Dennoch findet eine stetige Weiterentwicklung der Programmierung statt – meist in logischen Schritten, die den Workflow bei der Applikationsprogrammierung optimieren. Im Rahmen dieser Betrachtung wird Ihnen am Beispiel einer einfachen Timer-Applikation erläutert, wie dabei der \’natürliche\‘ Weg von der funktionalen zur objektorientierten Programmierung führt. \’Der Einstieg\‘ – oder \’Wie wir (fast) alle mal begonnen haben\‘ Alle Daten in einer großen globalen Variablen-Liste deklarieren, im Programmcode munter darauf zugreifen, vielleicht sogar aus einem einzigen Programmbaustein – das ist ein Programmierstil, der pragmatisch zum Ziel führt und deswegen auch heute nicht vollständig ausgestorben ist. Dafür spricht: Viele SPS-Applikationen wurden so erfolgreich realisiert. Problematisch wird es, wenn Fehler in einem solchen Programmcode gesucht werden müssen, oder wenn die Applikation angepasst werden soll. Auch ist es mühsam, Teile des Programmcodes für andere Applikationen wiederzuverwenden. Spätestens dann beginnen SPS-Programmierer darüber nachzudenken, wie sie Ihre Applikation verbessern können. 1. Verbesserungsschritt: Strukturierung der Daten und deren Verwendung Die IEC61131-3 definiert mächtige Hilfsmittel zur Strukturierung: z.B. Funktionen (Fun), die der Programmierer für abgegrenzte Aufgaben mit einem Rückgabe-Wert von Hauptroutinen beliebig aufrufen kann. Oder Strukturen (Struct) zum Zusammenfassen von Variablen. Diese Mittel setzen erste Forderungen zur strukturierten Programmierung um, wie sie der niederländische Informatiker Edsger Dijkstra (1930-2002) aufgestellt hat (\’Go To Statement Considered Harmfulm,\‘ 1968 sowie \’Structured Programming\‘, 1972). Im Beispiel unserer Aufgabe werden dazu verschiedene Timer als Instanz einer Struktur deklariert. Darüber hinaus erfolgt die Bearbeitung mit Hilfe von speziellen Funktionen, wie z.B. MyClockGetTime, MyClockSetTime, MyClockStartTime, MyClockStopTime. Damit wird die Verwendung unterschiedlicher Timer bereits deutlich vereinfacht, weil jeder Funktionsaufruf seine eigenen Daten übergeben bekommt bzw. zurückliefert. Allerdings muss die Datenübergabe mit dem exakten Datentyp erfolgen. Auch ist es nicht möglich, alternativen Code während der Ausführung zu verwenden. 2. Verbesserungsschritt: Zusammenfassung von Daten und Code in Funktionsbausteinen (FB) Im ersten Schritt waren Daten und Code noch ohne erkennbaren Bezug zueinander strukturiert. Mit Funktionsbausteinen nach IEC61131-3 kann der Applikationsprogrammierer seine Datenstruktur zusammen mit deren Ausführung erstellen. Die eigentliche Datenallokation erfolgt bei der Instanziierung eines FBs. Mit jeder Instanz wird somit ein unabhängiger Datensatz angelegt, der vom identischen Programmcode bearbeitet wird. Durch die Deklaration von Eingangs- (VAR_Input) und Ausgangsvariablen (VAR_Output) ist es möglich, auf die Daten innerhalb der Instanz zuzugreifen. Instanzen können einzeln, aber auch als Arrays angelegt und somit weiter strukturiert werden. Nachteil vom FB: Um die Abarbeitung flexibel durchführen zu können, sind mitunter zahlreiche VAR_Inputs erforderlich, die wiederum dem exakten Typ der VAR_Input-Variablen entsprechen müssen. Sollen innerhalb des FBs alternative Programm-Sequenzen durchlaufen werden, so ist zusätzlicher Programmcode zur Verzweigung erforderlich, der nicht zur eigentlichen Funktion gehört. 