Durch die anhaltende Miniaturisierung der Elektronik, aber auch durch die Steigerung der Leistungsdichte von elektrischen Antrieben können viele Maschinen und Apparate heute kompakter gebaut werden als noch vor einigen Jahren. Und durch den Einsatz von Feldbussen, z.B. dem CAN-Bus, bleibt der Verkabelungsaufwand gering, selbst bei zunehmender Anzahl von Sensoren und Aktuatoren. Auch bei hohem Preisdruck für Maschinen kann sich der Einsatz eines Feldbusses lohnen. Der CAN-Bus gilt als kostengünstiger Bus, u.a. aufgrund zahlreicher verfügbarer Mikrocontroller und Prozessoren mit integrierten CAN-Kontrollern. Die Verwendung des standardisierten CANopen-Protokolls nach CiA 301 und der gerätespezifischen Profile wie CiA 402 verringert den Entwicklungsaufwand für die Steuerungssoftware. Für die Entwickler erhöht sich die Flexibilität, da einzelne Komponenten ohne größere Änderungen ausgetauscht werden können. Wird z.B. ein Schrittmotor mit zugehöriger Steuerung durch einen DC-Motor mit einer Steuerung eines anderen Herstellers ersetzt, ändert sich die Steuerungssoftware der Maschine kaum, weil bei der Verwendung von CANopen-Profilen beide Antriebssysteme auf dem CAN-Bus fast gleich erscheinen. So wie die Größe von elektrischen Antriebssystemen und die Kosten sinken, so steigen die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und den Funktionsumfang. Selbst bei kleinen Geräten wird es immer wichtiger, die einzelnen Antriebe miteinander zu synchronisieren, um so komplexere Bewegungsabläufe realisieren zu können. Steuerungen für Kleinantriebe mit hoher Performance Für DC- und EC-Motoren mit 1 bis 700W Nennleistung bietet maxon motor mit Epos2 eine Familie von universellen Positioniersteuerungen an. Für den Einsatz in kompakten Maschinen wurden die Steuerungen Epos2 24/2 mit bis zu 48W Nennleistung und für OEMs die Epos2 Module 36/2 mit 72W Nennleistung entwickelt (Bild 1). Der Funktionsumfang dieser Steuerungen ist weitgehend identisch mit demjenigen der größeren Antriebssteuerungen der Serie. EC-Motoren können mit bis 100.000U/min betrieben werden, und aufgrund der maximalen Encoder-Strichzahl von 2.500.000Impulsen können hochauflösende Encoder eingesetzt werden. Dabei kann die Encoder-Eingangsfrequenz bis 5MHz betragen. Als Kommunikationsschnittstellen bieten diese Steuerungen neben CANopen nach CiA 402 auch USB und RS232, sowie Gateway-Funktionen von USB oder RS232 zu CAN. Auch diese Kleinsteuerungen unterstützen eine Vielzahl von Betriebsmodi, so z.B. Position, Velocity oder Current Mode. Weiter finden sich Funktionen wie der \’Step/Direction Mode\‘ zur schrittweise geregelten Bewegung der Motorachse, oder der \’Master Encoder Mode\‘ zur Anwendung des Antriebs als elektronisches Getriebe. Mit der grafischen Benutzeroberfläche Epos Studio lassen sich die Steuerungen parametrisieren und die Regler einstellen. Synchronisation von mehreren Antrieben mit CANopen Für viele mehrachsige Anwendungen reicht es aus, wenn deren Antriebe unabhängig voneinander bewegt werden. Die Antriebssteuerungen werden dabei typischerweise im \’Profile Position Mode\‘ oder im \’Profile Velocity Mode\‘ betrieben. Um mehrere Antriebe synchron zu bewegen, wie dies für viele mehrachsige Positioniersysteme gefordert wird, spezifiziert CANopen mehrere Möglichkeiten. Eine bevorzugte Variante ist die Verwendung des \’Interpolated Position Mode\‘ (PVT, Position and Velocity versus Time). Die Maschinensteuerung berechnet dabei die Bewegung aller Antriebe, generiert periodisch aus Position und Geschwindigkeit bestehende Stützpunkte und schreibt diese in den Zwischenspeicher