Einen Antrieb auszulegen bedeutet, die Drehmoment-Drehzahl-Kennlinie des Motors an die Kennlinie der Arbeitsmaschine anzupassen. Bei der Konstruktion einer neuen Maschine erfolgen die ersten Berechnungen dafür meist schon in einem sehr frühen Stadium. Oft gilt es, verschiedene Varianten zu berechnen und abzuschätzen, ob die Leistung auch dann noch ausreicht, wenn ein kleinerer Antrieb eingesetzt wird oder inwieweit sich diese mit dem nächst größeren Antrieb steigern lässt. Ist der Antrieb unterdimensioniert erreicht die Maschine nicht die gewünschte Leistung und der Antrieb muss durch einen größeren ersetzt werden. Das zieht Aufwand und eventuell sogar Konstruktionsänderungen nach sich. Wurde der Motor mit dem Regler zu groß ausgelegt, steigen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten im späteren Betrieb, weil der Antrieb mit einem schlechten Wirkungsgrad arbeitet und zu viel Energie verbraucht. Häufig kommen auch die gleichen Antriebe an verschiedenen Stellen und für verschiedene Aufgaben zum Einsatz. Dahinter steht das Ziel, die Teilevielfalt zu verringern, auch wenn dadurch ein Antrieb vielleicht überdimensioniert ist. Die Antriebsauslegung ist nicht nur bei Neukonstruktionen ein Thema. Sie ist immer dann notwendig, wenn sich die Anforderungen an eine Maschine ändern und es beispielsweise zu prüfen gilt, eine höhere Last zu bewegen. Weiterhin muss bei Retrofit-Maßnahmen der Ist-Zustand des Antriebs ermittelt werden, um sicherzustellen, dass der neue Antrieb dieselbe Leistung erreicht. Es gibt also unterschiedliche Anlässe, eine Antriebsauslegung vorzunehmen, die Vorgehensweise bleibt jedoch immer gleich. Schritt für Schritt: Von der Mechanik zum Netz Die Antriebsauslegung betrachtet zwei Aspekte: die dynamische Anpassung, um die vorgegebenen Weg-Zeit-Bedingungen einzuhalten und die thermische Anpassung, damit der Motor sich nicht unzulässig erwärmt. Die Anpassungen können auf unterschiedliche Weise erfolgen. Zum einen lässt sich der natürliche charakteristische Verlauf von Elektromotoren nutzen. Das klassische Beispiel ist bzw. war der Reihenschlussmotor bei Bahnantrieben: hohes Drehmoment bei geringer Drehzahl für den Anlauf und geringes Drehmoment bei hoher Drehzahl nach der Beschleunigungsphase für die Konstantfahrt. Eine elegantere Methode ist die Manipulation der Motorkennlinie durch Stellglieder. Auf diese Weise lässt sich die Bindung an die starren Kennlinien der verschiedenen Motorarten lösen. In vielen Fällen ist es dann möglich, die einfache wie robuste Asynchronmaschine einzusetzen, oder, wenn mehr Effizienz und Dynamik gefordert sind, die Synchronmaschine mit Permanentmagneten. Bei der Antriebsauslegung gilt es, die mechanischen Gegebenheiten zu analysieren und die erforderlichen Drehmomente und Drehzahlen unter Berücksichtigung der Weg-Zeitbedingungen zu berechnen. Auf dieser Basis erfolgt die Auswahl des Motors, eines darauf abgestimmten Reglers und der Netzanschlusskomponenten. Drehzahl- und Drehmoment-Zeit-Verlauf ermitteln Als erster Schritt wird anhand des gewünschten Bewegungsprofils der erforderliche Drehzahl-Zeit-Verlauf und daraus die mittlere Drehzahl (arithmetischer Mittelwert) berechnet (Bild 1). Wenn der genaue Bewegungsablauf nicht bekannt ist, hilft es, die Berechnung nach relativer Einschaltdauer durchzuführen. Hierbei werden alle Bewegungszyklen auf 100% referenziert und die einzelnen Anteile für Beschleunigung, Bremsen usw. prozentual abgeschätzt. Als Nächstes erfolgt die Umrechnung aller wirkenden Kräfte wie Reib-, Prozess- oder Gewichtskräfte in Drehmomente und die der Massen in Massenträgheitsmomente. Weiterhin gilt es auch \’weiche\‘ Faktoren wie zusätzliche Reibung durch Kabelschlepp zu berücksichtigen. Enthält der Antriebsstrang Übertragungselemente wie Getriebe oder Riemenvorgelege, ist es notwendig, die vorher genannten Werte noch auf die Motorseite umzurechnen. Anhand dieser aufgearbeiteten Größen ist es dann möglich, die erforderlichen Drehmomente am Motor zu berechnen. Ob der Motor Drehmoment abgeben oder aufnehmen muss, sprich