Das \’Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V.\‘ (DIW) hat in einem von Ihnen veröffentlichten Papier mit dem Titel \’Ingenieure in Deutschland: Keine Knappheit abzusehen\‘ explizit die Zahlen und die Darstellung des VDI infrage gestellt. Wo sehen Sie die wesentliche Ursache, dafür, dass das DIW und der VDI zu solch völlig unterschiedlichen Schlüssen kommen? Funk: Das DIW berücksichtigt bei seinen Analysen nicht ausreichend, in welchen Berufen Ingenieure heutzutage überall gebraucht werden. Beispielsweise werden technische Führungskräfte in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit nicht als Ingenieure geführt, sondern als Führungskräfte. Ebenso werden Ingenieurprofessoren nicht als Ingenieure geführt, sondern als Lehrende. Dies sind nur zwei Beispiele von Berufen, die in der öffentlichen Statistik nicht als \’Ingenieur\‘ geführt werden. Niemand bezweifelt jedoch, dass für die Ausübung dieser Berufe zwingend Ingenieurqualifikationen erforderlich sind. Fazit: Betrachtet man nur die amtlichen Statistiken, kommt man auf viel zu kleine Ersatzraten. Ob Ingenieure durchschnittlich 44 Jahre alt sind oder 50 Jahre, ist dabei übrigens unerheblich. Worauf baut die Betrachtungsweise des VDI im Wesentlichen auf, auf rein statistische Daten oder auch auf Befragungen der betroffenen Unternehmen? Funk: Wir nutzen für unsere Analysen sowohl die statistischen Daten der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes, als auch repräsentative Befragungen von Unternehmen. Eine ausschließliche Betrachtung der amtlichen Statistiken ist nicht ausreichend: Wichtig ist, was sich hinter den Zahlen verbirgt. Die Zahl der Studenten bei den ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen scheint ja tatsächlich zu steigen. Worin liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen dafür? Funk: Zum einen hat sich das Image des Ingenieurberufs in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Im Allensbacher Ranking der beliebtesten Berufe rangiert der Ingenieurberuf aktuell auf Platz 5. Soviel Anerkennung hatte der Ingenieurberuf seit 40 Jahren nicht mehr. Des Weiteren haben sich die guten Berufs- und Gehaltsperspektiven von Ingenieuren mittlerweile herumgesprochen. Und drittens entscheiden sich immer mehr junge Frauen für ein Ingenieurstudium. Mittlerweile liegt der Anteil der weiblichen Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften bei 23 Prozent. Was müssen Politik, Verbände und Unternehmen tun, dass der Bedarf der Unternehmen in Deutschland an Ingenieuren mittel- und langfristig gedeckt werden kann? Funk: Langfristig kann der Bedarf nur über mehr Nachwuchs gedeckt werden. Hier gilt es, den bereits eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. In der Schule sollte technische Bildung fester Bestandteil des Unterrichts werden, und zwar durchgängig von der Grundschule bis zum Schulabschluss. Ergänzend kann auch ein verstärkter Zuzug von ausländischen Ingenieuren helfen, den Fachkräftebedarf zu decken. Dazu ist jedoch mehr Transparenz über Studienabschlüsse aus dem Ausland erforderlich. Auch die Anerkennung dieser Abschlüsse muss weiter vereinfacht werden. Der VDI hat – gemeinsam mit den anderen großen Ingenieurorganisationen in Europa – dazu die engineerING card entwickelt. Diese Karte wird jetzt europaweit eingeführt und für mehr Transparenz und zügige Anerkennung der Abschlüsse sorgen. (mbw)
Viel Anerkennung für den Ingenieurberuf Interview mit Lars Funk, Bereichsleiter Beruf und Gesellschaft beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI)
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte einen Bericht veröffentlicht, bei dem die Zahlen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) massiv infrage gestellt wurden. In diesem SPS-Magazin lassen wir die Vertreter von DIW und VDI zu diesem Thema zu Wort kommen. Lars Funk ist Bereichsleiter \’Beruf und Gesellschaft\‘ beim VDI.
VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.
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