der Positioniersteuerung. Diese wiederum berechnet anschließend durch lineare oder kubische Interpolation Sollwerte für die Positionsregelung. Die lokalen Timer der Positioniersteuerungen können dabei mit Sync-Meldungen auf dem CAN-Bus synchronisiert werden (Bild 2). Die Perioden zwischen den Stützpunkten des \’Interpolated Position Mode\‘ sind typischerweise 10 bis 100ms, womit die Buslast und die Echtzeitanforderungen an den Bus-Master gering sind. Ein Nachteil dieses Betriebsmodus ist hingegen, dass sich die Bewegung nicht innerhalb sehr kurzer Zeit ändern lässt. Sollte die Bewegung z.B. zusätzlich mit externen Sensoren (Vision, Encoder von Förderband) synchronisiert werden, ist diese Art der Bewegungsplanung und Regelung zu langsam. Mögliche Anwendungen, bei denen der Interpolated Position Mode sinnvoll ist, sind das automatische Nachführen von Teleskop- und Solarspiegeln, oder das Steuern von Werkzeugmaschinen, bei denen die Bewegungen der Achsen fest vorgegeben sind. Eine höhere Dynamik in der Bewegungsplanung lässt sich erreichen, wenn die Bewegungsplanung und ein Teil der Antriebsregelung vollständig im CANopen Master vorgenommen wird, z.B. mit einem Positionsregler im Master und unterlagertem Geschwindigkeitsregler in den Antriebssteuerungen (Bild 3). Die Steuerungen werden dann im \’Profile Velocity Mode\‘ betrieben, wobei darauf geachtet werden muss, dass Sollwerte sofort übernommen werden, da andernfalls der Positions-Regelkreis nicht geschlossen werden kann. Die Positioniersteuerungen bieten zusätzlich einen reinen \’Velocity Mode\‘, bei dem die Geschwindigkeits-Sollwerte direkt der Regelung zugeführt werden, was zu einer hohen Regeldynamik führt. Die Buslast und die Anforderungen an die Echtzeitfähigkeit des Masters sind bei dieser Steuerungs-Architektur höher, die Zykluszeiten liegen hier typischerweise bei 2 bis 5ms. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Positions- und Geschwindigkeitsregler im Master zu realisieren und den Antriebssteuerungen via CAN-Bus lediglich das Drehmoment, das heißt Stromsollwerte vorzugeben. CANopen spezifiziert dazu den \’Profile Torque Mode\‘ für Motion-Control-Produkte. Die Epos2-Steuerungen bieten alternativ den \’Current Mode\‘, bei dem Stromsollwerte via CAN-Bus direkt dem Stromregler der Steuerung zugeführt werden (Bild 4). Damit wird die hohe Dynamik, die bei eisenlosen Motoren nötig ist, erreicht. Die direkte Kommandierung des Stromsollwertes ermöglicht es, im Master auch komplexere Regelungsalgorithmen zu implementieren, wie dies z.B. für Robotersysteme mit nichtlinearer Dynamik erforderlich ist. Allerdings erfordert diese Architektur neben ausreichender Rechenleistung auf dem Master auch eine harte Echtzeitfähigkeit, da die Zykluszeiten im Bereich = 1ms liegen sollten. Solch kurze Zykluszeiten führen zu einer hohen Auslastung des CAN-Busses. Ein Beispiel: Das Senden einer CAN-Meldung mit einer Stromvorgabe und das Empfangen einer Meldung mit der aktuellen Position dauert bei einer Übertragungsrate von 1Mb/s knapp 200µs pro Antrieb (vgl. Tabelle 1). Schon eine gewünschte Zykluszeit von 0,5ms bei nur zwei Antrieben auf einem CAN-Bus führt bereits zur CAN-Bus-Auslastung von ca. 80%. Anwendungsbeispiel PocketDelta-Roboter Für Anwendungen in der Mikrotechnik hat die Firma asyril S.A. aus Villaz-St-Pierre (Schweiz) einen Kleinstroboter mit einer Delta-Kinematik entwickelt. Bei dieser Roboterkinematik wird eine kleine Plattform mit dem Greifwerkzeug durch Parallelogramme im 3D-Raum geführt. Die Parallelogramme werden dabei von drei Motoren angetrieben, die alle an