Het Muziektheater Amsterdam beschäftigt insgesamt 550 Mitarbeiter, wobei die Akteure auf der Bühne nicht eingerechnet sind. Alle Opern und Theaterstücke werden fünf Jahre im Voraus geplant und koordiniert. Dabei fordern die Verantwortlichen viel Flexibilität und moderne Technik, wenn es um das Bühnenbild, die eigene Kostümschneiderei sowie die Lichtanlage, die Bühnenhebesysteme und das 360°-Videosystem geht. Bei Dirk Bakker, dem Chef der technischen Instandhaltung des Muziektheaters, laufen alle Fäden zusammen, die für den reibungslosen technischen Ablauf eines Theaters mit 1.600 Sitzplätzen wichtig sind. Um den künstlerischen Ausdruck der Darsteller zu unterstützen, werden in modernen Aufführungen heute ganz andere Mittel genutzt, als dies vor einigen Jahren möglich war. Zu Beginn seiner Tätigkeit für das Muziektheater wurde Bakker gesagt, dass das Theater eine künstlerische Angelegenheit sei. Seine Antwort war bereits damals: \“Nein, auch eine Aufführung ist eine industrielle Anwendung.\“ Aktuell zeichnen Bakker und seine Kollegen für die Technik von sechs Vorstellungen und vielen Proben pro Woche verantwortlich. Die zehn Techniker, ein Systemintegrator und ein Springer arbeiten dazu fast rund um die Uhr in einem ausgeklügelten Zwei-Schichten-System. Oftmals laufen zwei Opern, ein Ballet und die Probe für ein neues Stück gleichzeitig. Dafür muss das Bühnenbild manchmal zwei Mal pro Tag komplett umgebaut werden. Das stellt einen hohen Anspruch an die Koordination und den Einsatz der Mitarbeiter sowie die Steuerungstechnik. Fast alle Lösungen dieser Herausforderung werden im eigenen Haus entwickelt. Dies zeichnet das Muziektheater Amsterdam gegenüber anderen Opernhäusern aus. Bakker erläutert: \“So ist man wesentlich flexibler und kann schneller auf neue Rahmenbedingungen reagieren. Durch Eigenentwicklungen lassen sich außerdem bessere Ergebnisse als mit der Standard-Bühnentechnik erzielen.\“ Kompletten Bühnenumbau in drei Stunden Das Wrack eines alten amerikanischen Straßenkreuzers, hundert Quadratmeter Wüstenlandschaft, hohe Häuserfronten – jedes Bühnenbild gestaltet sich unterschiedlich. Sie gleichen sich nur darin, dass die einzelnen Flurstücke, aus denen die Kulisse zusammengesetzt wird, sperrig und tonnenschwer sind. Die Hauptbühne umfasst eine Fläche von 500m2. Darüber hinaus gibt es die Side Stage, Rear Stage und Construction Stage, die ähnliche Ausmaße haben und mit der Hauptbühne in einem Quadrat angeordnet sind. Der Bühnenumbau erfolgt also auf einer Fläche von 2.000m2, wobei die bis zu sechs Tonnen schweren Flurstücke auf Luftkissen transportiert und per Hand gesteuert werden. Zu diesem Zweck ist das mobile Terminal des Bedieners per Funk mit der auf dem Flurstück montierten Steuerung verbunden. In der Vergangenheit wurden die Bühnenbilder manuell verschoben. Dieses traditionelle Verfahren wird vom Systemintegrator Rick van den Pol als \’elbow steam\‘ bezeichnet. Er stellt fest: \“Der Gesamtaufbau von 60 Tonnen Gewicht kann heute nur mithilfe modernster Technik mehrmals pro Tag flexibel bewegt werden. Auf diese Weise ist ein kompletter Bühnenwechsel in drei Stunden möglich.\“ Zuverlässige Funktion in reflektiver Umgebung Der Theaterbereich verwendet schon seit längerer Zeit Funktechnik, um Abläufe zu steuern. Bakker und van den Pol haben die drahtlose Datenübertragung vor einigen Jahren auf einem Festival entdeckt und sofort für ihr Theater adaptiert. \“Ich habe zehn Jahre mit einem proprietären 802.11-System gearbeitet und hatte hier immer wieder Probleme mit Reflexionen\“, fasst Rick van den Pol seine Erfahrungen zusammen. Das resultiert daraus, dass die tragende Struktur der Bühnenaufbauten, die häufig zehn Meter hoch sind, aus einem Metall-Fachwerk besteht. Auch das Kulissenbild selbst kann metallische und