SPS-MAGAZIN: Nach vielen erfolgreichen, dann allerdings schweren Jahren ist Lauer seit 2007 fest im Beijer-Konzern verankert. Ist das jetzt das Ende der turbulenten Jahre? Benz: Wir als Lauer haben mit Beijer als Mutter, wenn man so sagen möchte, einen guten Griff gemacht. Beijer ist ein Unternehmen aus dem Automatisierungs-Markt mit viel Know-how im Bereich Bediengeräte und HMI-Systeme. Dazu kommt die internationale Aufstellung von Beijer, die auch Lauer völlig neue Potenziale bietet. Lauer hat eine große Kundschaft in Deutschland mit sehr guten, stabilen Kundenbeziehungen. Aber die Internationalisierung des Geschäfts war für Lauer allein ein echtes Problem. Als Tochterunternehmen in der Beijer-Gruppe ist das nun ganz anders: Wir sind als Lauer mit unserer Marke für Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux zuständig. Alles außerhalb dieser Länder wird generell von Beijer und der asiatischen Tochterfirma Hitech abgedeckt. SPS-MAGAZIN: Welche Vorteile haben Sie von dieser internationalen Aufstellung? Benz: Ganz konkret hilft uns das in zwei Richtungen: Zum einen ermöglicht es uns, Synergien auf der Kostenseite zu gewinnen, indem wir mit unseren schwedischen und taiwanesischen Kollegen zusammenarbeiten, beginnend bei der Entwicklung über den Einkauf bis hin zur Produktion. Auf der anderen Seite, also Vertrieb und Vermarktung, können wir die Strukturen unseres global aufgestellten Mutterkonzerns Beijer sehr gut nutzen, um für Lauer eine globale Verbreitung der Produkte zu ermöglichen. Das ist schon eine perfekte Synergie geworden innerhalb dieser bald zwei Jahre. SPS-MAGAZIN: Welchen Einfluss hat die Beijer-Übernahme auf die Produkte genommen? Christian Benz: Wir vertreiben drei Kategorien von Panels, die wir in Basic, Premium und Premium Plus unterteilen. Die Produkte, die wir selber entwickeln und herstellen sind – auch aus unserer Vergangenheit heraus Indusrie-PC mit HMI-Software WOP-iT – im Premium Plus-Segment zuhause bzw. im Sondermarkt Nautikprodukte. Durch diese Arbeitsteilung im Unternehmen können wir höhere Qualität zu einem deutlich günstigeren Preis anbieten. SPS-MAGAZIN: Nautik? Ist das ein wichtiger Markt für Lauer? Benz: Wir liefern seit etwa fünf Jahren in diese Branche und haben dort einiges an Markt gewonnen, auch in Deutschland und Zentraleuropa. Dieses Geschäft macht einen interessanten Anteil unseres Umsatzes aus, größenordnungsmäßig 20 bis 25%. SPS-MAGAZIN: Wie sieht es denn mit der Weiterentwicklung der Produkte aus? Benz: Wir haben in Unterensingen nahe Stuttgart ein Kompetenzcenter innerhalb des Beijer-Konzerns etabliert, das sich um die produktübergreifende Hardware-Entwicklung und um die, wenn sie so wollen, Firmware-Entwicklung oder Hardware-nahe Software-Entwicklung und Zertifizierung kümmert. In der schwedischen Zentrale in Malmö wird die Basis-Software weiterentwickelt. Die neueste Version heißt \’iX\‘. Die Hauptkompetenz, wenn es um Displaysysteme und kleine HMIs geht, liegt in Taiwan. Das heißt, es gibt weiterhin bei den Unternehmen drei Entwicklungszentren, die aber eben ihre speziellen Ausrichtungen bekommen haben. Zusätzlich zu den – nennen wir es mal Standard-Roadmap-Entwicklungen, die in diesen Entwicklungszentren gemacht werden, gibt es eben sehr flexible Entwicklungen. Und ich glaube, da zeichnen wir uns im Vergleich zu großen Anbietern besonders dadurch aus, dass wir flexibler auf Kundenanforderungen reagieren können. Das gilt für technische Anpassungen, wie erweiterte Temperaturbereiche und Betauung, wenn Sie beispielsweise an die Verwendung von Panels in mobilen Arbeitsmaschinen denken. Das gilt aber auch für die Gestaltung der Geräte für besondere Zwecke, beispielsweise Edelstahlausführungen für die Lebensmittelindustrie. SPS-MAGAZIN: Sie selbst sind seit März 2008 bei Lauer. Was waren Ihre ersten Maßnahmen? Benz: Wir haben weitreichende Veränderungen an der Vertriebsorganisation vorgenommen. Zunächst haben wir das Vertriebsteam stark erweitert und jedem Account Manager einen Techniker zugeordnet. So arbeiten diese jetzt in Teams mit Innendienstkräften und Supportleuten zusammen. Deutschlandweit sind