einer Basis montiert sind (Bild 5). Die bewegte Masse des Roboters ist damit gering, womit hohe Beschleunigungen und Geschwindigkeiten realisierbar sind. Als Antriebe werden maxon EC-i-Motoren mit 40mm Durchmesser und 50W Nennleistung eingesetzt. Diese Motoren haben aufgrund ihres innenliegenden, mehrpoligen Rotors kleine Zeitkons-tanten und damit eine hohe Dynamik sowie eine hohe Drehmomentdichte. Betrieben werden diese Motoren von Positioniersteuerungen des Typs Epos2 Module 36/2. Die modularen, kompakten Steuerungen sind in die Kartensteckplätze einer Trägerplatine gesteckt, die für kleine Roboter mit bis zu vier Antrieben entwickelt wurde (Bild 6). Als Master-Steuerung wird ein ARM11 Prozessor mit integrierten CAN-Kontrollern eingesetzt. Dieser Prozessor sitzt ebenfalls auf der Trägerplatine und kommuniziert mit den Steuerungen via CAN-Bus. Weitere Epos2-Steuerungen, z.B. für Zuführsysteme oder Transfer-Achsen, oder auch andere CANopen-Geräte könnten über Steckverbinder an den Master angeschlossen werden. Hochdynamische Roboter wie der PocketDelta, der Beschleunigungen von 5g und Geschwindigkeiten von 2m/s erreichen kann, stellen hohe Anforderungen an die Regelung der Antriebe. Die Bewegungsgleichungen solcher Systeme sind normalerweise nichtlinear und zwischen den einzelnen Antrieben auch gekoppelt. Um auch bei hohen Beschleunigungen und Geschwindigkeiten die Bahnfehler auf wenige Mik-rometer reduzieren zu können, wird neben einer speziell ausgelegten Regelung auch eine Vorsteuerung mit der Berechnung der Bewegungsgleichungen des gesamten Roboters eingesetzt. Die Epos2 Module 36/2-Steuerungen werden im \’Current Mode\‘ betrieben. Der Master berechnet neben der Bewegungsplanung, die für alle Antriebe synchron erfolgen muss, auch die Regelungsalgorithmen und die Vorsteuerung des Roboters. Die resultierenden Stromsollwerte übergibt der Master dann via CAN-Bus an die Steuerungen. Die aktuellen Motorpositionen werden mit hochauflösenden Encodern erfasst und von den Steuerungen via CAN-Bus an den Master gesandt. Somit ist die Positions- und Geschwindigkeitsregelung über den CAN-Bus geschlossen (Bild 4). Mit einer optimierten Definition von PDOs mit möglichst kleiner Datenlänge, sowie einer Aufteilung der verschiedenen Antriebssteuerungen auf zwei CAN-Busse können Zykluszeiten fur die Regelung von deutlich unter einer Millisekunde erreicht werden. Fazit Der CAN-Bus wird nicht zuletzt aufgrund seiner geringen Kosten auch bei kompakten Maschinen und Apparaten eingesetzt. Mit den Positioniersteuerungen Epos2 24/2 und Epos2 Module 36/2 bietet maxon motor CANopen-fähige Antriebslösungen für enge Platzverhältnisse. Da die Steuerungen verschiedene Betriebsmodi ermöglichen, einschließlich dem \’Interpolated Position Mode\‘, lassen sich mehrere Antriebe via CAN-Bus synchronisieren. Wie das Beispiel der Steuerung für den PocketDelta-Roboter zeigt, ist es also möglich, anspruchsvolle Motion Control-Anwendungen mittels CAN-Bus zu realisieren.
CANopen für Kleinantriebe
-
Neue Bremssättel für Scheibenbremsen
Elektromagnetische Lüftung für hohe Stundenliestung
Die federbetätigten und elektromagnetisch gelüfteten Bremssättel der Baureihe MV FEM von Ringspann zeichnen sich durch Schalt-Performance, Design und Energieeffizienz aus. Konstrukteuren in vielen Schlüsselbranchen bietet sich damit eine…
-
Scada-Plattform Atvise mit Updates
Mehr Sicherheit und Kompatibilität für Scada-Systeme
Mit den Versionen 3.13 und 3.14 erweitert Bachmann Electronic seine Scada-Plattform Atvise um neue Funktionen für mehr Sicherheit, Flexibilität und Systemkompatibilität.
