Der vorliegene Beitrag ist der erste von zwei Fachberichten rund um das Thema \’Gigabit Ethernet in der Industrie\‘. Er begründet, warum gerade Gigabit-Ethernet die erste Wahl darstellt, um dem ständig steigenden Datenvolumen im Control Level Rechnung zu tragen. Teil 2 (SPS-Magazin 4/2009) beleuchtet, welche Aufgaben an eine Gigabit-Netzwerkinfrastruktur gestellt werden, damit diese eine unternehmensweite Kommunikation vom Enterprise bis in den Field Level gewährleisten kann. Vertiefende Artikel zu industrietauglichen Gigabit-Ethernet-Netzwerkkomponenten runden die Beitragsreihe ab. Bevor im Detail dargestellt wird, warum Gigabit-Ethernet für den Einsatz im Control Level prädestiniert ist, sollen im Folgenden die Grundlagen zur Technologie zusammengefasst werden. Gigabit-Ethernet Der Einsatz von immer datenintensiveren Anwendungen (z.B. Multimedia) erforderte die Innovation des Ethernet-Standards hin zu ständig steigenden Datenraten. Bei der Entwicklung der Gigabit-Ethernet-Technologie wurde auf eine abwärtskompatible Realisierung geachtet. Damit ist die wichtigste Anforderung erfüllt, dass der Anwender seine Anlage problemlos an bestehende 10MBit/s schnelle Ethernet- und 100MBit/s schnelle Fast-Ethernet-Netzinfrastrukturen ankoppeln kann. Bei Gigabit-Verbindungen innerhalb der Netzwerktopologie wird dagegen auf das CSMA/CD-Verfahren verzichtet. Deshalb ist auch keine Frame-Verlängerung erforderlich, da im Vollduplex-Betrieb jegliche Datenkollisionen vermieden werden (s. Tabelle). Erfahrungsgemäß erfolgt der Einsatz innovierter Ethernet-Technologie im Industriebereich verzögert. Werden heute bereits 10GBit schnelle Ethernet-Backbone-Strukturen zur Vernetzung der Unternehmensbereiche eingesetzt, finden sich diese im Automatisierungsbereich nur äußerst selten. Erst wenn sich neue Ethernet-Technologien im Office-Markt bewährt haben und sich ein akzeptables Preisniveau eingestellt hat, wird diese Technologie zunehmend interessant für den Automatisierungsmarkt. Eines haben jedoch beide Märkte gemeinsam: die stark wachsende Teilnehmerzahl und die datenintensiveren Systeme. Um Engpässe im Netzwerk zu vermeiden und genügend Netzwerkleistung für zukünftige Erweiterungen vorzuhalten, sind moderne Automatisierungsnetzwerke gefragt. Dabei sind die Anforderungen bezüglich der Netzwerkleistung in den einzelnen Automatisierungsbereichen bzw. -ebenen differenziert zu betrachten. Field Level – wenig Daten, kurze Reaktion Im Field Level stehen kurze Reaktionszeiten und kleine Datentelegramme im Vordergrund, während auf die Bandbreite weniger fokussiert wird. Verschiedene Feldbusapplikationen können somit bei Übertragungsraten von bis zu 100MBit/s problemlos integriert werden. Das beste Beispiel ist Profinet, der offene Industrial-Ethernet-Standard im Feldbusbereich. Control Level – mehr Bandbreite Im Control Level dagegen steigt der Bedarf an hohem Datendurchsatz ständig. Neben breitbandigen Backbone-Strukturen finden sich performante Serveranschlüsse, entsprechend dem Wunsch nach zentraler Datenhaltung. Beispiele dafür sind Scada-Server und File-Transfer-Server. Auch ist in diesen Netzwerken der Datendurchsatz durch die steigende Anzahl von Netzteilnehmern oder datenintensiveren Anwendungen wie Visualisierung, bildgebende Systeme und Web-Applikationen höher. Voice over IP, Video Streaming oder andere Multimedia-Anwendungen bringen ebenfalls höhere Datenmengen mit sich. Im Gegensatz zum Field Level steht im Control Level die Bandbreite im Vordergrund. Reaktionszeiten sind weniger kritisch. Sie können im Bereich von 10 bis 100ms liegen. Große Datentelegramme bis zu 1.500Bytes bei Filetransfers sind alltäglich. SPS mit Gigabit-Interface Eine durchgängige Gigabit-Lösung im Control Level beinhaltet natürlich auch den Anschluss an die