Die Automobilindustrie gilt zu Recht als Vorreiter in Sachen Automatisierung. Doch trotz der effizienten Prozesse wird kontinuierlich an verbesserten Logistik- und Qualitätskonzepten gearbeitet. Solche Prozessoptimierungen reduzieren die Kosten und stellen somit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar. Nicht nur sich verändernde Marktanforderungen, z.B. durch die Globalisierung, sind Motor für solche Veränderungen, sondern auch technologische Weiterentwicklungen, die sich zur Einführung neuer Konzepte anbieten. Durch die in den letzten Jahren erlangte technische Reife der RFID-Technologie im UHF-Bereich (Ultra High Frequency) können heutzutage neue Anwendungsgebiete profitabel erschlossen werden. Eine Investitionsrechnung Die bisherigen Einsatzgebiete dieser Identifikationstechnik haben sich zumeist auf Applikationen mit geschlossenen Kreisläufen und kurzen RFID-Wirkbereichen konzentriert. Ein typisches Beispiel sind Produktionsanlagen, bei denen ein RFID-Datenträger am Werkstückträger zur dezentralen Datenhaltung verwendet wird. Bei diesen Installationen stellt die Ident-Technik einen Teil der Anlageninvestition dar und amortisiert sich entsprechend über die Anlagenlaufzeit. Mit der UHF-Technik hingegen können Anwendungen mit höheren Erfassungsreichweiten und kostengünstigen \’Einmal-Datenträgern\‘ realisiert werden. Große Reichweiten bei geringen Transponderpreisen werden vor allem in der Logistik oder bei der Bauteilkennzeichnung gefordert. Im Hinblick auf die Investitionsrechnung ergibt sich ein wesentlicher Unterschied: Die einmalig verwendeten RFID-Transponder sind dem Produkt direkt als Verbrauchsmaterial zuzurechnen. RFID reduziert Kapitalbindung Für logistische Abläufe sind spezielle Ladungsträger häufig unverzichtbar, doch sie bedeuten auch gebundenes Kapital für den Eigentümer – meistens die Automobilhersteller. Millionen-Stückzahlen der verschiedenen Ladungsträgertypen sind hier keine Seltenheit. Um Überbestände zu vermeiden, ist ein sicherer Überblick über die Nutzung dieser Vielzahl von Einheiten notwendig, zumal sich die Ladungsträger über verschiedene Standorte, Länder oder sogar Kontinente im Einsatz befinden. In einem Idealszenario können alle einzelnen Ladungsträger eindeutig identifiziert werden. Wird damit jede Ladungsträger-Aktion (Warenein- bzw. -ausgang, Service, Kommissionieren usw.) protokolliert, so ergibt sich eine Prozesstransparenz, die wesentliche Daten für unterschiedliche Zwecke liefert. So ist z.B. aus den gesammelten Informationen erkennbar, ob sich ungenutzte Transporteinheiten im Unternehmen befinden, oder ob es bei einem bestimmten Prozessteilnehmer zu einer überdurchschnittlichen Verweildauer kommt. Um den notwendigen, kontinuierlichen und schnellen Umschlag zu erzielen und damit eine möglichst geringe Anzahl Ladungsträger vorhalten zu müssen, wird nach Ablauf einer vereinbarten Bearbeitungszeit wird eine Mietgebühr erhoben, falls bis dahin die Ladungsträger noch nicht zurückgesandt wurden. Mit diesem Geschäftsmodell wird die Zirkulation der RTI aufrechterhalten, da der Zulieferer unnötige Kosten wegen zu langer Lagerung in seinem Hause vermeiden wird. Verlust oder Schwund können anhand von geführten Bestands- und Bewegungskonten der Ladungsträger nachvollzogen werden. Voraussetzung für solch ein Modell ist die Einführung eines durchgängigen Management- und Buchungssystems, bei dem die RTI-Bestände und die Transitaktionen verwaltet werden. Anhand eines Berichtswesens können Bestände, Verweil- und Umschlagszeiten sowie Einsatzdauer und Umlaufzyklen der Ladungsträgereinheiten ermittelt werden. Track & Trace im Lebenszyklus Während sich im Ladungsträgermanagement die Amortisation der Datenträger an einer Ladeeinheit über die Anzahl der Durchläufe und die Lebensdauer errechnet, muss bei einmal verwendeten Datenträgern die Wirtschaftlichkeit aus dem einmaligen Prozessdurchlauf darstellbar sein. Aus diesem Grund fällt die Wahl oft auf kostengünstige RFID-Smartlabels, bei denen neben der RFID-Funktionalität auch noch optische Codes und Klartext aufgedruckt werden können. Der Vorteil solcher hybrider Informationsquellen ist die Verwendung unterschiedlicher Identifikationskonzepte, wobei der Klartextaufdruck auch nur als menschenlesbare Backup-Variante genutzt werden kann. Derartige Funketiketten werden z.B. bei Fahrzeugmodulen eingesetzt, die als Roh- bzw. Halbfertigteile serialisiert und dann weiterverarbeitet werden. Jedes einzelne Teil wird eindeutig im Herstellungsprozess identifiziert und kann somit auftragsspezifisch bearbeitet werden. Neben der Vorgabe der individuellen Bearbeitungsschritte kann – basierend auf der Identifikation – eine abschließende Sequenzierung stattfinden, die als Grundlage für JIS (Just in Sequence) und andere Logistikkonzepte dient. Eine eindeutige und durchgängige Identifizierung von Komponenten ist speziell bei Modulen mit einer hohen Wertschöpfungstiefe rentabel oder findet Verwendung bei Komponenten, bei denen Dokumentationspflicht im Herstellungsprozess besteht. Durch das Wissen, welche Einzelbauteile oder Module in welchem Fahrzeug eingebaut sind, können im Umkehrschluss gezielte Rückrufaktionen oder andere Aftersales-Aktionen eingeleitet werden. VDA fördert RFID-Einsatz Das RFID-gestützte Ladungsträgermanagement und der Einsatz von RFID zur Bauteilkennzeichnung werden durch Empfehlungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) unterstützt. Diese Empfehlungen beschreiben, wie und an welchen Stellen RFID zur Optimierung der Prozessqualität oder zur Vereinfachung von bestehenden Prozessen genutzt werden kann. Abschließend kann man feststellen, dass sich in den letzten Jahren die technischen Möglichkeiten zur profitablen Einführung von RFID in Prozesse, die über die eigentliche Fertigung und Montage hinausgehen, stark weiterentwickelt haben. Durch vielseitig installierte Einzellösungen in der Branche ist zu erkennen, dass die Unternehmen bereits Erfahrungen mit der Technik und deren Möglichkeiten sammeln, um diese in Zukunft im vernetzten Umfeld mit anderen Prozessbeteiligten nutzbringend einsetzen zu können. Im Rahmen der VDA-Empfehlungen und unter weiteren automobilspezifischen Randbedingungen werden sich Best-Practice-Beispiele als Grundlage für erweiterte und übergreifende RFID-Einsatzszenarien etablieren.
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