motorisch oder generatorisch wirkt, hängt von der Wirkrichtung der Drehmomente ab. Um die thermische Auslastung des Antriebs zu prüfen, wird schließlich noch der Effektivwert des Drehmomentverlaufs (quadratischer Mittelwert) bestimmt (Bild 2). Motor, Wechselrichter bzw. Umrichter festlegen Damit sind die einzelnen Drehmomente mit den dazu gehörenden Drehzahlen bekannt und können in einem Diagramm eingezeichnet werden. Auch das Effektivmoment bei mittlerer Drehzahl wird hier eingetragen (Bild 3). Auf dieser Basis erfolgt die Auswahl eines Motors, der die einzelnen Drehmomente bereitstellen kann. Da erst jetzt auch das Massenträgheitsmoment des Motors bekannt ist, muss die Berechnung der Drehmomente noch einmal durchgeführt werden. Dabei steigen die einzelnen Drehmomente etwas an, sodass die Eignung des Motors noch einmal zu prüfen ist. Gegebenenfalls kann es erforderlich sein, den nächstgrößeren Motor zu nehmen. Steht der Motor und damit sein Strombedarf fest, erfolgt die Auswahl eines geeigneten Wechsel- oder Umrichters. Es genügt, wenn dieser den tatsächlichen Strombedarf aus den Drehmomentanforderungen abdeckt. Um die Auswahl zu erleichtern, stellt Rexroth an dieser Stelle Drehmoment-Drehzahl-Diagramme für komplette Motor-Regler-Kombinationen zur Verfügung. Versorgung, Zusatzkomponenten, Netzdrossel und -filter auswählen In einem modularen System mit mehreren Wechselrichtern an einer Gleichspannungsversorgung wird der erforderliche Leistungsbedarf pro Antrieb ermittelt und aufsummiert. In die Berechnung fließen Ein- und Rückspeise-Dauerleistung, die Spitzenleistung und die Rückspeiseenergie ein. Dieselben Größen sind notwendig, um erforderliche Zusatzkomponenten wie z.B. Bremswiderstände oder Zusatzkapazitäten zu ermitteln. Der letzte Schritt der Antriebsauslegung besteht in der Auswahl eventuell notwendiger Netzdrosseln und -filter. Diese richtet sich nach dem Netzstrom, der Anzahl aller an einer Einspeisung betriebenen Antriebe, der Motorkabellängen und den parasitären Kapazitäten der Kabel und Motoren. Fazit: Technisches Grundverständnis ist Voraussetzung Eine korrekte Antriebsauslegung verlangt eine strukturierte Vorgehensweise gepaart mit dem notwendigen Formelwissen und einem technischen Grundverständnis. Die ersten beiden Aspekte – Vorgehensweise und Formelwissen – können entsprechende Softwaretools heute zur Verfügung stellen. Darüber hinaus helfen sie, Zeit zu sparen, insbesondere wenn im Rahmen der Antriebsauslegung verschiedene Varianten zu berechnen sind. Das grundlegende Verständnis für die Technik muss der Ingenieur oder Techniker mitbringen. Nur so kann er alle Einflussgrößen berücksichtigen und erkennen, ob er einen Antrieb optimieren muss oder vielleicht auch Abstriche machen kann. Fehlt dieses, ist es schwieriger, Zusammenhänge richtig zu erkennen. Ein Beispiel: Für die Berechnung der Reibung werden Reibfaktoren oder -kräfte oftmals großzügig angesetzt. Greift diese \’Reserve\‘ noch für die Beschleunigung, kann es beim Bremsen aber schon anders aussehen. Denn hier vermindert die Reibung die Energie, die eventuell an einem Bremswiderstand in Wärme umgesetzt werden soll. Damit kann unter Umständen der Bremswiderstand nicht ausreichen.
Schritt für Schritt zum passenden Antrieb Bei der Antriebsauslegung ist Genauigkeit gefragt
-
Erfolgreiches Omlox-Plugfest
Auf dem Omlox-Plugfest prüften 21 Experten aus neun Unternehmen zwölf verschiedene Omlox-Komponenten, darunter UWB-Infrastruktur, Ortungstags, ergänzende Positionierungstechnologien, Omlox-Hubs und industrielle Softwareanwendungen.
-
Energy-Monitoring für nachhaltige Umgebungen
Plug&Play-Energieüberwachung
Facility-Management-Systeme (FMS) ermöglichen die Echtzeitmessung/-überwachung des Energieverbrauchs für die Kostenoptimierung. Sie unterstützen erweiterte Diagnosen und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Änderungen und betriebliche Anforderungen. Aber: Bestehende FMS-Lösungen sind nicht…
-
Philip Harting verstärkt VDMA-Hauptvorstand
Der VDMA hat Philip Harting in den Hauptvorstand aufgenommen.