SPS. Derzeit kann eine klassische SPS die maximal mögliche Bandbreite von Gigabit-Ethernet noch nicht in Echtzeit verarbeiten. Für heutige Applikationen ist dies auch gar nicht erforderlich. Oftmals müssen große Datenmengen auch nur vom Field in den Control Level weitergeleitet werden, ohne dass eine Vorverarbeitung erforderlich wäre. Beispielsweise könnte eine IP-Kamera (vor Ort im Field Level) den Produktionsprozess aufzeichnen, der an einem Scada-System (des Leitstands im Control Level) für den Anlagenbediener visualisiert wird. Das Weiterleiten der Daten übernimmt in diesem Fall z.B. in einer Simatic-Anlage ein Kommunikationsprozessor CP343-1 Advanced bzw. CP443-1 Advanced. Dieser hat zwei unabhängige Netzwerkschnittstellen, zwischen denen der Kommunikationsprozessor mittels IP-Routing auch Daten in beide Richtungen weiterleiten kann. Natürlich erfolgt dies parallel zu den Datenpaketen, die der Kommunikationsprozessor mit der Zentraleinheit (SPS) im Automatisierungssystem austauschen muss. Im Gegensatz zu den Multimediadaten der IP-Kamera erfolgt für diese Datenpakete eine Vorverarbeitung in der SPS. In jedem Fall ist es sinnvoll, die SPS mit einem Gigabit-fähigen Kabel im Control Level anzuschließen, um zukünftige Retrofits kostenreduziert zu gestalten. Genügend Netzwerkleistung für zukünftige Erweiterungen Eine Gigabit-Ethernet-Infrastruktur beseitigt Engpässe im Control Level und stellt genügend Netzwerkleistung für zukünftige Erweiterungen bereit. Kundenfreundliche, durchgängige Gigabit-Ethernet-Komplettlösungen erfordern deshalb – ein vielfältiges Switch-Spektrum mit elektrischen und optischen Ports – höchste Verfügbarkeit und schnelle Redundanz bei Netzproblemen – Netzzugriffsschutz durch ein integriertes Security-Konzept – Systemanschlüsse für die breitbandige Anbindung von PCs (z.B. in Scada-Systemen) – Systemanschlüsse für die Anbindung von SPS, die gleichzeitig die Netzwerktrennung zum Field Level realisieren, jedoch ohne Abstriche bezüglich Connectivity (IP-Routing) – elektrische und optische Industrial-Ethernet-Leitungen – fehlersichere und einfache Anschlusstechnik vor Ort. Es ist jedoch nicht nur die Leistungsfähigkeit beim Austausch großer Datenmengen, die Industrial Ethernet auf Basis Gigabit-Ethernet für den Einsatz in der Industrie prädestinieren – Industrietauglichkeit, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Echtzeitfähigkeit, robuste Anschlusstechnik sowie einfache Bedienung ohne spezielles IT-Wissen haben diesen Standard für die Industrie tauglich gemacht. Heute ist Industrial Ethernet mit einem Anteil von über 80% das Netzwerk Nummer eins im industriellen Umfeld.
Gigabit@ControlLevel – Teil 1: Gigabit-Ethernet – attraktiv für den Anlagenbereich
-
Modulare I/O-Systeme werden zur Architektur hinter moderner Produktion
Vom Anschlusspunkt zur Dateninfrastruktur
Industrielle Steuerungssysteme werden nicht mehr durch zentralisierte Logik und starre Architekturen bestimmt, sondern entwickeln sich zu dezentralen, datengesteuerten Systemen, die zunehmend davon abhängen, wie Informationen durch das System…
-
Führungswechsel bei der OI4 Alliance
Die Open Industry 4.0 Alliance stellt seine Führung um: Ab Juli übernimmt Michael Riester (l.), Industrieexperte und seit 2019 Mitglied der OI4 Alliance, die Position des Managing Directors.
-
Produktion in den energieintensiven Industriezweigen um 1,2% gestiegen
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im März gegenüber Februar saison- und kalenderbereinigt um 0,7% gesunken.
-
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt Kosten – für innovative Lösungen und nachhaltige Produktionsprozesse.
-
Jedes zwölfte Unternehmen sieht wirtschaftliche Existenz bedroht
8,1% der Unternehmen in Deutschland sehen den eigenen Fortbestand gefährdet.
