Die Maschine ist hallenfüllend: 40 m lang und 6m hoch bringt sie eine Masse von 260t auf den Boden. Die gigantische Laserhybridschweißanlage steht bei der Meyer Werft in Papenburg. Teile der berühmten Aida-Schiffe werden auf ihr geschweißt. Gut 250m lang ist ein solches Clubschiff. 15 Stockwerke türmen sich auf und bieten mehr als 2.000 Passagieren Platz. Die Ansprüche der Meyer Werft an die Maschinen, die für die Produktion eines solchen Schiffes benötigt werden, sind hoch: Die Schweißanlage ist mit einem 12kW CO2 Laser von Trumpf und einer 900A MIG Stromquelle ausgestattet. \“Durch diese Anlage wird die Anzahl der Verbindungsstellen über die Länge eines Schiffes erheblich reduziert und damit werden Kosten gespart\“, verkündet der Maschinenbauer, die Held Systems Deutschland GmbH in Heusenstamm, nicht ohne Stolz. Anspruchsvolle Aufgaben warteten auf alle Partner bei diesem Projekt der Superlative. Mit zentraler Funktion dabei: Die IBH Automation Gesellschaft für Steuerungstechnik mbH in Kornwestheim. Denn von der Hard- und Softwareschmiede nahe Stuttgart stammen nicht nur die Steuerung der Schweißnahtverfolgung und das Management der Schnittstellen, sondern auch die Dateninformationsübertragung. Mehr als 30 Sercos-Achsen hat die Steuerung zu bewältigen. \“Und wir mussten sehr viele Schnittstellen managen\“, berichtet IBH-Geschäftsführer Roland Jaensch. Wenn Jaensch dies in seiner gelassenen Art fast beiläufig erwähnt, dann klingt das nach einer Selbstverständlichkeit. Tatsächlich aber bildet eine solche Anbindung fast ein eigenes Arbeitsfeld. Das IBH-Team integrierte die Anforderungen des Kunden in das Projekt. \“Es ist uns wichtig, dem Kunden schnell Lösungen anbieten zu können\“, begründet Jaensch. Dabei scheint die Aufgabe der Maschine auf den ersten Blick gar nicht so kompliziert: Auf liegende Panelbleche, die später im Innenbereich der Schiffe das Deck und die Zwischenwände bilden, werden zur Versteifung senkrecht stehende, sogenannte Aufsetzer geschweißt. Bis zu 30m sind die Versteifungsstücke lang, die mit dem Laser-Hybrid-Schweißverfahren verbunden werden. Im Schweißportal wird die Naht zwischen Aufsetzer und Panelblech selbstständig gesucht und verbunden. Sobald ein Aufsetzer verschweißt ist, wird das Panel zur nächsten Naht weitertransportiert. Nur bei Störungen – wenn beispielsweise der Spalt zu breit ist oder wenn Schmutz den Vorgang zu stören droht – muss der Bediener eingreifen. An die Güte der Schweißnaht werden auf der Meyer Werft hohe qualitative Anforderungen gestellt. Denn wenn das Blech das Schweißportal verlässt, wandert es weitgehend direkt an die Position im Schiff. Penibel überwachen Kameras und Sensoren deshalb den Fügeprozess. Basis für die Lösung bildet dabei eine besondere Schweißnahtführung: \“Wir sprechen von einer CNC-integrierten Schweißnahtführung\“, erläutert Dr. Walter Schwabe, Geschäftsführender Gesellschafter der ibs Automation GmbH in Chemnitz. Damit soll ausgedrückt werden, dass, im Gegensatz zu bekannten technischen Lösungen zur Schweißnahtverfolgung, nicht die im Programm hinterlegten Positionen im Interpolator korrigiert werden, sondern ein neues NC-Programm in der CNC automatisch generiert wird. In der Praxis kann die IBH-CNC-Steuerung mit CNC-integrierter Nahtführung Schweißbahnen mit einer Geschwindigkeit oberhalb von 10m/min bei einem Bahnradius von 40mm und einer Bahngenauigkeit von +50µm generieren. Dieses Kunststück gelingt nur, wenn tief in die CNC-Betriebsystem-Software eingegriffen wird – einen Weg, den die Kornwestheimer geebnet haben: Als sogenannter Compile-Zyklus wird die Schweißnahterkennung auf die CNC aufgesetzt. Als einer der wenigen Hersteller in Deutschland stellt IBH diese Schnittstelle zur Verfügung. Bei Maschinenbauern ist diese Schnittstelle durchaus beliebt, lassen sich doch über sie leicht bestimmte Funktionen und eigene Software-Entwicklungen in C++ in die CNC-Software einbinden. Ohne über eine aufwändige Sondersoftware zu gehen, können über diese offene Tür für Zusatzfunktionen spezielle Kundenanforderungen vergleichsweise einfach realisiert werden. \“Damit kann jeder OEM eigenes Know-how in die Steuerung einbringen\“, verdeutlicht Jaensch die Vorteile dieser offenen IBH-Strategie. Neben der CNC-integrierten Schweißnahtführung wurde bei der Anlage auf der Meyer Werft eine online Nahtgeometriekontrolle eingesetzt. Über Profibus ist sie an die IBH Steuerung angeschlossen. Der Informationsverkehr ist enorm: In beide Richtungen werden Datenpakete übertragen. Die Steuerung überträgt auch während der aktiven CNC-integrierten Schweißnahtführung Parameter zum Nahtsensor. \“Somit werden Parameteränderungen \’on-the-fly\‘ möglich\“, benennt Jaensch den Vorteil. Und Dr. Schwabe ergänzt: \“Da der Nahtsensor neben der Position der definierten Schweißnaht wie Überlappstoß, I-Naht oder Kehlnaht auch weitere Daten wie Spalt oder Winkel der Kehlnaht übertragen kann, werden anwendungsspezifische Datenstrukturen kommuniziert.\“ Im Kern des Schweißgiganten arbeitet eine kompakte macro 8005 NT (New Technologie) der Kornwestheimer. Und die IBH-Techniker machten die Steuerung für noch weitere Anforderungen fit. Dazu gehört auch das Thema Kommunikation: Denn die Daten für die Maschine kommen direkt aus der Konstruktion. Vom dortigen CAD/CAM-System werden sie in NC-Programme überführt. \“Die Anlage arbeitet sozusagen just-in-time\“, verdeutlicht Jaensch den verlustarmen Ablauf. Sowohl an der Maschine direkt, wie auch in der Konstruktion steht ein Bedienfeld, das auch über den Fortgang des Prozesses Auskunft gibt. Auch nicht von jeder Steuerung ohne umständliche und unter Umständen störanfällige Verstärkungsmaßnahmen zu bewältigen: die gut 30m, die in der Fertigungshalle der Meyer Werft zwischen Maschine und Konstruktionsbüro liegen. Die Kommunikation läuft tatsächlich ohne Verzögerung. \“Wenn wir Echtzeit sagen, dann meinen wir das auch so\“, bestätigt Jaensch. Wer bei einem solchen Ansturm von Daten und Anforderungen nicht auf echte Offenheit setzt, der würde wohl schnell in den Fluten untergehen. Eine PC-basierte Steuerung bringt kostengünstig viele Andockmöglichkeiten von Hause aus mit. Ob Ethernet, USB oder welcher Bus auch immer angeschlossen werden soll – bei einem echt offenen System müssen dafür keine Hilfskonstruktionen angestrengt werden. \“Wir sind gut im Integrieren\“, freut sich deshalb Jaensch. Die Philosophie des offenen Systems ist für ihn bei dieser Laserschweißanlage der Superlative wieder einmal \’voll aufgegangen\‘. In zwei IBH Hochleistungs-Industrie-PCs ist die Steuerung untergebracht. Deren standardisierte Architektur erlaubt es dem Kunden, Features vom klassischen PC zu nutzen. So kann beispielsweise die Datensicherung problemlos selbst vorgenommen werden. Standardisierte Schnittstellen – wie Ethernet oder USB -, die im Consumer-Markt üblich sind, erlauben ein Datenhandling ohne Spezialkenntnisse. Die Steuerung kann deshalb auch sehr einfach in ein vorhandenes PC-Netzwerk eingebunden werden. Sollte evtl. doch einmal ein Problem auftauchen – via Remote Control kann der IBH Service umgehend darauf reagieren, der Kunde erhält somit möglichst weitreichende Produktionssicherheit. Ein weiterer pfiffiger Nutzen offenbarte sich während der Inbetriebnahme: Die Dokumentation direkt auf der Maschine. So wurden gezielt Teile der Dokumentation als HTML und PDF ausgelesen und in die Visualisierung eingebunden. Der Bediener kann sich so schnell und mit Hilfe von gewohnten Browser-Funktionen (\’Such/Finden\‘-Optionen) im Steuerungs-Bedienungs-Menü an der Maschine informieren, ohne lange dicke Handbücher wälzen zu müssen. Und die Frage nach der Zukunftssicherheit seiner Steuerungen lässt bei Jaensch Gelassenheit aufkommen. \“Im Grunde altern die offenen IBH-CNCs nicht\“, so der Steuerungs-Spezialist. Denn die technische Entwicklung bringe schnellere Prozessoren und verbesserte Arbeitsspeicher. Neuerungen könnten immer wieder als Upgrade zur Leistungsverbesserung einfließen. Jaensch spricht aus den Erfahrungen einer mehr als 30-jährigen Geschichte der macro-Baureihe. Viele Werkzeugmaschinen mit diesen Steuerungen verrichten noch heute zuverlässig ihren Dienst. Dass im globalen Wettbewerb auch auf deutschen Werften weiterhin Schiffe gebaut werden können, hängt sicher nicht zuletzt von solchen Lösungen ab, wie sie auf der Meyer Werft realisiert wurden. Hochspezialisierte und innovative Partner fanden zusammen, um im Wettstreit der Werften für Papenburg einen wichtigen Vorsprung herauszuholen.
Wie eine PC-basierte Steuerung echte Offenheit beweist Brücke an Maschinenraum: Volle Kraft voraus!
-
Vorschau Hannover Messe 2026
KI als produktive Kraft in der Fabrik
Auf der Hannover Messe 2026 vom 20. bis 24. April soll künstliche Intelligenz (KI) in der Industrie greifbar werden. Praxisnah und anwendungsorientiert möchte die Messe zeigen, wie produzierende…
-
Virtuelle Inbetriebnahme als strategisches Werkzeug
Anforderungen beim Retrofit
Die virtuelle Inbetriebnahme wird im Maschinenbau häufig dafür genutzt, um Steuerungssoftware bereits vor der realen Inbetriebnahme zu testen und diese frühzeitig zu optimieren. Auf der Seite der Maschinenhersteller…
-
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die…
-
Warum KI im Mittelstand einen neuen Ansatz braucht
Vom Hype zur Wirkung
Eine aktuelle PwC-Studie unter mehr als 4.400 CEOs weltweit zeigt, dass die erhofften Geschäftserfolge durch KI bislang ausbleiben. In Deutschland haben gerade einmal 11 Prozent der befragten Unternehmen…
-
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen ist. Das MX-System ermöglicht die schaltschranklose Automatisierung von Maschinen und Anlagen und eröffnet so neue…
-
Klaus Conrad – Unternehmer, Visionär, Möglichmacher
90 Jahre Pioniergeist
Mit 18 Jahren tritt er ins Familienunternehmen ein, mit 40 übernimmt er die Leitung – und prägt Conrad Electronic über Jahrzehnte hinweg als Versandpionier, Logistikinnovator und europäisch agierende…
-
Miniatur-Sensoren realisieren hohe Reichweiten
So weit, so klein
Mit hoher Reichweite, kompaktem Design und optionaler IO-Link-Anbindung eignen sich die Sensoren der neuen O-33/O-34-Serie von Di-Soric für zahlreiche industrielle Anwendungen und unterstützen Maschinenbauer dabei, Prozesse stabiler und…