-
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die…
-
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen ist. Das MX-System ermöglicht die schaltschranklose Automatisierung von Maschinen und Anlagen und eröffnet so neue…
-
Beckhoff verbindet Sprachmodelle mit Echtzeitsteuerung
Physical AI: Wenn KI direkt Maschinen steuert“
Ein zentrales Thema für Beckhoff auf der Hannover Messe 2026 ist die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und klassischer Maschinensteuerung als Basis für Physical AI. In Halle 27 an…
-
Vorschau Hannover Messe 2026
KI als produktive Kraft in der Fabrik
Auf der Hannover Messe 2026 vom 20. bis 24. April soll künstliche Intelligenz (KI) in der Industrie greifbar werden. Praxisnah und anwendungsorientiert möchte die Messe zeigen, wie produzierende…
-
Virtuelle Inbetriebnahme als strategisches Werkzeug
Anforderungen beim Retrofit
Die virtuelle Inbetriebnahme wird im Maschinenbau häufig dafür genutzt, um Steuerungssoftware bereits vor der realen Inbetriebnahme zu testen und diese frühzeitig zu optimieren. Auf der Seite der Maschinenhersteller…
-
Anzeige
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei…
-
Die Myzel Lifecycle Platform vernetzt Menschen, Maschinen und Daten
Wenn Sicherheit Wurzeln schlägt
Produktionsanlagen werden komplexer, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Dokumentation und Compliance. Betreiber…
-
Anzeige
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen…
-
Mobile Cobot-Lösung erhöht die Produktivität in der CNC-Fertigung
Für wechselnde Losgrößen und große Produktvielfalt geeignet
Das auf CNC-Präzisionsfertigung spezialisierte Unternehmen Harris RCS Ltd. verarbeitet eine Vielzahl von Materialien,…
-
Steuerung, Virtualisierung und Machine Learning auf einer gemeinsamen Plattform
KI für die SPS
Als virtualisierte, hardwareunabhängige Steuerungsplattform ermöglicht die Virtual PLCnext Control eine flexible und skalierbare…
-
Energiekette mit Zugentlastung versorgt Umschlagmaschine
Stabile Verbindung für höhenverstellbare Kabine
Die höhenverstellbare Fahrerkabine der Umschlagmaschinen aus der neuen G-Serie von Fuchs stellt besondere…
-
Auftragseingang im Indus-Segment Engineering steigt um 26,9%
Trotz der schwachen globalen Industriekonjunktur lag der Umsatz im exportorientierten Indus-Segment Engineering mit…
-
Very-Small-Form-Factor-Technologie für Next-Generation-Netze
MMC-Stecker für hochdichte Glasfaserverkabelung
Rosenberger OSI erweitert sein Portfolio um den MMC-Stecker (Miniature Multifiber Connector), eine Very-Small-Form-Factor-(VSFF)-Lösung…
-
Guido Schuette leitet Wago-Geschäftsbereich Automation
Wago gibt bekannt, dass Guido Schuette zum 1. April als Chief Business Officer…
-
Neues Logistikzentrum für Unitechnik
Unitechnik Systems investiert 3,5Mio.€ in eine automatisierte Logistikanlage am Firmensitz in Wiehl.
-
Durchgängiges Engineering – von der Planung bis zum Betrieb
Insellösungen überwinden
In der Robotik führen die Bruchstellen zwischen Projektphasen und Systemen zu signifikantem Mehraufwand,…
-
China baut Vorsprung aus
Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie stabilisiert sich
Nach zwei Jahren mit spürbarer Investitionszurückhaltung zeigt die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erste Anzeichen einer…
-
Interview: Industrielle Server ‚Made in Germany‘
Die Datenfabrik braucht neue Server
Automatisierungssysteme erzeugen immer größere Datenmengen – durch Bildverarbeitung, KI oder vernetzte Produktionsanlagen. Gleichzeitig…
-
Herausforderungen beim Muting in der Praxis
Wenn Sicherheit zur Schwachstelle wird
Muting ermöglicht es, die Sicherheitsfunktion an Maschinen oder Anlagen vorübergehend zu überbrücken, damit…
-
So verändert KI die visuelle Inspektion
Weniger Regeln, mehr Verlässlichkeit
Der Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Qualität und Flexibilität erhöhen den Druck auf…
-
10. Drehgeberrunde auf der SPS 2025
Blick zurück und in die Zukunft
Die Podiumsdiskussion auf der SPS 2025 markierte ein besonderes Jubiläum: Bereits zum zehnten…
-
ASi bringt Industrie-4.0-Schnittstellen auf die unterste Feldebene
Einfach, sicher, skalierbar
AS-Interface – kurz ASi – ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der industriellen Automatisierung.…





