-
Anzeige
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt…
-
Bomag standardisiert die Elektrokonstruktion von mobilen Arbeitsmaschinen
Der Kabelbaum als digitaler Zwilling
Kabelbäume zählen zu den aufwendigsten Baugruppen mobiler Maschinen – und entstehen in vielen…
-
Platzsparende Antriebstechnik für die Verpackungsindustrie
Effizient, robust und kompakt
In der Lebensmittel- und Getränkeproduktion ist der Platz meist begrenzt. Daher ist bei…
-
Workshop ebnet produzierenden Unternehmen den Weg zur Smart Factory
KI in der Praxis
Smart Manufacturing verlangt nach konkreten Projekten. Ein Workshop zeigt praxisnahe Wege zur Smart…
-
Assistenz für reproduzierbare Fertigungsschritte
Digitale Ordnung statt Papierstapel
Auch wenn viele Produktionen hochautomatisiert sind, spielt sich ein entscheidender Teil der Wertschöpfung…
-
Messevorschau Sensor+Test 2026
Starkes Rahmenprogramm auf dem Branchentreffpunkt
Die Sensor+Test 2026 bietet ein umfassendes Rahmenprogramm mit Fachforen und Kongressen. Besucher erhalten…
-
Sensorbasierte Echtzeitüberwachung des Schmierungszustands
Das Lager wird zum Sensor
Lagerschäden werden mit klassischer Sensortechnologie typischerweise erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt,…
-
Nachgefragt: Wie weit die Industrie bei Umsetzung, Security und Compliance ist – Teil 1
Maschinenverordnung 2027: Die Zeit läuft
Der Countdown läuft: Am 20. Januar 2027 wird die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 verbindlich. Doch…
-
Rovema macht mit ctrlX Automation seine Maschinen zukunftssicher
Technologisch flexibel und strategisch unabhängig
Automatisierung bedeutet heute mehr als präzise Bewegungsabläufe. Um zukunftsfähige Maschinen zu entwickeln und…
-
Kompakte S7-Steuerung mit Touchpanel
Die Jedermanns-SPS
Kompakte Panel-SPS-Lösungen mit integrierter Steuerung und I/Os ermöglichen den wirtschaftlichen Ersatz klassischer Handbedienelemente,…
-
Webbasiertes Engineering-Tool als Designer für die schaltschranklose Automatisierung
„Wir vereinfachen die Umsetzung drastisch“
Der neue MX-System Designer von Beckhoff ermöglicht strukturierte und technisch validierte elektrische Auslegung…
-
Integrierte Kompaktantriebe ermöglichen schaltschranklose Maschinen
Es geht auch ohne Einspeisemodul
Dezentrale Servomotoren kommen häufig bei räumlich verteilten Einzelachsen zum Einsatz. Die im Motor…
-
Cobots bringen mehr Effizienz in die EMS-Fertigung
Bestückung neu gedacht
Mit Cobots lassen sich auch komplizierte Prozesse teilautomatisieren, etwa die Bestückung von Leiterplatten…
-
Neue Ansätze und Geschäftsmodelle für zirkuläre Fluidtechnik
Mehr als nur nachhaltig
> Neue Ansätze & Geschäftsmodelle für zirkuläre Fluidtechnik. Bürkert unterstützt Transformationsprozess mit Lösungen…
-
Über 200 Artikel
Bedienen und Signalisieren
Mit einem umfangreichen Systembaukasten präsentiert Phoenix Contact neue Lösungen für das Bedienen und…
-
Für Ex-Bereiche
Magnetfreier IE6-Motor
ABB bietet einen IE6 Hyper-Efficiency-Motor anbietet, der nach Atex- und IECEx-Anforderungen für den…
-
Für Rechenzentren
Direct-to-Chip-Flüssigkühlung
Der steigende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), High-Performance-Computing (HPC) und beschleunigten Workloads führt…
-
Hohe Untersetzungen und Präzision
Kombinationsgetriebe
Dunkermotoren stellt mit den neuen WG-Kombinationsgetrieben eine wirtschaftliche Lösung für Anwendungen vor, die…
-
Erfassung analoger Signale
Analoges Mixmodul
Das analoge Mixmodul AM 821 aus der S?Dias?Serie von Sigmatek kombiniert acht analoge…
-
Was wurde eigentlich aus …
SafetyBridge Technology von Phoenix Contact?
In der Titelstory des SPS-MAGAZINs 5/2016 ging es unter dem Titel: ‚Die SafetyBridge…
















