
Während die KI-Landschaft von US-amerikanischen und chinesischen Modellen geprägt wird, ist Europa bei großen Sprachmodellen bislang stark auf Anbieter aus dem Ausland angewiesen. Laut Bitkom-Studie zur digitalen Souveränität 2025 sehen sich 89 Prozent der deutschen Unternehmen bei digitalen Technologien als abhängig vom Ausland. Für Industrieunternehmen betrifft dies nicht nur die technologische Souveränität, sondern auch den Umgang mit sensiblem Produktions- und Prozesswissen.
Mit Vector hat DBR77 deshalb ein Large Language Model mit 120 Mrd. Parametern entwickelt, das gezielt auf industrielle Entscheidungsprozesse ausgerichtet ist. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde das Modell im Juni 2026 auf der All About Automation in Hamburg.

Auf Industrieprozesse spezialisiert
Anders als universelle Sprachmodelle verfolgt DBR77 einen vertikalen Ansatz. Vector wurde nach Angaben des Unternehmens auf Basis von mehr als 1.400 Industrieprojekten trainiert und verbindet Sprachverstehen mit Materialfluss-, Engpass- und Wirtschaftlichkeitslogik. Damit soll das Modell beispielsweise bewerten, welche Auswirkungen der Austausch einer Fertigungszelle auf Stillstandszeiten und Amortisation hat oder an welchem Standort eine Modernisierung wirtschaftlich und technisch sinnvoller ist. Im Mittelpunkt steht damit weniger die Konversation mit dem Anwender als die strukturierte Bewertung industrieller Handlungsoptionen. KI-unterstützte SPS-Programmierung eröffnet neue Möglichkeiten. Über das Model Context Protocol (MCP) greifen Sprachmodelle direkt auf SPS-Projekte zu. So kann SPS-Code im Entwicklungsalltag automatisiert erstellt, analysiert und dokumentiert werden. ‣ weiterlesen
KI: Schneller zum SPS-Code

Datensouveränität als Architekturprinzip
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Datensouveränität. Die Plattform lässt sich On-Premise, über Private APIs oder in isolierten Unternehmensumgebungen betreiben. Kundendaten werden laut DBR77 nicht für externes Modelltraining verwendet. Die Deployment-Prozesse sollen zudem auditierbar sein und europäische regulatorische Anforderungen an industrielle KI-Systeme berücksichtigen. Damit will das Unternehmen eine Alternative zu cloudbasierten KI-Modellen schaffen, wenn sensible Produktionsdaten das Unternehmen nicht oder nur unter definierten Bedingungen verlassen dürfen. Maschinen kommunizieren, reagieren und steuern Prozesse. Nur ihr Licht wird oft noch als passive Komponente behandelt. Dabei zeigen SPS-Anbindung, IO-Link und Signalfunktionen: Intelligentes Licht kann längst mehr als leuchten. ‣ weiterlesen
Wie intelligent ist Licht?
Vom Modell zur Entscheidung
Vector bildet die zentrale KI-Schicht im DBR77-Portfolio und ist mit den Lösungen Consultify, Digital Twin, Industrial IoT und IRIS verknüpft. Auf dieser Basis sollen Produktions-, Automatisierungs- und Transformationsprozesse datenbasiert analysiert und optimiert werden. Zu den vorgesehenen Anwendungen gehören Engpassanalysen, Greenfield- und Brownfield-Planungen, Automatisierungsstrategien sowie ROI-Bewertungen. Adressiert werden insbesondere mittelständische und große Industrieunternehmen aus Automotive, Maschinenbau, Logistik, Lebensmittelproduktion und Elektronikfertigung.

















