstand hat sich in den Jahren seit 2010 tiefgreifend verändert.
das könnte sie auch interessieren
-
Künstliche Intelligenz
KI-Agent unterstützt weltweiten technischen Service
-
Zentrale Überwachung von Profibus- und Profinet-Netzwerken in einer einzigen Anwendung
Monitoringlösung unterstützt jetzt auch Profinet
-
