3. Verbesserungsschritt: FBs mit Aktionen Aktionen von FBs beseitigen einen Teil dieser Nachteile. Sie wurden von den Vätern der IEC61131-3 zwar eigentlich für Objekte vorgesehen, die in Ablaufsprache erstellt werden. Deren Erweiterung auf alle FBs hat sich im IEC61131-3 Programmiersystem CoDeSys aber seit vielen Jahren bewährt: Zusätzlich zu den oben beschriebenen Standard-Eigenschaften von FBs kann die Applikation diese Aktionen vom FB oder aber übergeordneten Bausteinen direkt aufrufen. Das heißt: Der Aktions-code wird auf den Daten der FB-Instanz ausgeführt, allerdings unabhängig von anderen Aktionen oder dem Code im Rumpf des FB. Mit den verfügbaren Aktionen können somit unterschiedliche Ausführungsvarianten eines Objekts definiert werden. Mit dem Aufruf wird somit entschieden, welche Aktion und damit welche Variante ausgeführt werden soll. Verzweigungen für unterschiedliche Aufgaben sind in der Aktion nicht mehr erforderlich. Allerdings ermöglichen Aktionen keine Eingangsdaten (VAR_Input). Auch ist es nicht möglich, identischen Code innerhalb von Aktionen für unterschiedliche FBs zu verwenden. 4. Verbesserungsschritt: FBs mit Methoden Methoden sind Bausteine, die so in der IEC61131-3 ursprünglich nicht definiert waren. Wie auch Aktionen, sind Methoden nichts anderes als Funktionen, die einem FB zugeordnet sind. Sie können allerdings jetzt eigene Parameter haben, um deren Ausführung noch flexibler und unabhängiger voneinander zu gestalten. 5. Verbesserungsschritt: FB implementiert Interface(s) Schon Methoden sind neue Objekte in der IEC61131-3, deren Nutzen sich recht einfach erschließt. Mit dem nächsten neuen Objekt \’Interface\‘ begeben wir uns nun endgültig in die objektorientierte Programmierung. Im Gegensatz zu den Programmen, Funktionsbausteinen, Funktionen, Aktionen und Methoden enthalten Interfaces keinen Code. Wofür benötigt man sie dann? Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um die Beschreibung einer Schnittstelle für den Aufruf von Methoden. Diese Beschreibung ist an einer Stelle einheitlich festlegt. Das bedeutet: Ein Interface definiert einen Satz von Methoden und deren Aufrufparameter. Dabei sind die Methoden im Interface selbst leer – es soll ja kein Code, sondern nur die Schnittstelle definiert werden. Implementiert nun ein FB ein oder mehrere Interfaces, so müssen alle im Interface definierten Methoden für diesen FB ausprogrammiert werden. Das hat mehrere Vorteile: Einerseits kann man durch Definition des Interfaces die Aufrufschnittstelle für einen FB an einer Stelle einheitlich definieren. Das ist insbesondere dann interessant, wenn es mehrere unterschiedliche Einheiten in einer Applikation gibt, die aber identisch aufgerufen werden. Beispiele dafür gibt es in der Automatisierung zur Genüge: – Alle Antriebe (unabhängig von Hersteller, Busanbindung, Leistungsklasse) unterstützen Funktionen wie \’Homing\‘, \’Reset\‘ oder \’Fahren auf Zielposition\‘. – Jeder Feldbus hat Funktionen zum Datenversand und -empfang. – Die meisten mechatronischen Einheiten müssen per Software eingeschaltet (enabled) werden und liefern ein Diagnosesignal zurück. Mit der zentralen Definition eines Interfaces kann der Programmierer sicherstellen, dass keine Funktion für den FB vergessen wird. Sollte das Interface verändert oder erweitert werden müssen, so geschieht das an einer zentralen Stelle. Auch überwacht der Compiler, dass die Implementierung z.B. einer hinzugefügten Methode wirklich vorgenommen wurde. Ein noch größerer Vorteil: Durch die Implementierung von Interfaces in unterschiedlichen Einheiten können natürlich die Implementierungen der Methoden ganz individuell erfolgen. Dennoch bleibt der Aufruf der Methoden identisch. \“Moment mal!