sechs Teams aufgestellt worden, die spezielle Vertiefungsrichtungen bekommen haben. Beispielsweise haben wir ein Team in Berlin im Bereich erneuerbare Energien. Wir haben den Bereich Transportation in Mannheim/Heidelberg, unsere Food und Pharma-Mitarbeiter in der Düsseldorfer Gegend, klassischer Maschinenbau hier in Unterensingen und den Bereich Automotive in Bayern. SPS-MAGAZIN: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Benz: Das letzte Jahr ist mit dieser Umstellung im Vertrieb sehr erfolgreich für uns verlaufen. Die Profitabilität lag weit über den Erwartungen, was uns für dieses Jahr einen schönen Spielraum gibt. Das heißt also, die ganzen Chaosmeldungen, die man da am Markt derzeit hört, haben uns bisher glücklicherweise noch nicht getroffen. SPS-MAGAZIN: Können Sie unseren Lesern vielleicht einen kleinen Ausblick geben, wohin sich Lauer technologisch entwickelt? Benz: Zum einen haben wir derzeit bei unseren klassischen EPC-Plattformen unterschiedliche Prozessorplattformen. Das beginnt unten bei einer so genannten Intel-X-Scale-Prozessorplattform, geht über Pentium M und Celerons bis hoch zu Core2Duo. Diese unterschiedlichen Plattformen müssen natürlich aufwendig mantained und gepflegt werden und haben jeweils keine besonders großen Stückzahlen. Wir werden das auf zwei Plattformen reduzieren. Mit der im letzten SPS-MAGAZIN vorgestellten Atom-Plattform haben wir den ersten Schritt bereits getan. Der Atom-Prozessor ist so leistungsfähig, dass man ihn ohne weiteres im Mid-Range-Segment der EPCs einsetzen kann. Zudem wird die Core2Duo-Basis, vielleicht auch Core2Quad, weiter ausgebaut. Diese PC-Funktionalität gibt es dann als Box-PCs für den Schaltschrank, oder auch für unterschiedliche Anwendungen außerhalb des Schaltschranks, zusätzlich als HMI-System, als Panel-PC mit aufgeflanschter Hardware. SPS-MAGAZIN: Und wie sieht es im Bereich der Software aus? Benz: Zur Software ist zu sagen, dass wir die bestehende WOP-Software weiterpflegen und darüber hinaus zur Hannover Messe eine neue Software vorstellen werden. Diese erweiterte HMI-Software positioniert sich zwischen Scada-Lösungen und Standard-HMI-Software. Wir nennen dieses Software-Paket iX. Es basiert auf dem .Net-Framework von Microsoft, was uns viele Möglichkeiten gibt, im Hinblick auf OPC-Server, Kommunikation oder Scriptings. Dabei handelt es sich um ein innovatives Programmkonzept, das auf Microsoft Windows Presentation Foundation (WPF) basiert. Man kann es vielleicht als die vierte Generation der HMI-Software bezeichnen. Sie ist definitiv ein Generationssprung vom bisherigen Beijer Electronics und Lauer Projektierungstool. Der Anwender nutzt z.B. die Funktion der Mehrfach-Displays sowohl bei der Projektierung als auch im Runtime-Modus. Weiterhin bietet sich ein umfangreiches, neu konzipiertes Alarm-Management, das in vielen Marktsegmenten nutzbringend zum Einsatz kommt. Und durch die frei programmierbaren Skripte wird das Paket sehr flexibel. Wir werden diese Software auf der Hannover Messe vorstellen. Der weltweite Launch beginnt gerade und wird sich nach der IPC-Portierung für weitere Plattformen nach unten durchsetzen. SPS-MAGAZIN: Immer häufiger sind es auch Dienstleistungen, die für Automatisierungs-Anbieter eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Ist das bei Ihnen auch so? Benz: Natürlich versuchen auch wir, unser langjährig erworbenes Know-how zu vermarkten. Dieses Angebot erwarten unsere Kunden sogar. Neben der Dienstleistung der Produkt- und Software-Schulungen bieten wir außerdem Projektberatung vor dem Kauf sowie Projekterstellung und Inbetriebnahme nach erfolgter Kaufentscheidung. Und last but not least muss an dieser Stelle auch der kostenlose Telefonsupport und die kompetente Reparaturabteilung als wichtiger Kundenservice genannt werden. SPS-MAGAZIN: Was hat Lauer heute zu bieten, was bei anderen Herstellern vielleicht fehlt? Benz: Wir haben für die unterschiedlichsten HMI-Anforderungen die passenden Lösungen: Basic, Premium und Premium Plus. Auch das Know-how der anzuschließenden Steuerungen spricht klar für Lauer. Wir stellen eine Vielzahl an unterschiedlichen SPSen in unserem Service- und Supportbereich bereit, um den Kunden übergreifend Unterstützung zu geben. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Lauer bietet hochwertige Produkte mit jahrelanger Industriereputation, die vielfältig einzusetzen sind. Dazu kommt ein kompetenter Support, der im Hintergrund agiert. Dieser klare Mehrwert für die Kunden ist ein wichtiges Kaufkriterium in den heutigen Zeiten. Insbesondere dann, wenn sich die Produkte in ihren Funktionalitäten nur noch minimal unterscheiden. Wir sind jedoch überzeugt, dass wir mit unserer neuen HMI-Generation iX aus dem Einheitsangebot heraustreten und neue Marktanteile gewinnen werden. Die Kooperation mit Beijer Electronics hilft uns dabei enorm. (kbn) Kasten 1: Das Unternehmen Lauer Elektronik-Systeme Lauer ist einer der führenden Anbieter im Bereich der Bedien- und Beobachtungssysteme. Seit nunmehr 30 Jahren entwickelt und vertreibt Lauer HMI-Lösungen zum Bedienen und Beobachten von Maschinen und Anlagen. Das Portfolio reicht von Textanzeigen über Bedienterminals bis hin zu Panel-PCs. Die Produkte kommen in unterschiedlichen Branchen wie Verpackungsindustrie, Automotive, Nahrungs- und Genussmittel, Chemie und Pharma, Werkzeugmaschinenbau sowie in der Schiffsautomation zum Einsatz. Seit Mai 2007 gehört Lauer zum Beijer Electronics Konzern, der an der Stockholmer Börse notiert ist und seinen Sitz im schwedischen Malmö hat. Der Beijer Electronics Konzern besitzt weitere Tochtergesellschaften in Europa, Asien und Nordamerika und verfügt über enge Beziehungen zu OEM-Herstellern, Marken- und Vertriebspartnern weltweit. Kasten 2: Firmenname: Elektronik-Systeme Lauer GmbH & Co. KG Ort: 72669 Unterensingen Geschäftsführung: Christian Benz Gründungsjahr: 1979 Anzahl Mitarbeiter: ca. 60 Konzernumsatz 2008: ca. 127Mio. Euro Geschäftsbereiche: HMI-Technologie, Automatisierungstechnik, Prozessvisualisierung Branchenaktivitäten: Maschinen- und Anlagenbau, Automotive, Transport und Logistik, Energie, Food/Pharma, Schiffsbau Kasten 3: iX – HMI-Software der 4.Generation Innovatives offenes Konzept Bei iX handelt es sich um ein Software basiertes HMI-Konzept, dass aus einer Projektierungs- und Runtime-Umgebung besteht. iX ist in mehreren Ausführungen erhältlich, z.B. als kombiniertes HMI-Hardware- und Softwaresystem oder nur als Software. Damit läuft es auf handelsüblichen Industrie-PCs und schließt eine Lücke zwischen proprietären HMI-Bedienterminals und teuren Scada-Lizenzlösungen. Durch die Unterstützung des Microsoft .Net Framework eröffnet iX kreative kundenspezifische Anpassungsmöglichkeiten sowie eine uneingeschränkte Freiheit beim Erstellen benutzerdefinierter Objekte. Effiziente und intuitive HMI-Schnittstelle mit Windows-Standards iX nutzt Windows-Standardkomponenten und bietet so eine HMI-Schnittstelle in vertrauter Umgebung, die optisch ansprechend ist, sich einfach erlernen und bedienen lässt. Daher findet sich jeder schnell zurecht, ob Entwickler oder Bediener. Serviceinhalte können per HMI direkt abgerufen werden, so lassen sich Instruktionen optimal visuell umsetzen. Außerdem ist die HMI-Anwendung ins Internet eingebunden. Design der Zukunft Windows Presentation Foundation (WPF) erlaubt den Einsatz vektorbasierter Grafiken und bietet eine erstklassige Steuerung, Planung und Entwicklung von Bedienoberflächen. Damit erhält man unabhängig vom Vergrößerungsfaktor stets eine exakte und ansprechende Darstellung. Überdies unterstützt iX den Microsoft-Standard Multifunktionsleisten und befreit somit von verschachtelten Menüs und unübersichtlichen Symbolleisten. So können die passenden Befehle am gewünschten Ort verankert werden. Lauer, führender Anbieter von hochwertigen HMI-Lösungen, bringt seine iX-Lösung in den Modulen Development, HMI System (Hardware + Software) und Runtime heraus. Die Runtime-Version läuft auf eigenen Industrie-PCs als auch auf Produkten von Fremdherstellern. Mittelfristig ist eine Ausweitung der Systemverfügbarkeit auf eigenen HMI-Terminals geplant. HMI-Stand: Halle 9 Stand G28
Lauer: Global gedacht – lokal gemacht
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