Im Zusammenhang mit Druckmessumformern ist \’Messgenauigkeit\‘ ein sehr flexibler Begriff, da er in Datenblättern für eine ganze Reihe von Merkmalen verwendet wird: von der Linearitätsabweichung über die Hysterese bis zum Temperaturkoeffizient des Nullpunkts und der Ausgangsspanne. Überdies definieren einige Hersteller die Genauigkeit unterschiedlich, sprechen dabei jedoch von typischen Werten, was dazu führt, dass viele individuelle Druckmessumformer von den festgelegten Werten abweichen. Ein und derselbe Begriff beschreibt daher nicht die gleiche Art von Messgenauigkeit, was wiederum zu Missverständnissen bei den Anwendern führt. Dadurch werden Parameter wie Temperaturfehler, die einen größeren Einfluss auf die Genauigkeit ausüben, zu wenig beachtet, wenn es um die Wahl eines Drucksensors geht. Aber gerade eine interne Temperaturkompensation bietet ein großes Potenzial, um die Genauigkeit von Drucksensoren zu erhöhen. Eine genauere Betrachtung dieser Faktoren ist vor allem in hydraulischen Anwendungen mit großen Temperaturbereichen sinnvoll, wie beispielsweise in Getrieben von Schienenfahrzeugen oder Baumaschinen, wo die Folgen einer falschen Entscheidung in Bezug auf die Messgenauigkeit von eingeschränkter Rentabilität einer Maschine bis hin zu gefährlichen Fehlfunktionen reichen können. Die Genauigkeit eines Druckmessumformers kann mithilfe der Kennlinienabweichung, des Temperaturfehlers und des Gesamtsummenfehlers beschrieben werden. Der Gesamtsummenfehler umfasst alle Ungenauigkeiten eines Sensors einschließlich des Kompensationsfehlers, sodass dieser Fehlerwert eine gute Basis für die Wahl eines Drucksensors ist. Baumer gibt für seine Druckmessumformer den Gesamtsummenfehler mit seinen Maximalwerten an. Kennlinienabweichung Die Kennlinienabweichung war noch bis vor einigen Jahren die üblichste Fehlerwertangabe. Sie fasst Hysterese, Linearitätsfehler und die Abweichung der Reproduzierbarkeit zusammen und vergleicht diese mit der Sollkennlinie. Die maximale Abweichung ergibt den Wert der Kennlinienabweichung. Durch die Kombination mehrerer Abweichungen zu einem Wert kann der Anwender die Genauigkeit eines Druckmessumformers auf einfache Weise einschätzen. Dieser Wert dient heutzutage zur Einordnung in Genauigkeitsklassen, wobei zwischen der Endwertkalibrierung einerseits und der Toleranzband- bzw. Nullpunktmethode (BFSL: Best Fit Straight Line) andererseits unterschieden wird. So kann ein Sensor, der nach der Nullpunktmethode eine Kennlinienabweichung von 0,15% der Messspanne aufweist, bei einer endwertbasierten Einstellung eine Kennlinienabweichung von 0,3% der Messspanne haben. Bei einem Druckmessumformer mit einem Nennwert von 10bar kann die unterschiedlich basierte Kennlinienabweichung somit einen Unterschied von 15mbar ausmachen. Bei der Endwertkalibrierung wird eine Gerade (Sollkennlinie) durch Anfangs- und Endpunkt gelegt und mit der gemessenen Kennlinie verglichen. Bei der Toleranzbandmethode wird die Ausgleichgerade als Mittellinie von zwei parallelen Geraden bestimmt, die so gelegt werden, dass alle Messpunkte zwischen ihnen liegen. Bei der Nullpunktmethode (BFSL) stimmt die gemessene Kennlinie im Nullpunkt mit der idealen Kennlinie überein und verläuft so, dass die Abweichung ein Minimalprinzip verfolgt. Die nach der Toleranzband- oder Nullpunktmethode ermittelte Nichtlinearität ist dadurch meist um den Faktor zwei kleiner als der nach der Endwertkalibrierung ermittelte Wert. Temperaturfehler Die Kennlinienabweichung wird bei Raumtemperatur (20°C) bestimmt und kalibriert. Dazu kommt jedoch die temperaturabhängige Drift, die die Genauigkeit eines Druckmessumformers stark beeinflusst, wenn die Arbeitstemperatur höher oder niedriger ist. In Anwendungen mit extremen Betriebstemperaturen kann die Temperaturdrift die Kennlinienabweichung um ein Vielfaches übersteigen, weshalb es wichtig ist, diesen Einfluss zu berücksichtigen. Diese Drift wird mithilfe des Temperaturkoeffizienten (TK) im Verhältnis zur absoluten Temperatur in Kelvin angegeben. Dabei müssen die Temperaturkoeffizienten des Nullpunktes (TK-Nullpunkt) und der