\“, mag der fachkundige Leser dieser Zeilen jetzt einwenden, \“Ich muss ja die Methode als Teil einer FB-Instanz aufrufen! Dadurch ändert sich zwar der Methodenaufruf nicht, er enthält aber den Instanznamen!\“ Dieser Einwand ist natürlich berechtigt. Aber anders als beim normalen FB kann der Zugriff nun z.B. in Arrays auch über die implementierte Schnittstelle erfolgen. Das heißt: Beim eigentlichen Aufruf der Methode spielt es keine Rolle mehr, von welcher Instanz und mit welcher konkreten Implementierung er vorgenommen wird. Diese Zuordnung erfolgt mit dem Auffüllen des Arrays als Feld vom \’Datentyp\‘ Interface. Und das ist natürlich eine extreme Vereinfachung, wenn eine größere Menge von Methoden ähnlichen Typs, aber unterschiedlicher konkreter Umsetzung aufgerufen werden soll. Weitere Schritte Mit Interfaces und Methoden hat man die OOP aber bei Weitem nicht ausgereizt. Warum sollte man Methoden nicht in anderen FBs wiederverwenden? Was ist mit Eigenschaften (Properties) von FBs? Welche weiteren Möglichkeiten lassen sich aus dieser Denkweise ableiten? Fortsetzung folgt… Fazit Der logische Weg, der bei der Optimierung des Programmierstils eingeschlagen wurde, führt zur OOP – und er lässt sich noch weitergehen, ohne die vertraute Oberfläche der IEC61131-3 verlassen zu müssen! Schließlich werden alle beschriebenen Eigenschaften in der dritten Revision der Norm bereits enthalten sein.
\’Go to OOP\‘ Der logische Weg vom funktionalen zum objektorientierten Programmieren – Teil 1
-
Moderne Qualitätssicherung mit Automatischer Optischer Inspektion (AOI)
Mit KI, ohne Programmierkenntnisse
Die moderne Fertigung steht unter enormem Druck. Qualitätsanforderungen steigen rapide, Fachkräfte sind Mangelware und die Konkurrenz schläft nie. Entsprechend hoch ist der Bedarf an effizienter, intelligenter und skalierbarer…
-
Wie Claas und Schmitz Cargobull 51 Anwendungen in die reale Produktion bringen
KI verlässt das Labor
Fachkräftemangel, steigende Qualitätsanforderungen und Effizienzdruck prägen die industrielle Produktion. Das It’s OWL-Projekt Datenfabrik.NRW hat vier Jahre lang daran gearbeitet, datengetriebene Lösungen und künstliche Intelligenz aus der Pilotphase in…
-
Red Hat und Nvidia entwickeln Agentic-AI-Plattform
Chatbot war gestern
Bis 2029 werden die Ausgaben für Enterprise-KI voraussichtlich auf mehr als eine Billion US-Dollar steigen. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von Agentic AI, da Unternehmen ihre Strategien…
-
Connected Worker Software
6 Wege, wie KI intelligente Zusammenarbeit fördert
Liefertermine wackeln, Teams arbeiten unter Dauerlast, Knowhow verschwindet in der Rente: In vielen Industrieunternehmen gehört der Ausnahmezustand zum Betriebsalltag. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit in Produktion, Qualitätskontrolle und Wartung…
-
Industrie Edge-Modul: Condition Monitoring ohne komplexe IT
Mit Maschinendaten Schritt für Schritt zu Predictive Maintenance
Der Einstieg in Condition Monitoring und Predictive Maintenance scheitert in der Praxis häufig an komplexen IT-Strukturen, hohen Implementierungskosten und fehlender Datentransparenz. Mit dem Edge-Modul von Igus können Unternehmen…
