Zentral sowie dezentral effizient vernetzt

Dimitrios Koutrouvis, CEO der Friedrich Lütze GmbH: "Der Schaltschrank sowie dessen Kühlung und Montage mit Airstream bleibt bei uns natürlich weiterhin ein zentrales Element, doch der Trend zur Dezentralisierung und vernetzten Connectivity ist eindeutig."
Dimitrios Koutrouvis, CEO der Friedrich Lütze GmbH: „Der Schaltschrank sowie dessen Kühlung und Montage mit Airstream bleibt bei uns natürlich weiterhin ein zentrales Element, doch der Trend zur Dezentralisierung und vernetzten Connectivity ist eindeutig.“Bild: TeDo-Verlag GmbH

Herr Koutrouvis, wie hat sich Lütze durch die Übernahme durch Amphenol verändert – sowohl strukturell als auch kulturell?

Die Integration in den Amphenol-Konzern brachte weitreichende strukturelle Veränderungen mit sich. Jedes Amphenol-Unternehmen – und damit auch die internationale Lütze Gruppe – folgt einer einheitlichen Führungsstruktur mit klar zugewiesenen Rollen: einem CEO und einem CFO. Die Lütze-Gesellschaften selbst sind dabei in die Lütze International Group eingebunden, was Transparenz schafft und es ermöglicht, die Geschäftsbereiche Automation und Transportation über mehrere GmbHs hinweg geordnet und stabil zu führen.

Trotz der neuen Eigentümerstruktur war es uns wichtig, die Unternehmenskultur zu bewahren. Der Übernahmeprozess wurde sehr transparent gestaltet. Ganz bewusst wurde darauf geachtet, unsere familiäre Kultur und die Verantwortung gegenüber der Belegschaft sowie dem Standort zu erhalten. Die Unternehmen von Lütze bleiben dementsprechend auch nach außen sichtbar und behalten ihre Identität. Wir sehen uns als Teil eines großen Netzwerks, nicht als abgespaltener Einzelteil. Amphenol versteht sich als ‚das größte kleine Unternehmen der Welt‘ – mit insgesamt 144 Unternehmen und rund 15 Mrd. Euro Umsatz. Die Zusammenarbeit verläuft dabei eher partnerschaftlich als zentralistisch.

Bleiben Lütze Transportation und Friedrich Lütze eigenständig oder werden sie doch stärker integriert?

Die Firmen werden nicht vollständig in Amphenol integriert, sondern in die Familie aufgenommen. Synergien werden dort genutzt, wo es Sinn macht – operative und kulturelle Identitäten bleiben aber gewahrt. Unsere Verantwortung liegt darin, die Perspektive und Sicherheit für die Standorte und unsere Mitarbeitenden zu erhalten.

Was bedeutet die Übernahme für die Marktposition von Lütze – sind Veränderungen im Wettbewerb spürbar?

Gerade im Bereich Factory Automation in Europa und in der Bahnindustrie genießen wir einen guten Ruf. Durch den Zusammenschluss konnte Lütze seine Marktposition noch stärken. So sind wir in Nord- und Südamerika bislang weniger bekannt. Durch das internationale Netzwerk von Amphenol ergeben sich für uns dort neue Chancen. Das Ziel ist es, die regionale und anwendungsspezifische Präsenz auszubauen und die Marke gezielt in neuen Märkten zu positionieren.

Hat sich die Strategie in Bezug auf Kunden und Vertrieb gewandelt?

Im Vertrieb wurde die Strategie klar auf spezifische Zielmärkte und Subsegmente ausgerichtet. Wir gehen gezielt auf einzelne Segmente im Maschinenbau, wie Metallverarbeitung, Kunststoff- oder Lebensmittelmaschinen. Für jedes dieser Segmente bieten wir gezielte Lösungen. Das klassische PLZ-gebundene Vertriebssystem wird zunehmend vom Ansatz eines Markt- und Branchenexperten abgelöst. Der Vertrieb fokussiert sich nicht mehr auf reine Produktkataloge, sondern auf passgenaue Lösungspakete.

