Frau Rothhöft, viele Ihrer bisherigen Studien haben sich sehr stark auf Hardware bezogen. Was war der Auslöser für eine Studie im Bereich des Engineerings? Rothhöft: Bei der Themenauswahl und den Studienfragen arbeite ich sehr eng mit dem VDMA-Fachverband Elektrische Automation zusammen. Bei der Vorbereitung dieser neuen Studie haben die Firmen im Arbeitskreis Steuerungstechnik den Wunsch geäußert, das Engineering im Maschinenbau einmal umfassend, neutral und unabhängig zu untersuchen, denn das Engineering ist heute ein großer Kostenfaktor im Maschinenbau. Bisher gab es keine Marktstudien, die in dieser Form die Situation im Engineering des deutschen Maschinenbaus beleuchtet haben. Damit fehlte den Herstellern ein Instrument zur Lenkung ihrer Produktentwicklungen, um dem Maschinenbau bei seinen größten Problemen Lösungen anbieten zu können. Diese Lücke haben wir nun geschlossen. Was war konkret der Anteil des Arbeitskreis Steuerungstechnik im VDMA, den dieser in das Studiendesign eingebracht hat? Rothhöft: Die Firmen im Arbeitskreis haben eine große Anzahl an Fragen eingebracht, die sie durch die Studie beantwortet haben wollten. Wir haben dann gemeinsam die Studie so zusammengestellt, dass für den Maschinenbauer die Fragen relativ einfach und schnell zu beantworten sind, und gleichzeitig ein großer Teil der Herstellerfragen durch Querbeziehungen beantwortet werden konnte. Ohne die Arbeit im AK Steuerungstechnik hätte diese Studie nicht so zielgenau auf die Wünsche der Anwender und Hersteller ausgerichtet werden können. Ihre Studie betrachtet das Engineering sehr umfassend, vom Mechanik-CAD über die Elektro-Planung bis zur Software-Programmierung. Hat sich bei der Erstellung der Studie bestätigt, dass dies auch die Vorgehensweise der Anwender ist? Rothhöft: In der Mehrheit der Unternehmen steht derzeit das mechanische Engineering im Vordergrund. Heute noch wird das Engineering in Elektrik und Software erst nach dem mechanischen Engineering gestartet. Die Vorgehensweise ist also eher sequentiell ausgehend vom Mechanik-CAD, auch wenn gerade große Maschinenbauer in der Mechatronik einen Schwerpunkt ihres zukünftigen Engineerings sehen. Aus diesem Workflow sollten die Automatisierungshersteller lernen und ihre Schnittstellen dahingehend anpassen, um den Workflow des Maschinenbauers besser zu unterstützen. Globale Konzerne verfügen über eine ganze Reihe von Softwaretools, die im klassischen Engineering-Prozess eines Maschinenbauers zum Einsatz kommen. Haben es kleinere Softwareanbieter dadurch zunehmend schwer, sich in den Engineering-Prozess der Unternehmen zu integrieren? Rothhöft: Da sich die Befragung ausschließlich an Maschinenbauer richtete, liefert die Studie dazu leider keine Aussagen. Die Diskussionen im Arbeitskreis Steuerungstechnik gehen aber in die Richtung, dass es durch die starke Integration und nicht offengelegte Schnittstellen bei den Software-Tools großer Hersteller für kleinere Hersteller zunehmend schwerer wird, sich in den Engineering-Prozess des Maschinenbauers zu integrieren. Dies hat negative Auswirkungen auf den Maschinenbau, denn die Vielfalt der individuellen Lösungen wird eingeschränkt und der Maschinenbauer hat es schwerer, sich seine optimale Software zusammenzustellen. In welchen Bereichen liegen die wesentlichen Wünsche, die die Anwender in Bezug auf das Engineering haben? Rothhöft: Der am häufigsten genannte Wunsch der Maschinenbauer an die Hersteller dreht sich um die Thematik \’verbesserte/ einheitliche Schnittstellen\‘. Dies ist auch verständlich, denn mit Erfüllung dieser Erwartungen können Projektzeiten und -kosten gesenkt werden, was aus Sicht des Maschinenbaus derzeit das wichtigste Thema im Bereich Engineering ist. Weiterhin erhofft sich die Mehrheit der Maschinenbauer eine Wiederverwendung von Engineering-Prozessen. Auch hier spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Hat Ihre Studie bestätigt, dass die Bedeutung der Hochsprachenprogrammierung in der industriellen Steuerungstechnik steigt? Rothhöft: Wenn man den Vergleich zur SPS-Studie aus dem Jahr 2010 zieht, hat die Bedeutung der Hochsprachenprogrammierung zugenommen. Dennoch haben weiterhin klassische Programmiersprachen wie Anweisungsliste, Funktionsbausteinsprache und Kontaktplan eine größere Verbreitung. Gibt es Aspekte in Ihrer Studie, bei denen es sich lohnt, noch etwas mehr ins Detail zu gehen? Rothhöft: Man erkennt aus der Studie, wie weit das Feld des Engineerings ist und dass die Herausforderungen und Wünsche des Maschinenbaus vielfältig gelagert sind. Eine solche Studie über das gesamte Engineering kann nicht überall ins Detail gehen, sondern beleuchtet die Anforderungen der Maschinenbauer im Überblick. Für detailliertere Aussagen zu einzelnen Gewerken wäre eine gezielte Studie zu den Einzeldisziplinen sinnvoll. Wenn es hier Wünsche seitens der Hersteller von Engineering-Systemen gibt, wäre es gut, diese für eine nächste Engineering-Studie an den Arbeitskreis Steuerungstechnik im VDMA zu adressieren.
Engineering ist ein großer Kostenfaktor Interview mit Michaela Rothhöft zur Studie \’Engineering-Prozess: Mechanik – Elektrik – Software\‘
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