-
Produktion im Juni: +0,2% zum Vormonat
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen…
-
Akustikkamera überwacht Teilentladungen
Teledyne Flir gibt die Markteinführung der Flir Si2a PD bekannt, einer fest installierten…
-
Brock Ballard wird neuer Chief Revenue Officer bei Aveva
Aveva hat die Ernennung von Brock Ballard (Bild) zum Chief Revenue Officer mit…
-
KI-basierte Cyberangriffe treffen zwei Drittel des Mittelstands in der DACH-Region
Die Sonderauswertung ‚Mittelstand‘ aus dem DXC Digital Future Monitor 2026 zeigt: 65% der…
-
Mit breitem Eingangs- und Ausgangsspannungsbereich
DC-DC-Wandler
TDK gibt die Einführung der programmierbaren DC-DC-Wandler TDK-Lambda DDSM mit 120 W und…
-
Pilz bietet neue Industrial Security-Dienstleistungen an
Mit den zwei neuen Industrial Security-Dienstleistungen Security Evaluation of Machinery (SEM) und Security…
-
Sensorik und Messtechnik
Digitaler Temperaturfühler kombiniert Präzision und Rückverfolgbarkeit
Jumo erweitert sein Sensorportfolio um den digitalen Temperaturfühler DsensTemp.
-
Bedienen und Beobachten
Industrie-Displays und Panel-PCs für die Tragarmmontage
SR System-Elektronik erweitert seine V-Flat-Serie um Industrie-Displays und Panel-PCs für die Tragarmmontage mit…
-
Neue Doppelspitze am Fraunhofer FKIE
Prof. Christoph Igel ist mit Wirkung zum 15. August zum Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts…
-
Maschinenbau Ost mit kräftigem Auftragsplus im zweiten Quartal
Nach einem schwachen Jahresauftakt hat der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau im zweiten Quartal…
-
Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe +3,1%
Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes…
-
Intelligente Antriebslösungen für Pressen
Die leistungsstarke Servopressen-Systemlösung von Baumüller besteht aus einem DST2-High-Torque-Motor, einem B Maxx-Netzwechselrichter, einem…
-
Für Einsatz in Nordamerika
Gehäuse mit UL- und CSA-Zulassung
Multi-Box kann seine komplette Gehäuseserie MBI jetzt auch mit Zertifizierungen nach UL 508A…
-
Für mehr Offenheit und Flexibilität
Kommunikations- und Speichermodule
Weidmüller bringt neue Module für die Edge Controller der Serie U-Control M an…
-
Für 24V-Anwendungen
Unterbrechungsfreie Stromversorgung
Weidmüller erweitert das Portfolio um die unterbrechungsfreie Stromversorgung Duramax.
-
Für Bahn-Anwendungen
Kabeldurchführungen aus TPE
Kabeldurchführungs-Systeme werden nach den strengen branchenspezifischen Normen geprüft und zertifiziert.
-
Bietet IE5-Wirkungsgrad
Induktionsmotor
WEG hat den W22 Prime auf den Markt gebracht, die nächste Generation seiner…
-
Erfolgreicher Pharma Tech Talk von Pepperl+Fuchs
Am 1. und 2. Juli brachte Pepperl+Fuchs in Mannheim Experten aus der Pharma-,…
-
Erfolgreiche Veranstaltung von Gemü, IHK & VDMA
Gemü setzte mit der IHK Heilbronn-Franken und dem VDMA bei einer gemeinsamen Veranstaltung…
-
Endress+Hauser eröffnet zwei neue Gebäude in den USA
Endress+Hauser hat zwei neue Vertriebsgebäude in den USA eröffnet.
das könnte sie auch interessieren
-
Inlandsbestellungen ziehen kräftig an
Elektroindustrie mit Auftragsplus zur Jahresmitte
-
Auch Importe gestiegen
Exporte im Juni lagen bei +0,9%
-
Neue Automation-Einheit bei Siemens
Rainer Brehm übernimmt Leitung
-
