Messspanne (TK-Messspanne) addiert werden, um den gesamten Temperaturfehler zu berechnen. In modernen Hochleistungs-Druckmessumformern wird die Temperaturdrift elektronisch kompensiert, womit sich der Einfluss der Temperatur auf das Messergebnis reduzieren lässt. Druckmessumformer mit einer elektronischen Temperaturkompensation eignen sich vor allem für Anwendungen im Freien. So müssen Drucksensoren in einem Zuggetriebe, einem Kran oder einem Bagger bei allen Temperaturen genau und reibungslos arbeiten. Gesamtsummenfehler Da sich die tatsächliche Genauigkeit mithilfe der Kennlinienabweichungen nur schwer beschreiben lässt, und außerdem der Fehler aufgrund der Temperaturdrift einen großen Einfluss hat, bestimmt Baumer den Gesamtsummenfehler für seine Druckmessumformer und bietet Messgeräte mit Temperaturausgleich an, die den Gesamtsummenfehler über einen bestimmten Betriebstemperaturbereich angeben. Außerdem wird der Gesamtsummenfehler während der Herstellung durch zusätzliches Kalibrieren in einem Temperaturschrank reduziert. Die grafische Darstellung des Gesamtsummenfehlers hilft dem Anwender, den Einfluss der Temperaturdrift in seiner eigenen Anwendung leicht zu ermitteln. Nur durch die Bestimmung des Gesamtsummenfehlers erhält der Anwender eine korrekte Angabe von Messabweichungen. Das ermöglicht die erfolgreiche Planung und den Bau von Maschinen und hilft Fehleinschätzungen zu vermeiden. Aufgrund der Angabe des Gesamtsummenfehlers lassen sich außerdem Sensoren besser miteinander vergleichen. Für solch anspruchsvolle Anwendungen eignet sich die Hochleistungs-Version der PB-Serie von Baumer aufgrund ihrer hohen Genauigkeit über einen kompensierten Temperaturbereich von -40 bis 85°C. Der Druckbereich kann von 0 bis 100mbar bis zu 0 bis 1.600bar reichen. Je nach Kundenanforderungen ist der Druckmessumformer mit einer Genauigkeit von 0,5%, 0,25% und 0,1% erhältlich. Bei der größtmöglichen Genauigkeit (0,1% bei 20°C) liegt der Gesamtsummenfehler über den kompensierten Temperaturbereich zwischen -40 und 85°C bei ±0,4% der Messspanne. Aus dem Datenblatt ist der Gesamtsummenfehler für die jeweilige Genauigkeitsklasse ersichtlich, und der Kunde kann die Messabweichung für jeden Betriebstemperaturbereich daraus entnehmen. Wie unterschiedlich der Wert des Messfehlers in einer realen Anwendung sein kann, zeigt das Beispiel einer Baggerschaufel, deren Last über den Differenzdruck gemessen wird. Der Nennwert des Drucksensors (150bar) entspricht einer Ladung von 500kg. Der Temperaturbereich liegt zwischen 20 und 70°C. Eine Kennlinienabweichung von 0,1% der Messspanne entspricht einem Messfehler von 0,15bar bzw. 0,5kg. Ein Temperaturfehler von 0,02%/K führt hier zu einem Messfehler von 1,5bar bzw. 5kg. Damit ist der temperaturbedingte Fehler zehn Mal höher als die Kennlinienabweichung. Steht solch einem konventionellen Sensor ein Highend-Druckmessumformer mit Temperaturkompensation gegenüber, kann dieser trotz höherer Kennlinienabweichung (z.B. 0,3%) einen geringeren Gesamtsummenfehler (z.B. 0,5%) aufweisen, wodurch die Messabweichung über den gesamten Temperaturbereich bei nur 2,5kg liegt. Mit der Betrachtung des Gesamtsummenfehlers lässt sich somit ein aussagekräftigerer Vergleich von Druckmessgeräten erstellen als alleine mit einer Gegenüberstellung von Kennlinienabweichungen.
Präzise Druckmessumformer
-
Erfolgreiches Omlox-Plugfest
Auf dem Omlox-Plugfest prüften 21 Experten aus neun Unternehmen zwölf verschiedene Omlox-Komponenten, darunter UWB-Infrastruktur, Ortungstags, ergänzende Positionierungstechnologien, Omlox-Hubs und industrielle Softwareanwendungen.
-
Energy-Monitoring für nachhaltige Umgebungen
Plug&Play-Energieüberwachung
Facility-Management-Systeme (FMS) ermöglichen die Echtzeitmessung/-überwachung des Energieverbrauchs für die Kostenoptimierung. Sie unterstützen erweiterte Diagnosen und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Änderungen und betriebliche Anforderungen. Aber: Bestehende FMS-Lösungen sind nicht…
-
Philip Harting verstärkt VDMA-Hauptvorstand
Der VDMA hat Philip Harting in den Hauptvorstand aufgenommen.
