Sie haben die Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure zum Ingenieurmangel in Deutschland näher untersucht. Was war der Auslöser dafür? Brenke: Geärgert hat mich ein Spiegel-Interview mit Herrn Fuchs, Geschäftsführer des VDI, der behauptete, dass die Hälfte der erwerbstätigen Ingenieure 50 Jahre und älter sei, und deshalb in den nächsten Jahren wegen einer anstehenden Verrentungswelle ein großer Personalaustausch anstehe. Alle verfügbaren Daten zeigen allerdings, dass weniger als ein Drittel der Ingenieure auf ein Alter von 50 Jahren und mehr kommen. Besonders gering ist das Durchschnittsalter in solchen Ingenieurberufen, in denen in den letzten Jahren die Beschäftigung etwas zugenommen hat – wie bei den Ingenieuren des Maschinen- und Fahrzeugbaus. Eigentlich müsste der VDI die Daten auch kennen, offenbar wird aber bewusst Panikmache betrieben. In unseren Branchen Maschinenbau und Automatisierungstechnik gibt es tatsächlich viele Unternehmen, die nach eigenen Angaben schon heute sehr unter dem Ingenieur- und Fachkräftemangel leiden. Manche davon sehen das sogar als Grund, mehr im Ausland aktiv zu werden. Würde das nicht qualitativ eher für die Richtigkeit der VDI-Zahlen sprechen? Brenke: Unternehmen, insbesondere die Verantwortlichen in den Personalabteilungen, klagen gern über einen Fachkräftemangel. Wer würde schon zugeben, dass die benötigten Fachkräfte einfach zu finden sind – insbesondere dann, wenn sie nicht zu 120% der Stellenanforderung entsprechen, sondern nur zu 90%, und man daher noch etwas in die Einarbeitung und Weiterbildung der neuen Mitarbeiter investieren müsste? Nehmen wir einfach einmal die Zahl der erfolgreich abgeschlossenen Abschlussprüfungen an den Hochschulen. In den Fächern Maschinenbauwesen und Fertigungstechnik zusammengenommen gab es im Studienjahr 2006 knapp 10.000 erfolgreiche Absolventen, im Jahr 2010 waren es 14.500 also 45% mehr. Und der Run an die Unis hält weiter an. Im Jahr 2011 gab es 58.600 Erstsemester in diesen Studienbereichen – das waren 21% mehr als 2010. Das läuft auf eine Ingenieurschwemme hinaus. Beide Betrachtungsweisen, die des VDI und des DIW, scheinen vor allem theoretischer Natur zu sein. Ohne die Wichtigkeit statistischer Daten zu bezweifeln, wäre es nicht sinnvoll, eine umfassende Befragung bei den betroffenen Unternehmen zu machen? Brenke: Ich habe früher selbst solche Umfragen durchgeführt. Jedes Mal wurde über einen beachtlichen Fachkräftemangel geklagt. Bei einer davon wurde die Fragenbogenerhebung durch etwa 100 mündliche Interviews ergänzt. Dabei zeigte sich, dass hinter den Antworten in den Fragebögen viel heiße Luft steckte, denn tatsächlich knapp waren lediglich einige Spezialisten. Ein anderes Mal ergab sich bei einer Erhebung in Ostdeutschland, dass trotz hoher Arbeitslosigkeit ein Teil der Industrieunternehmen über einen Fachkräftemangel berichtete. Bei weitergehender Datenauswertung trat zutage, dass es sich dabei um solche Unternehmen handelte, die relativ geringe Löhne zahlten. Wie sieht aus Ihrer Sicht als Arbeitsmarktexperte ein angemessener Umgang mit dem Thema Ingenieurs- und Fachkräftemangel aus? Brenke: Man sollte vielleicht zunächst von dem Begriff \“Mangel\“ Abschied nehmen, denn der gehört zu einem Wirtschaftssystem, das vor mehr als 20 Jahren zugrunde gegangen ist. Wir leben in einem kapitalistischen System, das sich durch eine enorme Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auszeichnet. Wenn Knappheiten entstehen, wird automatisch darauf reagiert. Der beste Indikator dafür sind die Preise, auf dem Arbeitsmarkt sind es die Löhne. Allerdings zeigt sich, dass in den letzten Jahren auch bei Ingenieuren die Lohnentwicklung eher schwach war, was nicht gerade für ausgeprägte Knappheiten spricht. Zudem haben wir auch bei Ingenieuren eine verstärkte Tendenz hin zur Leiharbeit. Wenn die Arbeitskräfte tatsächlich knapp wären, müssten die Unternehmen allerdings versuchen, sie fest an sich zu binden. Kurzum: Man sollte dem Markt vertrauen, nicht in Panik verfallen und nach staatlicher Bildungssteuerung verlangen. (mbw)
Panikmache in Sachen Ingenieurmangel? Interview mit Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts der Wirtschaftsforschung (DIW) in Be
-
Erfolgreiches Omlox-Plugfest
Auf dem Omlox-Plugfest prüften 21 Experten aus neun Unternehmen zwölf verschiedene Omlox-Komponenten, darunter UWB-Infrastruktur, Ortungstags, ergänzende Positionierungstechnologien, Omlox-Hubs und industrielle Softwareanwendungen.