-
Schwere Industriesteckverbinder bei der Montage und Inbetriebnahme
Schneller verbunden, schneller produktiv
Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Maschinen und Anlagenbau konfrontiert und welchen Beitrag können Steckverbinder bei der Lösung leisten? Einfache, standardisierte und möglichst automatisierbare Verbindungsprozesse werden zum entscheidenden…
-
Antriebstechnik
Hybridleitungen reduzieren Aufwand, Kosten und Störanfälligkeit
Antriebssysteme sollen heute kompakt, leistungsfähig und zuverlässig sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verkabelung, Montage und Betriebssicherheit. Hybridleitungen bündeln Energie- und Datenübertragung in einem Kabel, reduzieren den Aufwand…
-
DataTec verzeichnet 9% mehr Aufträge
DataTec hat das Geschäftsjahr 2025/2026 in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich abgeschlossen.
-
NIS-2 in fünf Schritten strukturiert und pragmatisch umsetzen
So gelingt das Setup
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind längst keine Ausnahme mehr. Produktionsanlagen, Steuerungen und vernetzte…
-
Design, Produktsuche und Beschaffung auf einer Plattform
Nachschlagewerk für Automatisierer
Wer als Maschinen- oder Anlagenbauer schnell die richtigen Komponenten finden, Schaltpläne skizzieren und…
-
Elektroexporte wachsen etwas langsamer
Mit Warenlieferungen im Wert von 20,7Mrd.€ verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie auch…
-
Virtuelle SPS: Reif für die Praxis?
Lange galt die virtuelle SPS als Zukunftsvision. Inzwischen sehen viele Hersteller sie als…
-
IIoT und Cloud-Visualisierung
Sensordaten sicher erfassen und weltweit visualisieren
Edge Computing und Cloud-Technologien verändern den Umgang mit Produktionsdaten. Maschinen- und Sensordaten lassen…
-
Interview auf dem Eplan Next26
Wie KI, Daten und Plattformen die Elektrokonstruktion verändern
Auf dem Event Eplan Next26 in München standen die Zukunft des Engineerings, künstliche…
-
Stromversorgung außerhalb des Schaltschranks
Netzteilreihe mit Schutzart IP67
Mit der neuen Netzteilreihe S8NR bringt Omron robuste Netzteile mit Schutzart IP67 auf…
-
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich ins VDI-Präsidium gewählt
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich wurde mit Wirkung zum 1. Juli in das Präsidium…
-
Intelligentes Transportsystem sorgt für mehr Flexibilität beim Labeling
Digitaldruck in sechs Freiheitsgraden
Herkömmliche Druckverfahren mit Kunststoff- und Papieretiketten sind mit langen Rüstzeiten, häufigen manuellen Eingriffen…
-
Ansatz für nachhaltige Produktentwicklung
Neue Kategorie der Weltdarstellung
Die 3D Univ+rses sind eine neue Kategorie der Weltdarstellung, entwickelt von Dassault Systèmes.…
-
Hochmanövrierfähige Fahrzeugplattform mit Hebeeinrichtung
Omnidirektional
Weiterentwicklungen in der Handhabungs- und Montagetechnik steigern den Grad der automatisierten Produktion. Effiziente…
-
Schwarz Digits eröffnet neuen Campus
Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, hat ihren neuen Campus…
-
Update-Management für vernetzte Maschinen
Aus Pflicht wird Potenzial
Vernetzte Maschinen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg aktualisiert werden und Hersteller müssen…
-
Geräteschutz und digitale Transparenz verbinden
IIoT-Framework
Mit dem IIoT-Framework Caparoc erweitert Phoenix Contact die Kommunikationsmöglichkeiten des gleichnamigen Geräteschutzschalter-Systems um…
-
Für den Maschinen- und Anlagenbau
Robuste Wellschläuche
In der automatisierten Fertigung müssen Kabelschutzschläuche von Maschinen, Bearbeitungszentren und CNC-Anlagen vielfach hohe…
-
Für effizienteres Kabelmanagement Mehrfachdurchführungen
Mit den robusten Kabeldurchführungen der Serie MCE Pro und dem modularen System MCE…
-
Cybus beruft Stefan Schwab zum Co-CEO
Cybus hat Stefan Schwab mit Wirkung zum 1. Juli zum Co-CEO berufen.
-
Spatenstich für Hummel-Werkserweiterung
Mit einem symbolischen Spatenstich hat Hummel das offizielle Startsignal für die geplante Werkserweiterung…
-
Mit 3 Metern Reichweite
Kompakte Ultraschallsensoren
Mit den Ultraschallsensoren U1KM in Miniaturbauform erweitert Wenglor sein Portfolio um eine Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
Edge, Cloud und Cybersecurity in der Praxis
IIoT im Realitätscheck: Warum Vernetzung heute anders gedacht wird als 2020
-
Funktionale Sicherheit
SIL3 auf dem Touchscreen: Wie sichere HMIs die Bedienung neu denken
















