Automatisierungs- und Steuerungshersteller fordern durchgängige, zukunftssichere internationale Standards, und die Anwender benötigen Investitionssicherheit. Immer mehr Anwendungen in Produktionsprozessen werden über Ethernet realisiert. Dies reduziert Wartungs- und Betriebskosten. Bestehende Standards und Anwendungen wie z.B. Profinet müssen über Jahre hinaus unterstützt werden. Daraus entstand die Forderung, Applikation und Netz zu trennen. Das funktioniert nur auf der Grundlage einer einheitlichen Plattform, einer anwendungsneutralen Kommunikationsverkabelung, wie sie in der Normenreihe EN50173-1, -2, -3 bzw. in den internationalen Normen ISO/IEC11801 und ISO/IEC24702 standardisiert ist. Aufgrund der anwendungsneutralen Verkabelung wird die eingesetzte Produktvielfalt reduziert, der Einsatz von Massenprodukten ermöglicht, die Abnahmemessungen vereinheitlicht und der Schulungsaufwand reduziert. Außerdem werden die Fehlersuche, der Betrieb, die Wartung und die Dokumentation des Netzwerkes vereinfacht. Auswahl des Kabels Die Ansprüche an die Übertragungseigenschaften entsprechen im Industrieumfeld häufig noch nicht den Anforderungen des Office-Bereichs. Diese Tatsache kann genutzt werden, um Kosten zu reduzieren, ohne die Zukunftssicherheit zu gefährden. So sollte die Auswahl des Kabels nach hohen Standards (Kategorie 7 und besser) erfolgen, da die Kabelverlegung einen hohen Kostenaufwand darstellt und eine Erhöhung der technischen Anforderungen zu unnötigen Mehrkosten führen würde. Die Anschlusstechnik kann durchaus auf das notwendige Niveau beschränkt bleiben, wenn eine intelligente Anpassung an geänderte Gegebenheiten, sowohl übertragungstechnischer als auch baulicher bzw. produktionstechnischer Natur, möglich ist. Das VarioKeystone-Anschlusssystem von Leoni Kerpen wurde für diese Anforderungen entwickelt. Neben dem elektrischen bzw. optischen Übertragungskanal spielt der Umgebungskanal eine wichtige Rolle. Denn er muss den unterschiedlichen Bedingungen im Office- und Industrieumfeld gerecht werden. Die Umgebungsbedingungen werden in vier grundlegenden Charakteristika beschrieben: MICE (Kasten). Die Klassifikation kann über die Länge der Übertragungsstrecke variieren. Mechanische Belastungen sind beispielsweise im Office-Umfeld eher gering. Das Eindringen von Flüssigkeiten, größere klimatische und chemische Belastungen sind ebenfalls nicht zu erwarten. In industriell genutzten Gebäuden hingegen sind die Bedingungen rau. Mechanische Belastungen, Staub, Schmutz und Flüssigkeiten, hohe, sich schnell ändernde Temperaturen, Sonneneinstrahlung und korrosive Substanzen können auf die Komponenten einwirken. Auch elektromagnetische Störungen beeinflussen das Verkabelungssystem. Deshalb haben Leoni Kerpen und Harting ihre Kompetenzen gebündelt und ein branchenunabhängiges, applikationsneutrales und umgebungsangepasstes Verkabelungssystem entwickelt. Zu diesem gehören Kategorie- 7-Installationskabel in AWG 22 für die Office-Verkabelung sowie robuste mit verstärktem Außenmantel bis hin zu öl- und chemikalienbeständigen Kabel. Die Anschlusstechnik wird mit dem VarioKeystone-System von Leoni Kerpen realisiert. Flexible Anschlusstechnik Das VarioKeystone-System bietet ein flexibles Anschlusskonzept. Die Komponenten ermöglichen Übertragungsstrecken besser als Klasse E. Aufgrund der modularen Bauweise ist es möglich, das Steckgesicht bei Bedarf mit geringem Aufwand von RJ45 auf Tera zu ändern. Eine Neuinstallation der Datendosen ist nicht erforderlich. Sollten zukünftig neue Steckgesichter auf den Markt gebracht werden, ist eine Anpassung möglich. Das Anschluss-System bietet die Möglichkeit der Verlängerung oder Änderung eines Links. Dies kommt bei Verkabelungen zum Tragen, die nur auf einige Jahre ausgelegt sind wie z.B. in der Automobilindustrie. Mit dem Link-Extender lassen sich zwei mit Kabelsteckern konfektionierte Kabel verlustarm verbinden bzw. verlängern. Die Konfektionierung der Kabelstecker vor Ort erfolgt mit gängigen Werkzeugen. Zusätzlich wird lediglich eine Parallelverpresszange benötigt. Die Buchsen-Module lassen sich von Hand aufstecken und bei Bedarf mit einem Entriegelungswerkzeug entfernen. Für den Anschluss im Office-Bereich stehen feste und ausziehbare Patchfelder, ein Zwei-Port-Hutschienengehäuse, das modulare, universelle VarioLine-CP (Consolidationpoint)-Programm für 6, 12 und 24 Kanäle sowie das VarioLine-TO-Wanddosenprogramm zur Verfügung. Industrie-Outlets Für die raue Industrieanwendung wurden Industrie-Outlets von Harting in Kunststoff-PushPull- und Han-3-A-Metallausführung ausgewählt. Das Kunststoff-PushPull-System ermöglicht die einfache Bedienung und eine sichere, gegen Vibration unempfindliche, IP65-/IP67-dichte Verbindung. Aufgrund des PushPull-Verschlussmechanismus ist ein Rastbügel nicht notwendig. Der Stecker wird mit einer Hand, geringem Kraftaufwand und mit einem hörbaren Klick betriebssicher gesteckt. Genauso lässt sich die Verbindung im Servicefall lösen. Er ist der kleinste Steckverbinder mit der Schutzart IP65/67, der für RJ45 und den optischen Steckverbinder LC-Duplex eingesetzt werden kann. Der PushPull-Stecker ist in der IEC61076-3-106-Variante 4 standardisiert und international für die anwendungsneutrale Industriegebäudeverkabelung genormt. Mechanische Belastungen Die Han-3-A-Metallausführung ist für den Einsatz unter mechanischen Belastungen einsetzbar. Die Steckverbindung wird dabei durch einen Rastbügel gehalten. Wanddurchführungen in den beiden Varianten ergänzen das Programm. Die Industriepatchkabel mit den entsprechend geschützten RJ45-Steckern genügen der Kategorie 6 und sind in IP65/67 ausgeführt. Die verwendeten Flexkabel sind aufgrund ihres Aufbaus und des PUR-Mantels robust, abriebfest und weisen gute chemische Eigenschaften auf. Damit bietet das zertifizierte Industrie-Programm ein Verkabelungssystem mit Zukunftssicherheit und Flexibilität. Zwischenbauzustände, variable Bauzustände und neue Steckgesichter sind kein Problem mehr – auch unter rauen Umgebungsbedingungen, die in den MICE-Klassen beschrieben werden.
Zertifizierter Übertragungskanal: Anwendungsneutrale Industrie-Verkabelung
Office- und Industrie-Welt wachsen mehr und mehr zusammen. Da die Vertriebsabteilungen aktuelle Fertigungs-Daten benötigen oder die Fertigungsplanung kurzfristig in Produktionsprozesse eingreifen muss, ist eine einheitliche IT-Plattform notwendig. Leoni Kerpen und Harting haben gemeinsam hierfür eine anwendungsneutrale Kommunikationsverkabelung entwickelt.
LEONI Kerpen GmbH
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