SPS-MAGAZIN: Wie treten Sie nach der Auflösung des Joint Ventures mit Fanuc auf dem europäischen Steuerungsmarkt auf? Die Bewegungssteuerung ist eine Schlüsseltechnologie, da sie eng mit unserem Geschäftsfeld der Automatisierungssteuerung verwoben ist. Die beiden Unternehmen haben vereinbart, die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit fortzusetzen. GE wird weiterhin schwerpunktmäßig in Technologien und Innovationen investieren, die für unsere Kunden im Segment Bewegungssteuerung echten Wert schaffen. SPS-MAGAZIN: Im letzten Jahr haben Sie Pacmotion vorgestellt. Wie wird dieses Produkt in der Maschinenbaubranche angenommen? Pacmotion war für uns ein revolutionäres Produkt. Wir haben nicht nur eine anstehende Verbesserung unserer vorherigen Bewegungssteuerung abgeliefert, sondern quasi von vorn angefangen und eine völlig neue Bewegungssteuerung konstruiert, um die derzeitigen und zukünftigen Anforderungen von Maschinenbauern zu erfüllen. Die Architektur von Pacmotion mit Pacccore- und Pacsync-Technologie berechnet und synchronisiert alle Positionsbefehle innerhalb einer Millisekunde, und zwar unabhängig davon, wie viele Achsen im Rack verbunden sind. Aus diesem Grund verfügen Maschinenbaufirmen, die die Vorteile von Pacmotion erkannt haben, über Maschinen mit hohen Geschwindigkeiten und einer hohen Achsenzahl. Wenn die Rate der Positionsaktualisierungen auch bei Maschinen mit einer hohen Anzahl an Achsen konstant bleibt, lässt sich die Produktion erheblich beschleunigen. Wir haben Kunden, die Verbesserungen der Produktionsgeschwindigkeiten im zweistelligen Prozentbereich und eine deutliche Reduzierung des erforderlichen Bedieneraufwands erzielen konnten. Diese Verbesserungen wirken sich direkt auf die Rentabilität aus. SPS-MAGAZIN: Sicherheit ist in der europäischen Automatisierungsbranche ein wichtiger Trendbereich. Wie tragen Ihre Produkte zur Erfüllung der Kundenanforderungen in dieser Hinsicht bei? Wir sind davon überzeugt, dass wir Leistung und Sicherheit zu einem geringeren Gesamtkostenbetrag bieten können, indem wir die Sicherheitskomponenten verteilen und uns dann auf die beste übergreifende Architektur für die Maschinenanwendung konzentrieren. Da unser PAC8000 SafetyNet-Produktbereich die Prozesssicherheit abdeckt, ist er zur Erfüllung der Anforderungen ideal geeignet: als integriertes System für die Steuerungssicherheit mit den PAC8000-Steuerungen und als Produkt, das speziell auf SIL2-Anforderungen ausgerichtet ist. Darüber hinaus schafft GE einen beträchtlichen Wert für seine Kunden, indem wir Erfahrung, Anleitung und Beratung im Bereich der Sicherheitstechnik bereitstellen. Wir unterstützen unsere OEM-Kunden beim Verständnis und der Anwendung der Sicherheitsstandards, um die Aufstellung sicherheitskonformer Produktionssysteme an allen Produktionsstätten von Endkunden weltweit zu ermöglichen. SPS-MAGAZIN: Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen seit Einführung des Programmable Automation Controllers, kurz PAC. Wie schätzen Sie die Entwicklung dieser Technologie in den nächsten fünf bis zehn Jahre ein? Am Anfang der Markteinführung von Pacsystems waren die ersten interessierten Kunden die Innovatoren. Sie erkannten den Nutzen schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt und wollten dies als Vorteil bei ihrer Geschäftstätigkeit nutzen. Als sich die Nachrichten über deren Erfolg mit dem System verbreiteten, wechselten mehr frühe Umsteiger zu Pac. Diese Welle der Innovatoren und frühen Umsteiger haben wir für den Programmable Automation Controller sicherlich hinter uns, und die meisten anderen großen Anbieter von Automatisierungstechnik sind unserem Beispiel gefolgt und bieten bestimmte Arten von Programmable Automation Controllern an. Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre wird der Großteil der Automatisierungsanforderungen mithilfe von PACs erfüllt werden. Der Schlüssel zum erfolgreichen Umstieg ist die Fähigkeit der Kunden, ihre bestehende Infrastruktur zu migrieren. Sofern kein ganz neues Werk gebaut oder eine komplett neue Maschine konstruiert wird, sollen die erheblichen für Steuerungssysteme geleisteten Investitionen natürlich nicht ungenutzt bleiben. GE Intelligent Platforms sorgt dafür, dass die Migration von SPS zu PAC so nahtlos und kostengünstig wie möglich vollzogen werden kann. SPS-MAGAZIN: Welche Entwicklungen betreiben Sie derzeit im Hardware-Bereich? Unsere aktuellen und zukünftigen Entwicklungen sollen weitere OEM-Verbesserungen bringen. Dazu kommen spezielle Funktionen, die von Kunden aus den Bereichen Verpackung, Holzbearbeitung, Druck und Materialflusstechnik verlangt werden. Abweichungen in der Herstellung haben negative Auswirkungen auf Qualität und Ertrag. Bei komplexen maschinellen Bearbeitungsvorgängen müssen mehrere Achsen synchronisiert werden, um Abweichungen zu reduzieren. Durch den Einsatz unserer PacCore-Architektur, einer Multiprozessor-Architektur, bei der die Verbindung über einen virtuellen Dual-Port-Speicher und eine schnelle PCI-Backplane erfolgt, ermöglicht PacMotion durchgängig hohe Leistung und enge Synchronisierung aller Achsen im Rack. Das PacMotion-System verbindet mehrachsige Bewegungssteuerungen mit den SPS-Produkten der PacSystems RX3i-Reihe und Softwaretools vom Typ Proficy Machine Edition. Die PacSystems-Hochverfügbarkeitslösungen sorgen auch weiterhin für konstante, effiziente betriebliche Abläufe mit hoher Leistung und Flexibilität, damit wichtige Systeme ohne Ausfallzeiten betrieben werden können. Wir haben diese Lösung auf einer skalierbaren, synchronisierten und redundanten Steuerungsplattform mit Hot-Standby-Funktion erstellt, um durch automatische Umschaltung für den Dauerbetrieb eine unterbrechungsfreie Steuerung zu ermöglichen. Wie schon im Verlauf der letzten sieben Jahre, werden wir diese Plattform weiter ausbauen und um neue Funktionen erweitern. Dies wird Produkte mit den Schwerpunkten Geschwindigkeit, Verarbeitungsleistung und Kommunikation sowie den Ausbau unseres Funktionsspektrums bei Bewegung und Prozessen umfassen. Im Segment Prozesslösungen hat unser Unternehmen im Sommer die PAC8000 RTU herausgebracht. Hier liegt der Schwerpunkt auf rauen Umgebungsbedingungen, z.B. bei Anwendungen wie der Bohrlochkopf-Steuerung. Die PAC8000 RTU bietet Vorteile wie hohe Verfügbarkeit durch native Redundanz, Hart-Durchschaltung, direkter Anschluss an Zone-1-Instrumenten, wodurch zusätzliche Trennbarrieren überflüssig werden, sowie die speziellen Umgebungsbedingungen und die gemeinsame Plattform mit unserer SIL 2-Lösung SafetyNet. SPS-MAGAZIN: Sie verlegen Ihre Hauptniederlassung für den Automatisierungsbereich in Europa nach Augsburg in Deutschland. Können Sie uns dazu mehr sagen? Richtig. Ab dem Sommer wird sich die Hauptniederlassung von GE Intelligent Platforms für Europa in Augsburg befinden. Dies ist ein Vorteil für uns, weil dieser Teil Europas für Maschinenbauunternehmen und die gesamte Automatisierungsbranche in Deutschland eine zentrale Region ist. An diesem Standort werden viele unserer Mitarbeiter und auch unser Auslieferungslager stationiert sein. Außerdem ist geplant, am Standort Augsburg die Vorteile unserer Produkte für Maschinenbauer und Endanwender zu demonstrieren, und wir möchten noch bessere Geschäftsbeziehungen zu Bestands- und Neukunden aufbauen. Geschäftsbeziehungen auf persönlicher Ebene sind integraler Bestandteil unserer Geschäftstätigkeit. Unsere OEM-Kunden verlassen sich auf unsere Unterstützung beim bestmöglichen Dienst am Kunden. Mit der Niederlassung in Augsburg können wir diese engen Kundenbeziehungen, von denen GE und Kunden gleichermaßen profitieren, weiter vertiefen.
Interview des Monats: \“Produktion erheblich beschleunigen\“
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