-
Schwere Industriesteckverbinder bei der Montage und Inbetriebnahme
Schneller verbunden, schneller produktiv
Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Maschinen und Anlagenbau konfrontiert und welchen Beitrag können Steckverbinder bei der Lösung leisten? Einfache, standardisierte und möglichst automatisierbare Verbindungsprozesse werden zum entscheidenden…
-
Antriebstechnik
Hybridleitungen reduzieren Aufwand, Kosten und Störanfälligkeit
Antriebssysteme sollen heute kompakt, leistungsfähig und zuverlässig sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verkabelung, Montage und Betriebssicherheit. Hybridleitungen bündeln Energie- und Datenübertragung in einem Kabel, reduzieren den Aufwand…
-
DataTec verzeichnet 9% mehr Aufträge
DataTec hat das Geschäftsjahr 2025/2026 in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich abgeschlossen.
-
NIS-2 in fünf Schritten strukturiert und pragmatisch umsetzen
So gelingt das Setup
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind längst keine Ausnahme mehr. Produktionsanlagen, Steuerungen und vernetzte…
-
Design, Produktsuche und Beschaffung auf einer Plattform
Nachschlagewerk für Automatisierer
Wer als Maschinen- oder Anlagenbauer schnell die richtigen Komponenten finden, Schaltpläne skizzieren und…
-
Elektroexporte wachsen etwas langsamer
Mit Warenlieferungen im Wert von 20,7Mrd.€ verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie auch…
-
Virtuelle SPS: Reif für die Praxis?
Lange galt die virtuelle SPS als Zukunftsvision. Inzwischen sehen viele Hersteller sie als…
-
IIoT und Cloud-Visualisierung
Sensordaten sicher erfassen und weltweit visualisieren
Edge Computing und Cloud-Technologien verändern den Umgang mit Produktionsdaten. Maschinen- und Sensordaten lassen…
-
Interview auf dem Eplan Next26
Wie KI, Daten und Plattformen die Elektrokonstruktion verändern
Auf dem Event Eplan Next26 in München standen die Zukunft des Engineerings, künstliche…
-
Stromversorgung außerhalb des Schaltschranks
Netzteilreihe mit Schutzart IP67
Mit der neuen Netzteilreihe S8NR bringt Omron robuste Netzteile mit Schutzart IP67 auf…
-
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich ins VDI-Präsidium gewählt
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich wurde mit Wirkung zum 1. Juli in das Präsidium…
-
Intelligentes Transportsystem sorgt für mehr Flexibilität beim Labeling
Digitaldruck in sechs Freiheitsgraden
Herkömmliche Druckverfahren mit Kunststoff- und Papieretiketten sind mit langen Rüstzeiten, häufigen manuellen Eingriffen…
-
Ansatz für nachhaltige Produktentwicklung
Neue Kategorie der Weltdarstellung
Die 3D Univ+rses sind eine neue Kategorie der Weltdarstellung, entwickelt von Dassault Systèmes.…
-
Hochmanövrierfähige Fahrzeugplattform mit Hebeeinrichtung
Omnidirektional
Weiterentwicklungen in der Handhabungs- und Montagetechnik steigern den Grad der automatisierten Produktion. Effiziente…
-
Schwarz Digits eröffnet neuen Campus
Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, hat ihren neuen Campus…
-
Update-Management für vernetzte Maschinen
Aus Pflicht wird Potenzial
Vernetzte Maschinen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg aktualisiert werden und Hersteller müssen…
-
Geräteschutz und digitale Transparenz verbinden
IIoT-Framework
Mit dem IIoT-Framework Caparoc erweitert Phoenix Contact die Kommunikationsmöglichkeiten des gleichnamigen Geräteschutzschalter-Systems um…
-
Für den Maschinen- und Anlagenbau
Robuste Wellschläuche
In der automatisierten Fertigung müssen Kabelschutzschläuche von Maschinen, Bearbeitungszentren und CNC-Anlagen vielfach hohe…
-
Für effizienteres Kabelmanagement Mehrfachdurchführungen
Mit den robusten Kabeldurchführungen der Serie MCE Pro und dem modularen System MCE…
-
Cybus beruft Stefan Schwab zum Co-CEO
Cybus hat Stefan Schwab mit Wirkung zum 1. Juli zum Co-CEO berufen.
-
Spatenstich für Hummel-Werkserweiterung
Mit einem symbolischen Spatenstich hat Hummel das offizielle Startsignal für die geplante Werkserweiterung…
-
Mit 3 Metern Reichweite
Kompakte Ultraschallsensoren
Mit den Ultraschallsensoren U1KM in Miniaturbauform erweitert Wenglor sein Portfolio um eine Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
Edge, Cloud und Cybersecurity in der Praxis
IIoT im Realitätscheck: Warum Vernetzung heute anders gedacht wird als 2020
-
Funktionale Sicherheit
SIL3 auf dem Touchscreen: Wie sichere HMIs die Bedienung neu denken
