 Dimitrios Koutrouvis mit Frank Nolte
Dimitrios Koutrouvis mit Frank NolteBild: TeDo-Verlag GmbH

Die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen im Netzwerk erfolgt projektbezogen. Während die anderen Unternehmen jeweils ihren eigenen Vertrieb haben, liegen unsere Schwerpunkte auf OEMs als Hauptzielkunden. Zudem greifen wir auf Amphenols Common Sales Force zurück – besonders in neuen oder international schwierigen Regionen. Der Nutzen gemeinsamer Strukturen erstreckt sich dabei auch auf den Service und die Produktion. Ein Beispiel dafür ist unsere Fertigung in Indien, wo wir sicherheitsgerichtete Steuerungen und I/Os für die Bahn produzieren. Hier sieht man, dass es bei der Fertigung in Asien nicht unbedingt um Low-Cost-Produkte geht, sondern um international anerkannte Qualität.

Was steht im Fokus der aktuellen Strategie – haben sich Geschäftsfelder oder Zielmärkte verändert?

Die Kerngeschäftsfelder bleiben unverändert. Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Bereiche Automation und Transportation sowie OEM-Kunden. Zudem gewinnen natürlich Themen wie Energieeffizienz und Digitalisierung im Schaltschrank an Bedeutung, auch Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte werden verstärkt berücksichtigt. International liegt der Fokus für Transportation vor allem auf Indien, im Bereich Automation sind China, Südkorea, Japan und zunehmend auch Vietnam wichtige Märkte.

Wo sind Investitionen und Modernisierungen geplant?

Der Standort Deutschland bleibt zentraler Bestandteil unserer Zukunftsstrategie. Unser Ziel ist es, flexibler in der Organisation sowie der Fertigung zu werden. Dabei setzen wir auf innovative Produkte, durchgängige Digitalisierung und eine Modernisierung unserer Produktion. Viele Prozesse lassen sich bereits mit kleinen, gezielten Investitionen automatisieren – dabei sind Cobots ein wichtiger Baustein, der insbesondere für die Serienfertigung sowie wiederkehrende Abläufe neue Möglichkeiten eröffnet.

Wie entwickelt sich das Produktportfolio? Werden neue Produkte oder Technologien hinzukommen?

Bei der Weiterentwicklung des Portfolios hält Lütze an einer konsequenten Aufteilung nach ‚inside cabinet‘ und ‚outside cabinet‘ fest. Wir haben schon früh Automatisierungskomponenten außerhalb des Schaltschranks entwickelt und werden diesen Bereich weiter ausbauen – insbesondere bei robusten, feldtauglichen IP67-Lösungen. Interfacetechnik, Spannungsversorgung und Ethernet-Infrastruktur für den Schaltschrank sowie dessen Kühlung und Montage mit Airstream bleibt bei uns natürlich weiterhin ein zentrales Element, doch der Trend zur Dezentralisierung und vernetzten Connectivity ist eindeutig.

Im Bereich Control und Digitalisierung steht mit Luna eine neue Serie zur Stromüberwachung für Bahn- sowie Automatisierungsanwendungen bereit. Zur nächsten SPS in Nürnberg präsentieren wir außerdem einen modernen Airstream-Konfigurator für die digitale Planung und Auslegung von Klimatisierungslösungen für den Schaltschrank.

Auch in der Kundenperspektive bleibt Flexibilität für uns entscheidend. Schließlich bieten wir keine Nischenlösungen, sondern bündeln technologisches Knowhow zu umfassenden, übergreifenden Paketen, die den Maschinenbauer im Alltag pragmatisch unterstützen.

Wo möchten Sie Lütze Automation in fünf Jahren sehen?

Der Fokus bleibt klar auf den Kunden – lokal wie international. Wir wollen unsere Nähe zum Kunden weiter ausbauen, und zwar über die Region hinaus. Die Anforderungen einzelner Subsegmente sollen präzise adressiert werden. Unser Ziel ist es, den Kundenerfolg auch zukünftig durch passende Lösungen im Bereich Connectivity, Digitalisierung und Automatisierung zu ermöglichen – und Lütze als zuverlässigen Partner für Qualität und Bodenständigkeit zu positionieren.

Seit jeher steht Lütze für Kontinuität, passt sich aber flexibel den Herausforderungen der globalen Märkte an. Die Zugehörigkeit zur Amphenol-Gruppe verstärkt unsere Möglichkeiten, bleibt aber dem Selbstverständnis eines lösungsorientierten Mittelständlers verpflichtet.