Administration über die Cloud
Die Cloud ist aber auch der naheliegende Ort für die Administration von Steuerungen und Geräteparametern. „Gehen Sie mal zu Daimler und versuchen Sie herauszufinden, wie viele Roboter die dort in der Produktion haben. Da müssen Sie schon hinfahren und die selbst zählen“, so äußert sich der Digitalisierungsexperte Prof. Rainer Drath von der HS Pforzheim in einem Interview. „Die Roboter können heute im Netz nicht gefunden und nachgezählt werden, denn sie sind nicht angebunden. Jeder Tintenstrahldrucker erlaubt das, aber die meisten Industriekomponenten können das heute nicht. Hier liegt so viel Innovationspotenzial.“ Ausschöpfen lässt sich das Potenzial durch die Anbindung sämtlicher Geräte an einen gemeinsamen Server, der in der Cloud gehostet wird. Er gibt nicht nur eine Übersicht über die Steuerungen in der jeweils eingesetzten Topologie, sondern kennt auch deren Status sowie die ausgeführte Softwareversion. Geeignete Dienste ermöglichen das einfache Wiederherstellen einer ausgefallenen Steuerung – der Server erstellt automatisiert Backups und kann auf Anforderung ein Austauschgerät damit bespielen. Weiterer Anwendungsfall: Ein zentraler Server wie z.B. der Codesys Automation Server kann helfen, die bereits erwähnten Security-Zertifikate zu verwalten sowie benutzerspezifische Einstellungen oder Updates der Firmware zentral auszurollen. Diese und weitere Funktionen und Dienste können von einem beliebigen Webbrowser aus konfiguriert bzw. angestoßen werden.
Steigerung der Qualität
In der IT-Softwareentwicklung verwendet man heute zur Steigerung der Qualität sogenannte Continuous Integration Tools bzw. -Prozesse. Sie ermöglichen eine automatisierte Überprüfung von Codeänderungen nach unterschiedlichen Kriterien. Danach werden die geänderten Codes in den aktuellen Softwarestand eingebracht. Zwar ist heute diese Vorgehensweise in der Automatisierungstechnik noch sehr selten, doch erreicht man mit entsprechenden Tools ebenfalls eine deutlich höhere Qualität von SPS-Programmen. Eine Cloud eignet sich hervorragend für solche Aufgaben, da Administration und Durchführung zentral gesteuert werden können. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, in der Cloud auch bestimmte Steuerungsaufgaben abarbeiten zu lassen. SoftSPS-Systeme lassen sich meist problemlos auf Cloudservern installieren, z.B. unter Linux. Für IEC61131-3-Tools wie das Codesys Development System spielt es keine Rolle, ob die Applikationssoftware auf einer physikalischen SPS oder einem virtuellen System geladen und dort gestartet wird – der Zugriff erfolgt über die IP-Adresse des Systems. Wie bereits erläutert, ist dies aber nur dann sinnvoll, wenn die damit gesteuerten Aufgaben keine harten Echtzeitanforderungen mitbringen, die Einhaltung der erforderlichen Zykluszeit für eine deterministische Abarbeitung aufgrund der Randparameter zugesichert werden kann bzw. lokale Backup-Systeme vorhanden sind. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
Lokale Cloud im Firmennetz
Statt eine Public Cloud zu verwenden, z.B. von Amazon Web Services oder Microsoft, kann ein sinnvolles Szenario auch darin bestehen, sämtliche angesprochenen Aufgaben auf einer so genannten Edge Cloud und damit lokal im Firmennetzwerk zu betreiben. Solch ein Edge-Cloud-System, das vom Maschinenbetreiber selbst administriert wird, ist letztlich eine leistungsfähige SPS mit entsprechender Speicherausstattung. Sie kann zusätzlich als Gateway zu Public-Cloudsystemen dienen, um auf externe Speicher- oder Performance-Reserven zuzugreifen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, Steuerungstechnik in der Cloud ist sinnvoll – insbesondere für administrative Aufgaben. Und natürlich, um aus großen Datenmengen mit rechenintensiven Algorithmen neue Informationen zu generieren. Insbesondere in gemischten Architekturen sollten Cloudsysteme jedoch mit bewährten, lokalen Steuerungen kombiniert werden. Für echtzeitkritische Anwendungen sind letztere bis auf Weiteres nicht zu ersetzen. Auch in zehn Jahren wird es sicherlich noch dedizierte Steuerungshardware geben. Gegenüber heutigen Systemen wird diese jedoch einen deutlichen Mehrwert durch Cloudanbindung bieten. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht



















