Automatisierungstechnik: Vom lokalen Problemlöser zur Leitdisziplin

Die Automatisierungsbranche verzeichnete 2006 nach Berechnungen des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) ein Umsatzvolumen von 32Mrd. Euro und damit ein Wachstum von 8,8%. Wie die Besucher des GMA-Kongresses 2007 erfuhren, beziehen sich Innovationen und Zukunftstrends der Branche auf neue Schlüsseltechnologien und Anwendungsbranchen und lassen das wirtschaftliche Potenzial weiter wachsen. Charakteristisch ist u.a. die Forderung nach mehr Flexibilität bei der Automatisierung. \“Offene interoperable Komponenten sollen dem Anwender den problemlosen Wechsel zwischen verschiedenen Herstellern gestatten\“, fasste Dr. Friedrich Harbach, Abteilungsleiter der ABB AG, Forschungszentrum Deutschland, den Aspekt zusammen.

Automatisierung: Leitdisziplin

Auch die Sicherheitsanforderungen an Anlagen- und Personensicherheit sowie die Informations- und Datensicherheit steigen. Zudem gehören Mensch-Maschine-Schnittstellen zu den bedeutsamen und attraktiven Entwicklungslinien der Automatisierungstechnik. \“Die Automatisierung entwickelt sich immer mehr von einem lokalen Prob­lemlöser zu einer Leitdisziplin. Entscheidende industrielle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen können nur mit Hilfe der Automatisierungstechnik gemeistert werden\“, erläuterte Prof. Dr. Georg Bretthauer, Leiter des Instituts für Angewandte Informatik am Forschungszentrum Karlsruhe.

Unbesetzte Ingenieur-Stellen

Die Entwicklungen innerhalb der Branche halten zukünftig nicht nur Arbeitsplätze in Deutschland, sondern schaffen auch neue. Allerdings können diese Arbeitsplätze aufgrund des Ingenieurmangels häufig nicht besetzt werden. Wie Dieter Westerkamp, Geschäftsführer der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) erklärte, konnten im vergangenen Jahr 48.000 Ingenieur-Stellen in Deutschland nicht besetzt werden. Aktuell seien 23.000 Stellen offen. Das betreffe auch die Mess- und Automatisierungstechnik. \“Angedeutet wurde dies bereits in unserer Umfrage, die wir im November 2006 durchgeführt haben: Nur etwa 20% sind der Auffassung, dass Fachkräfte in der Mess- und Automatisierungstechnik gut oder sehr gut verfügbar sind – mehr nicht.\“ Von den Befragten, die im Management tätig sind, seien nur 15% dieser Meinung. Später fügte Dieter Westerkamp hinzu, dass die Mitgliederumfrage ergeben habe, \“dass Ingenieure dann erfolgreich sind, wenn sie das können, was erforderlich und gefragt ist. Dabei ist das Fachwissen – das aktuelle Fachwissen – der wichtigste Faktor.\“ Eine kontinuierliche Weiterbildung halten 78,2% der Befragten für sehr wichtig. Durchschnittlich haben die Befragten 1,97 Veranstaltungen zur eigenen Weiterbildung besucht.

Positive Entwicklung

Etwa 70% der Befragten sehen die Entwicklung in der Mess- und Automatisierungstechnik positiv. Laut der GMA-Umfrage beurteilen 25% diese Entwicklung unverändert, was bei den Umsatzzahlen in diesem Jahr auch eine sehr gute Einschätzung bedeute. Auf die Frage, welche technischen Entwicklungen der Mess- und Automatisierungstechnik die größten Impulse geben, erfolgten die meisten Nennungen mit 40,1% für eine weitere Miniaturisierung und für Kommunikationsverfahren – zum einen über Internettechnologien (37,2%) und zum anderen durch die drahtlose Kommunikation (36,5%). Die Impulse durch die Nutzung der RFID-Technologie schätzten 31,4% der 600 befragten Fachleute als wichtig ein.

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