Weniger Regeln, mehr Verlässlichkeit

 Der FHV7-AI-Vision-Sensor kombiniert KI-gestützte Inspektionsfunktionen mit einer vereinfachten Benutzeroberfläche und einem kompakten All-in-One-Design, was Entwicklungszeit und 
Gesamtbetriebskosten reduziert.
Der FHV7-AI-Vision-Sensor kombiniert KI-gestützte Inspektionsfunktionen mit einer vereinfachten Benutzeroberfläche und einem kompakten All-in-One-Design, was Entwicklungszeit und Gesamtbetriebskosten reduziert. Bild: Omron Electronics GmbH

Der zunehmende Mangel an qualifiziertem Personal zählt zu den größten Herausforderungen der industriellen Fertigung. Erfahrung, Konzentration und visuelle Beurteilungskompetenz sind in Bereichen wie der Qualitätsinspektion entscheidend und lassen sich oft nur über Jahre aufbauen. Doch das ist noch nicht alles, denn Industrieunternehmen müssen gleichzeitig wachsendem Kostendruck, zunehmender Variantenvielfalt und dem Bedarf nach immer flexibleren Produktionslinien begegnen. Vor diesem Hintergrund rückt künstliche Intelligenz in den Fokus. Sie kann visuelle Prüfaufgaben unterstützen, und ist dabei deutlich sicherer und einfacher einzusetzen als manche fürchten. KI-basierte Bildverarbeitung ersetzt auch nicht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern entlastet sie gezielt. Sie übernimmt monotone, repetitive Prüfprozesse und schafft Freiräume für wertschöpfende Tätigkeiten wie Prozessoptimierung, Ursachenanalyse oder Instandhaltung.

 Eine KI-Fehlererkennungsfunktion verhindert Fehlalarme, indem sie automatisch die am besten geeigneten Trainingsbilder für den Aufbau ihres Fehlermodells auswählt.
Eine KI-Fehlererkennungsfunktion verhindert Fehlalarme, indem sie automatisch die am besten geeigneten Trainingsbilder für den Aufbau ihres Fehlermodells auswählt.Bild: Omron Electronics GmbH

Wie viele Daten braucht KI?

Eine der zentralen Fragen beim Einsatz von KI in der Qualitätsinspektion betrifft das benötigte Trainingsvolumen. Erfordert künstliche Intelligenz nicht immense Datenmengen und lange Anlernphasen? Nein, in der industriellen Praxis zeigt sich ein anderes Bild. Moderne, speziell für industrielle Anwendungen entwickelte KI-Algorithmen können bereits mit sehr kleinen Datensätzen arbeiten. Bei klar unterscheidbaren Fehlerbildern, etwa fehlenden Komponenten oder deutlichen Abweichungen, reichen in vielen Fällen wenige Gut- und Schlechtbilder aus, um stabile Prüfergebnisse zu erzielen. Bei komplexeren Aufgaben, z.B. sehr kleinen Defekten oder hoher Produktvarianz, kann der Trainingsumfang auf mehrere Dutzend bis etwa 100 Bilder pro Klasse ansteigen. Der tatsächliche Bedarf hängt vor allem von drei Faktoren ab:

  • 1. Varianz der Gutprodukte (z.B. natürliche Schwankungen bei Lebensmitteln)
  • 2. Vielfalt der Fehlerarten (Kratzer, Dellen, Verfärbungen)
  • 3. Sichtbarkeit und Größe der Abweichung im Verhältnis zum Sichtfeld. Wichtig ist dabei: In industriellen Vision-Systemen erfolgt das Training zunehmend edge-basiert, also direkt am Gerät. Daten müssen demnach nicht extra in die Cloud übertragen werden, was Speicherbedarf, Latenzen und Datenschutzrisiken reduziert.

Benutzerfreundlichkeit als Erfolgsfaktor

Damit KI in der Produktion akzeptiert wird, muss sie mit einfacher Anwendung punkten. Traditionelle, regelbasierte Bildverarbeitungssysteme erfordern häufig tiefgehendes Expertenwissen: Schwellenwerte, Filter, Toleranzen und logische Verknüpfungen müssen manuell definiert und feinjustiert werden. Hier sind Experten gefragt, und der Einsatz im laufenden Betrieb ist komplizierter. KI-basierte Systeme verfolgen hingegen einen anderen Ansatz. Statt Regeln zu formulieren, wird der KI gezeigt, was gut und was schlecht ist. Intuitive Benutzeroberflächen, die oft als Schritt-für-Schritt-Assistenten aufgebaut sind, führen Anwender durch Einrichtung und Training. Jeder Schritt ist klar strukturiert und komplexe Parameter bleiben im Hintergrund. So können auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse oder Vision-Expertise Bildverarbeitungssysteme problemlos konfigurieren und anpassen. Die Verantwortung für die Qualitätsentscheidung bleibt beim Menschen, während die KI die Mustererkennung übernimmt. Für Unternehmen bedeutet das: kürzere Inbetriebnahmezeiten, geringere Abhängigkeit von Spezialisten und mehr Flexibilität bei Produktwechseln.

KI aus Anwendersicht

Produktionsleiter und Techniker achten beim Einsatz von KI-unterstützter Technologie weniger auf algorithmische Details als auf praktische Fragen des Alltags. Dazu gehört beispielsweise eine problemlose Integration: KI-basierte Inspektionslösungen müssen sich schnell und zuverlässig in bestehende Linien integrieren lassen. Kompakte All-in-One-Systeme, bei denen Kamera, Auswertung und Beleuchtung kombiniert sind, reduzieren Installationsaufwand und Fehlerquellen. Die Inbetriebnahme verkürzt sich von Tagen auf Stunden. Weitere Vorteile ergeben sich für Wartung und Skalierung: Robuste Hardware, standardisierte Komponenten und geringe Variantenvielfalt erleichtern Instand- und Ersatzteilhaltung. Zudem ermöglichen adaptive KI-Modelle eine schnelle Anpassung an neue Produkte oder Varianten, ohne das System neu aufsetzen zu müssen.

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