Und wie sieht es auf Kundenseite aus?

Mrosik: Auch viele Kunden haben längst das Potenzial und die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannt und so kommt der digitale Zwilling bereits oft zur Anwendung. Ein gutes Beispiel ist der Autobauer Maserati, der unsere Software in großem Umfang verwendet: nicht nur für Design und Simulation der Fertigung, sondern auch für die Fahrzeuge selbst. Dadurch konnte Maserati die Time-to-Market für das Modell Ghibli von 30 auf 16 Monate reduzieren und gleichzeitig die Produktivität verdreifachen – das Ganze bei 70.000 möglichen Konfigurationen des Fahrzeugs. Dieser Fall verdeutlicht also auf beste Weise, zu welch eklatanten Fortschritten der digitale Zwilling von Produkt und Produktion führen kann.

Die Early Adopter zeigen das Potenzial der Digitalisierung also bereits in der Praxis auf.

Mrosik: Ja, und aus meiner Sicht ist der digitale Zwilling über den Early-Adopter-Status schon hinweg und nimmt aktuell richtig an Fahrt auf. Dennoch ist es kein Selbstläufer. Bevor ein Digitalisierungskonzept tatsächlich angenommen wird, ist viel Überzeugungsarbeit nötig. Zudem muss der Anwender auch die Angestellten mitnehmen. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen an dieser Stelle aber: Wenn man es richtig angeht, dann kann man die Mitarbeiter durchaus begeistern. Schließlich werden viele Arbeitsinhalte interessanter, das Personal kann sich einbringen, den Prozess mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Im Grunde ist Industrie 4.0 ein sehr spannendes Thema für alle Beteiligten.

Aber trotz aller Trends zu Industrie 4.0 bleibt auch die klassische Steuerungs- und Antriebstechnik weiterhin ein wichtiger Bestandteil Ihres Angebots?

Mrosik: Natürlich. Denn letztendlich muss der Anwender alle Ergebnisse aus Simulation und Engineering in die Realität transformieren. Und das ist ohne entsprechende Hard- und Software schlicht und ergreifend nicht möglich. Aber die virtuelle Welt und die Welt der Automatisierungstechnik werden immer enger miteinander verzahnt.

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