
Was im privaten Umfeld längst selbstverständlich erscheint, prägt zunehmend auch industrielle Abläufe: Informationen sollen jederzeit zugänglich, verständlich und direkt verwendbar sein. Zunehmend erwarten Kunden, Partner und die eigenen Mitarbeiter konsistente Informationsketten über Systeme und Organisationen hinweg. Hier stoßen historisch gewachsene IT-Landschaften häufig an ihre Grenzen. Die benötigten Daten sind zwar vorhanden, aber oft in streng getrennten Silos eingeschlossen. Zugang und Nutzung über die Silowände hinweg ist bisher mit beträchtlichem Aufwand verbunden.
Parallel zu den Erwartungen erhöhen auch regulatorische und branchenspezifische Vorgaben den Handlungsdruck. Ab 2027 wird der digitale Produktpass in der EU für bestimmte Produktgruppen verpflichtend. Er verlangt umfassende Informationen über Herkunft, Herstellung, Nutzung, Lebenszyklus und Entsorgung. In dieselbe Richtung gehen die Vorgaben industrieller Konsortien wie des ZVEI oder des Digital Data Chain Consortium (DDCC), die Vorgaben von Dataspaces wie Catena-X oder von Branchennormen wie VDI 2770. Durchgängig nutzbare, interoperable Daten sind das Gebot der Stunde.

Verwaltungsschale ermöglicht Interoperabilität
ZVEI und DDCC empfehlen dafür ausdrücklich die Nutzung der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS). Als zentrales Element der Industrie-4.0-Architektur ermöglicht sie, reale Assets standardisiert abzubilden und digitale Zwillinge von einzelnen Geräten, Maschinen und größeren Systemen. Neoception gehört zur Pepperl+Fuchs-Gruppe und ist Technologieführer bei der automatisierten Erstellung von Verwaltungsschalen und Digital-Twin-Konzepten. Die Neoception Software Axon verknüpft vorhandenen Daten unterschiedlicher Herkunft mittels standardisierter Schnittstellen und legt eine semantische Ebene über vorhandene Systemlandschaften. Bestehende Prozesse müssen dafür nicht verändert werden.
Der digitale Zwilling ist in diesem Konzept deutlich mehr als ein 3D-Modell oder ein einzelner Datensatz. Er dient stattdessen als zentraler Zugangspunkt zu allen relevanten Informationen eines Assets . Die Verwaltungsschale strukturiert in einem standardisierten Container die zugehörigen Daten. Dazu gehören technische Merkmale, Zertifikate, Dokumentationen, Zustandsdaten sowie Informationen aus dem Lebenszyklus. Die Software sorgt für die gemeinsame Semantik, sodass Informationen beim Austausch zwischen Systemen nicht mehr individuell interpretiert oder manuell übertragen werden müssen. So können Softwarelösungen, Plattformen, Hersteller und Anwender die Daten unmittelbar für ihre jeweiligen Zwecke nutzen.

Strukturierte Datenbereitstellung
Die Einführung von Neoception Axon muss nicht als starres Großprojekt mit vorab festgelegtem Zielbild erfolgen. Neue Anforderungen, Zielsysteme und Anwendungsfälle können schrittweise ergänzt werden. Damit eignet sich der Ansatz auch für gewachsene Anlagen, bestehende Prozesse und heterogene IT-Umgebungen. Das Softwaredesign beruht auf vier funktionalen Ebenen:
ä Der Connection Layer stellt die Verbindung zu den relevanten Datenquellen her und bündelt die Inhalte aus unterschiedlichen Systemen. Anwender können bis auf Instanzebene eines Assets auf Datenpunkte zugreifen.
ä Der Standardization Layer überführt proprietäre Datenpunkte in einen gemeinsamen Standard. Er schafft die semantische Basis, um Informationen interoperabel zu machen.
ä Im Modeling Layer lassen sich mehrere AAS-Vorlagen anlegen. Die Auswahl erfolgt regelbasiert und kann auf unterschiedliche Anwendungen, Nutzergruppen oder Zielsysteme abgestimmt werden.
ä Der Application Layer macht die Ergebnisse nutzbar. Dafür stehen fertige Anwendungen und Schnittstellen wie AASViewer, .aasx-Exporter und AAS-API zur Verfügung.
In dieser Struktur erhalten die Daten eindeutige Beschreibungen und können konsistent referenziert werden. Informationen aus verschiedenen Systemen lassen sich über Lebenszyklusphasen hinweg an einem zentralen Zugangspunkt bereitstellen. Dauerhafte Informationen können per Snapshot festgeschrieben werden, während neue Daten aus Betrieb, Prozess oder Weiterentwicklung fortlaufend ergänzt werden. Die Verwaltungsschale verbindet damit belastbare Dokumentation mit einem kontinuierlich wachsenden Informationsbestand.

Praxisbeispiele für wirtschaftlichen Nutzen
Ein wesentlicher Vorteil der Neoception Software liegt darin, dass Daten vor der Zusammenführung nicht umfassend harmonisiert werden müssen. Dieser entfallende Arbeitsschritt kann bei typischen Integrationsprojekten sechsstellige Summen sparen. Bereits realisierte Anwendungen zeigen den konkreten Nutzen:
















