Die Kommunikation hat sich in der Automatisierung zur Schlüsseltechnologie entwickelt und die Entscheidung für ein Kommunikationssystem bestimmt die Wahl des Steuerungsherstellers sowie des E/A-Systems in erheblichem Umfange mit. Kein Wunder also, dass gerade dieses Segment so sehr umkämpft ist. Aus Anwendersicht und noch viel mehr aus der Perspektive so mancher Gerätelieferanten mag die Vielfalt an Bussystemen und Industrial Ethernet-Varianten vielleicht ein Ärgernis sein. Wo wären wir allerdings heute, wenn wir mit der Entwicklung von Profibus FMS schon zufrieden gewesen wären? Es sollte also jedem klar sein, dass gerade der Wettbewerb der Technologien am Ende der Performance der Anwendungen zugute kommt, auch wenn es bis dahin manchmal ein steiniger Weg ist. Das Dilemma mit den Consumer-Technologien Einen Haken hat die Sache mit dem Wettbewerb allerdings: Die sinkende Lebenserwartung einer Technologie verkürzt gleichzeitig die Chance auf eine Refinanzierung der Entwicklungskosten. Daher stellt sich die Frage: Wie lange kann es sich die Automatisierungsindustrie angesichts der vergleichsweise geringen Stückzahlen noch leisten, mit hohem Aufwand und Kosten eigene Technologien zu entwickeln und eigene Standards zu etablieren? Viele Innovationen der Automatisierungstechnik der letzten Jahre basieren auf Technologien der Consumer-Industrie. Deren Innovationszyklen sind jedoch so kurz, dass es immer schwieriger wird, auch nur mit deren industriellen Anpassung (Stecker, Kabel, Protokoll, Software, EMV usw.) Schritt zu halten. Ist die Verwendung offener Technologien aus der Consumer-Welt also eine Sackgasse? Dass die Verwendung offener Technologien aus der Consumerwelt ihren Preis hat, zeigt gerade die jüngste Vergangenheit mit dem Aufkommen von zwar proprietären SPS-Viren, deren Verbreitung jedoch auf offenen Standards beruht. Diese sind aus der Industrie heute auch nicht mehr wegzudenken. Die Verwendung von Standards aus dem Massenmarkt muss offensichtlich mit zusätzlichen Aufwendungen im Bereich der Sicherheit ergänzt werden. Hier sind alle Aspekte der Sicherheit gemeint, also Security, Reliability und Safety. Dennoch ist aus mehreren Gründen kaum denkbar, dass es einen anderen Weg gehen wird, als die weiter um sich greifende Verwendung von Standards aus der Consumer-Welt: Ein Grund dafür ist, dass diese Kopplung permanente Performancesteigerungen verspricht; es gilt das Moorsche Gesetz. Dies hat die jüngere Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt, auch – und da schließt sich der Kreis – im Bereich der Kommunikation durch die Verwendung der Ethernet-Physik. Auf zur SPS/IPC/Drives Als Zeitschrift für Wireless- und Ethernet-Kommunikation ist das IEJ natürlich auf der SPS/IPC/Drives-Messe vor Ort. Diese Ausgabe steht bereits ganz im Zeichen der Veranstaltung und viele der Produkte, die wir in der vorliegenden Ausgabe vorstellen, werden auch in Nürnberg auf der SPS-Messe zu sehen sein. Zudem haben wir bei sämtlichen Beiträgen die Hallen- und Standnummer der Aussteller vermerkt. Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Ihr Kai Binder kbinder@sps-magazin.de
Das Dilemma mit der Offenheit
Nein, es geht dieses Mal nicht um Stuxnet, hätte aber gehen können. Nicht nur die offene Steuerungstechnik und die Verwendung offener Betriebssysteme wirft neue Fragen auf. Alle Basistechnologien aus der Consumer-Elektronik, die in der Automatisierung eingesetzt werden, stellen Hersteller und Anwender vor neue Herausforderungen.
TeDo Verlag GmbH
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