damit weitere für Funkwellen hochreflektive Materialien enthalten. Das Theater ist somit eine anspruchsvolle Umgebung für die Nutzung von Funktechnik, zumal die Funkeinheit im Fall des Muziektheaters in der einzigen so genannten Kontroll-Box, die dicht am Boden jedes Flurstücks installiert ist, untergebracht werden muss. Mit etwa zehn Zentimeter Abstand zum Boden erweist sich die Antennenposition alles andere als optimal. Auf einer Messe ist van den Pol auf das Bluetooth-System von Phoenix Contact aufmerksam geworden und hat es getestet. Der drahtlose Datenaustausch funktionierte so gut, dass der gesamte Bereich der verschiedenen Bühnen mit einem Bluetooth-Netzwerk abgedeckt werden kann. Dazu sind Bluetooth Access Points mit einer speziellen Sektorantenne an den im Rahmen von Tests ermittelten Positionen montiert worden. Sie leuchten jeweils bestimmte Bühnenbereiche aus, sodass der Bediener am Steuerpult stets Kontakt zum jeweiligen Flurstück hat. Falls notwendig führt die mobile Einheit automatisch ein Roaming durch, also den Wechsel der Funkverbindung von einem Access Point auf den nächsten. Das Verfahren Frequency Spread Spectrum, auf dem Bluetooth basiert, leistet einen wichtigen Beitrag zur Funkausbreitung im hochreflektiven Umfeld des Theaters. Im Vergleich zu Systemen, die auf einer festen Frequenz funken, ist Bluetooth unempfindlicher gegen Mehrwege-Ausbreitungen. Außerdem reagiert der Standard durch den kontinuierlichen Frequenzwechsel flexibler auf Störer. Sollte ein Funkkanal belegt sein, wird das Datenpaket automatisch auf einem anderen Kanal erneut gesendet. Neben der sicheren Verschlüsselung war die Möglichkeit, die Bluetooth-Geräte unsichtbar zu machen, ein wichtiger Entscheidungsgrund für Rick van den Pol. Das Theater ist ein öffentlicher Raum, in dem die Funkkomponenten nicht aufgespürt werden sollen. \“Die Bluetooth-Lösung von Phoenix Contact hat unsere Ansprüche an Flexibilität und Reserven umfassend erfüllt\“, erklärt der Systemintegrator. Übernahme der Funklösung durch andere Theater Wenn es die Dramaturgie erfordert, bewegen sich Kulissenteile während der Vorstellung wie ein Fahrerloses Transportsystem (FTS ) automatisch auf einer festgelegten Bahn über die Bühne. Für die Theaterbesucher unsichtbar sorgen auf dem Flurstück angebrachte Lasersysteme für die exakte Erfassung der Position. Eine Steuerung, die auf jedem Fahrerlosen Transportsystem in der Kontroll-Box installiert ist, gibt den Weg vor. Bei der Steuerungselektronik handelt es sich ebenfalls um eine spezielle Entwicklung, die genau auf die Bedürfnisse des Theaters zugeschnitten ist. Die einzelnen Fahrerlosen Transportsysteme werden via Bluetooth an das zentrale Pult des Bedieners angebunden. So kann er die Position der mobilen Requisite jederzeit auf seinem Bildschirm verfolgen, die notwendigen Prozesse im richtigen Moment anstoßen und bei Bedarf mit seinen Joysticks auf Handsteuerung umschalten. Nicht nur die Schauspieler, Sänger und Tänzer üben täglich für ihren Auftritt. Auch die Bediener der Fahrerlosen Transportsysteme perfektionieren das Verfahren der Kulissenteile an mehreren eigens konzipierten Übungsfahrzeugen. Zu einer solchen Vorführung bietet sich immer wieder die Gelegenheit, denn Bühnentechniker vieler anderer in- und ausländischer Theater und Opernhäuser informieren sich häufig im Muziektheater über den Einsatz der Bluetooth-Technologie. Für Rick van den Pol passt der Funkstandard gut in sein Team: \“Es ist noch nie vorgekommen, dass eine Vorstellung aufgrund nicht bewegbarer Fahrerloser Transportsysteme einen ungeplanten Verlauf genommen hat.\“ Kasten: Drahtlose Übertragung von Steuerungsdaten
Bluetooth lässt die Kulissen schweben: Einsatz von Funktechnik auf der Theaterbühne
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