-
Anzeige
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei…
-
Beckhoff verbindet Sprachmodelle mit Echtzeitsteuerung
Physical AI: Wenn KI direkt Maschinen steuert“
Ein zentrales Thema für Beckhoff auf der Hannover Messe 2026 ist die Verschmelzung…
-
Scada-Plattform Atvise mit Updates
Mehr Sicherheit und Kompatibilität für Scada-Systeme
Mit den Versionen 3.13 und 3.14 erweitert Bachmann Electronic seine Scada-Plattform Atvise um…
-
Anzeige
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen…
-
Neue Bremssättel für Scheibenbremsen
Elektromagnetische Lüftung für hohe Stundenliestung
Die federbetätigten und elektromagnetisch gelüfteten Bremssättel der Baureihe MV FEM von Ringspann zeichnen…
-
Guido Schuette leitet Wago-Geschäftsbereich Automation
Wago gibt bekannt, dass Guido Schuette zum 1. April als Chief Business Officer…
-
Neues Logistikzentrum für Unitechnik
Unitechnik Systems investiert 3,5Mio.€ in eine automatisierte Logistikanlage am Firmensitz in Wiehl.
-
Durchgängiges Engineering – von der Planung bis zum Betrieb
Insellösungen überwinden
In der Robotik führen die Bruchstellen zwischen Projektphasen und Systemen zu signifikantem Mehraufwand,…
-
Steuerung, Virtualisierung und Machine Learning auf einer gemeinsamen Plattform
KI für die SPS
Als virtualisierte, hardwareunabhängige Steuerungsplattform ermöglicht die Virtual PLCnext Control eine flexible und skalierbare…
-
Mobile Cobot-Lösung erhöht die Produktivität in der CNC-Fertigung
Für wechselnde Losgrößen und große Produktvielfalt geeignet
Das auf CNC-Präzisionsfertigung spezialisierte Unternehmen Harris RCS Ltd. verarbeitet eine Vielzahl von Materialien,…
-
Die Myzel Lifecycle Platform vernetzt Menschen, Maschinen und Daten
Wenn Sicherheit Wurzeln schlägt
Produktionsanlagen werden komplexer, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Dokumentation und Compliance. Betreiber…
-
So verändert KI die visuelle Inspektion
Weniger Regeln, mehr Verlässlichkeit
Der Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Qualität und Flexibilität erhöhen den Druck auf…
-
10. Drehgeberrunde auf der SPS 2025
Blick zurück und in die Zukunft
Die Podiumsdiskussion auf der SPS 2025 markierte ein besonderes Jubiläum: Bereits zum zehnten…
-
ASi bringt Industrie-4.0-Schnittstellen auf die unterste Feldebene
Einfach, sicher, skalierbar
AS-Interface – kurz ASi – ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der industriellen Automatisierung.…
-
Energiekette mit Zugentlastung versorgt Umschlagmaschine
Stabile Verbindung für höhenverstellbare Kabine
Die höhenverstellbare Fahrerkabine der Umschlagmaschinen aus der neuen G-Serie von Fuchs stellt besondere…
-
Auftragseingang im Indus-Segment Engineering steigt um 26,9%
Trotz der schwachen globalen Industriekonjunktur lag der Umsatz im exportorientierten Indus-Segment Engineering mit…
-
Very-Small-Form-Factor-Technologie für Next-Generation-Netze
MMC-Stecker für hochdichte Glasfaserverkabelung
Rosenberger OSI erweitert sein Portfolio um den MMC-Stecker (Miniature Multifiber Connector), eine Very-Small-Form-Factor-(VSFF)-Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
-
Mobiler Flugzeugsimulator ermöglicht realistische Trainingseinsätze direkt am Flughafen
Realistische Feuerwehr-Simulation steigert Sicherheit am Flughafen





















