„Wir sehen uns als Transportdienstleister“

Thilo Döring ist der neue Vorsitzende der Geschäftsführung bei der deutschen HMS Industrial Networks GmbH. Er ist seit Juli 2017 im Amt und macht deutlich, wofür HMS steht: „Wir sind sehr stark im Bereich Kommunikationstechnik – früher mit den Feldbussen und heute mit Industrial Ethernet – und der Trend Geräte zu vernetzen nimmt generell zu, egal, ob es sich dabei um die Vernetzung von Steuerungen mit Robotern oder der Cloud mit Frequenzumrichtern handelt.“ Aber der industrielle Sektor ist nicht der einzige Markt, den HMS im Auge hat, erläutert Döring: „Wir kommen traditionell aus dem Bereich Industrieautomation und das ist auch weiterhin ein wichtiger Markt für uns. Für uns sind jedoch zusätzlich die Bereiche Building Automation, Transportation, Energy, Automotive-Testing oder das Thema Infrastruktur sehr wichtig. Das heißt wir stellen uns heute deutlich breiter auf als in der Vergangenheit. Letztendlich betrifft das Thema Industrie 4.0 oder IIoT alle Märkte und überall geht der Trend hin zu cloudbasierten Systemen. Ich denke für diese Märkte haben wir die jeweils passenden Lösungen, und wir können dort eine ganze Palette unterschiedlicher Produkte anbieten.“

Deutliches Umsatzwachstum

Dieser Trend zur durchgängigen Vernetzung führt zu einem höheren Bedarf an Kommunikationskomponenten. Dies spiegelt sich auch in den Unternehmenszahlen von HMS wider. Döring dazu: „Wir haben das Geschäftsjahr 2017 mit einem Wachstum von 24 Prozent abgeschlossen, 119 Millionen Euro in der Summe. Deutschland ist der umsatzstärkste Markt der gesamten HMS-Gruppe mit einem Anteil von 24 Prozent. Auch das erste Quartal 2018 ist mit einem Wachstum von +19% sehr gut gelaufen. „Wir haben drei verschiedene Marken“, erläutert Döring. „Das sind die Marken Ixxat, Anybus und Ewon. Alle drei Marken, die wir vertreiben, entwickeln sich sehr positiv. Das Thema Industrie 4.0 oder IIoT ist sicherlich einer der Treiber hinter dem Wachstum.“ Auch die jüngst erfolgte Akquise der Firma Beck IPC ist Bestandteil dieser Entwicklung: „Die vor kurzem getätigte Übernahme der Firma Beck IPC ist ein weiterer wichtiger strategischer Schritt im Rahmen unserer IIoT-Strategie mit dem Ziel, unsere führende Position als Kommunikationsanbieter zu festigen und weiter auszubauen. Die Beck Cloudlösung ergänzt unser Ewon Produktportfolio um eine on-premises Cloud, die von vielen Maschinenbauern bevorzugt wird. Diese embedded Plattform mit dem IoT@Chip, der aus einem kompakten und programmierbaren Modul im Chip-Formfaktor besteht, wird sich hervorragend in unser Anybus embedded Produktangebot einreihen, um hier ganzheitliche Lösungen für Feldbuskommunikation, Industrial Ethernet und IIoT anzubieten“, erklärt Thilo Döring.

Von Anfang an dabei

Die steigende Anzahl vernetzter Automatisierungskomponenten ist kein neuer Trend: Digitalisierung ist für die Automatisierung weder Neuland noch darf man hier von einem Hype sprechen. Tatsache ist: Die Automatisierungstechnik wird bereits seit den 70er Jahren nachhaltig von digitalen Produkten beeinflusst und die Einführung der Feldbussysteme in den 90er Jahren war nur ein Ergebnis dieser Entwicklungen. Von Anfang an dabei war auch HMS Industrial Networks aus Schweden. Das 1988 in Schweden gegründete Unternehmen ist Pionier auf dem Gebiet der Industriekommunikation, erläutert Döring. Mit seiner Marke Anybus ermöglicht es zahlreichen Komponentenlieferanten eine sehr einfache Einbindung ihrer Systeme in Feldbussysteme und Industrial Ethernet. Die Kosten für die Anbindung an die Außenwelt bleiben für die Hersteller dabei überschaubar, denn mit den Anybus-Modulen können sie in nur einem Entwicklungsprojekt eine Kommunikationslösung für mehrere industrielle Netzwerke realisieren. Das bietet aber auch noch weitere Vorteile, wie Döring erläutert: „Wir haben in die Anybus-Module z.B. OPC UA oder auch MQTT, als zusätzliches Protokoll implementiert. Das heißt der Kunde, der heute ein Profinet- oder ein Ethernet/IP-Modul einsetzt, nimmt einfach eines dieser neuen Module und kann dann zusätzlich zu dem bestehenden Profinet- oder Ethernet/IP auch eine OPC UA- oder MQTT-Kommunikation für sein Gerät anbieten. Das ist sehr einfach mit bestehenden Geräten umzusetzen, sofern er auf unserer Technologie aufgebaut hat.“

Sicher von der Maschine bis zur Cloud

HMS verbindet dieses Know-how über die Kommunikation an und in der Maschine mit entsprechenden Cloudlösungen. Gateways, die die Anbindung von Anwendungen in die Cloud ermöglichen, vertreibt das Unternehmen vornehmlich unter der Marke Ewon, erläutert Döring: „Ein aktuelles Ewon-Produkt, das wir gerade auf den Markt gebracht haben ist die Flexy-205-Lösung. Das sind IIoT-Gateways, mit denen ich Maschinen oder Geräte aus der Feldebene mittels OPC UA oder MQTT oder auch über andere Wege an Cloudsysteme anbinde. So kann ich also direkt Daten aus der Produktionsebene in einer Cloudanwendung ablegen oder auch aus ihr abrufen. Dafür unterstützen wir verschiedene Cloudanbieter.“ Zusätzlich bietet das Unternehmen mit Talk2m eine Infrastrukturplattform an, die für eine sichere Verbindung zwischen den Geräten sorgt. „Das hat den Vorteil, dass der Kunde sich nicht selbst um irgendwelche VPN-Verbindungen kümmern muss“, erläutert Döring. „Das managed alles unsere Talk2m-Plattform selbstständig: sie tauscht die Schlüssel aus, sorgt für die entsprechende Verschlüsselung der Daten und stellt sicher, dass dort keinerlei Angriff von außen erfolgen kann.“ Eine bevorzugte Cloudlösung hat HMS hingegen nicht: „Wir sehen uns als ‚Transportdienstleister‘. Es gibt Unternehmen, die wählen eine Microsoft-Azure-Cloud, weil sie vielleicht schon ein Mircosoft-System im Haus haben, es gibt andere Unternehmen, die möchten gerne SAP anbinden. Und dann gibt es wieder andere, die vielleicht Siemens-Mindsphere nutzen. Wir sehen uns da als neutralen Anbieter, als Transporteur der Daten. HMS steht auch für ‚Hardware meets Software‘. Das ist auch unser neuer Slogan. Das heißt wir verbinden die Welten und wir sind neutral in welche Welt wir letztendlich die Daten liefern“, erklärt Döring.

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