-
Energy-Monitoring für nachhaltige Umgebungen
Plug&Play-Energieüberwachung
Facility-Management-Systeme (FMS) ermöglichen die Echtzeitmessung/-überwachung des Energieverbrauchs für die Kostenoptimierung. Sie unterstützen erweiterte Diagnosen und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Änderungen und betriebliche Anforderungen. Aber: Bestehende FMS-Lösungen sind nicht…
-
Philip Harting verstärkt VDMA-Hauptvorstand
Der VDMA hat Philip Harting in den Hauptvorstand aufgenommen.
-
Schwere Industriesteckverbinder bei der Montage und Inbetriebnahme
Schneller verbunden, schneller produktiv
Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Maschinen und Anlagenbau konfrontiert und welchen Beitrag können Steckverbinder bei der Lösung leisten? Einfache, standardisierte und möglichst automatisierbare Verbindungsprozesse werden zum entscheidenden…
-
Antriebstechnik
Hybridleitungen reduzieren Aufwand, Kosten und Störanfälligkeit
Antriebssysteme sollen heute kompakt, leistungsfähig und zuverlässig sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verkabelung, Montage und Betriebssicherheit. Hybridleitungen bündeln Energie- und Datenübertragung in einem Kabel, reduzieren den Aufwand…
-
DataTec verzeichnet 9% mehr Aufträge
DataTec hat das Geschäftsjahr 2025/2026 in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich abgeschlossen.
-
NIS-2 in fünf Schritten strukturiert und pragmatisch umsetzen
So gelingt das Setup
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind längst keine Ausnahme mehr. Produktionsanlagen, Steuerungen und vernetzte…
-
Design, Produktsuche und Beschaffung auf einer Plattform
Nachschlagewerk für Automatisierer
Wer als Maschinen- oder Anlagenbauer schnell die richtigen Komponenten finden, Schaltpläne skizzieren und…
-
Elektroexporte wachsen etwas langsamer
Mit Warenlieferungen im Wert von 20,7Mrd.€ verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie auch…
-
Virtuelle SPS: Reif für die Praxis?
Lange galt die virtuelle SPS als Zukunftsvision. Inzwischen sehen viele Hersteller sie als…
-
IIoT und Cloud-Visualisierung
Sensordaten sicher erfassen und weltweit visualisieren
Edge Computing und Cloud-Technologien verändern den Umgang mit Produktionsdaten. Maschinen- und Sensordaten lassen…
-
Interview auf dem Eplan Next26
Wie KI, Daten und Plattformen die Elektrokonstruktion verändern
Auf dem Event Eplan Next26 in München standen die Zukunft des Engineerings, künstliche…
-
Stromversorgung außerhalb des Schaltschranks
Netzteilreihe mit Schutzart IP67
Mit der neuen Netzteilreihe S8NR bringt Omron robuste Netzteile mit Schutzart IP67 auf…
-
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich ins VDI-Präsidium gewählt
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich wurde mit Wirkung zum 1. Juli in das Präsidium…
-
Intelligentes Transportsystem sorgt für mehr Flexibilität beim Labeling
Digitaldruck in sechs Freiheitsgraden
Herkömmliche Druckverfahren mit Kunststoff- und Papieretiketten sind mit langen Rüstzeiten, häufigen manuellen Eingriffen…
-
Ansatz für nachhaltige Produktentwicklung
Neue Kategorie der Weltdarstellung
Die 3D Univ+rses sind eine neue Kategorie der Weltdarstellung, entwickelt von Dassault Systèmes.…
-
Hochmanövrierfähige Fahrzeugplattform mit Hebeeinrichtung
Omnidirektional
Weiterentwicklungen in der Handhabungs- und Montagetechnik steigern den Grad der automatisierten Produktion. Effiziente…
-
Schwarz Digits eröffnet neuen Campus
Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, hat ihren neuen Campus…
-
Update-Management für vernetzte Maschinen
Aus Pflicht wird Potenzial
Vernetzte Maschinen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg aktualisiert werden und Hersteller müssen…
-
Geräteschutz und digitale Transparenz verbinden
IIoT-Framework
Mit dem IIoT-Framework Caparoc erweitert Phoenix Contact die Kommunikationsmöglichkeiten des gleichnamigen Geräteschutzschalter-Systems um…
-
Für den Maschinen- und Anlagenbau
Robuste Wellschläuche
In der automatisierten Fertigung müssen Kabelschutzschläuche von Maschinen, Bearbeitungszentren und CNC-Anlagen vielfach hohe…
-
Für effizienteres Kabelmanagement Mehrfachdurchführungen
Mit den robusten Kabeldurchführungen der Serie MCE Pro und dem modularen System MCE…
-
Cybus beruft Stefan Schwab zum Co-CEO
Cybus hat Stefan Schwab mit Wirkung zum 1. Juli zum Co-CEO berufen.
-
Spatenstich für Hummel-Werkserweiterung
Mit einem symbolischen Spatenstich hat Hummel das offizielle Startsignal für die geplante Werkserweiterung…
-
Mit 3 Metern Reichweite
Kompakte Ultraschallsensoren
Mit den Ultraschallsensoren U1KM in Miniaturbauform erweitert Wenglor sein Portfolio um eine Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
Edge, Cloud und Cybersecurity in der Praxis
IIoT im Realitätscheck: Warum Vernetzung heute anders gedacht wird als 2020
-
Funktionale Sicherheit
SIL3 auf dem Touchscreen: Wie sichere HMIs die Bedienung neu denken
















