Welche Rolle spielen bei der Anwendungsentwicklung vorgefertigte Applikationen bzw. Funktionen im Studio 5000 z.B. auch um dem aktuellen Fachkräftemangel besser begegnen zu können?

Moret: Studio 5000 ist unsere Softwareumgebung für die Umsetzung von Automatisierungsprojekten. Es ist ein umfangreiches, interdisziplinäres Engineeringtool und wird von diskreten über Batch- bis hin zu Prozessanwendungen verwendet. Außerdem ist es ein offenes System, sodass es mit anderen Softwareanwendungen zusammenarbeitet, die möglicherweise nicht von Rockwell Automation kommen, beispielsweise CAD-Systemen usw. Im Laufe der vielen Jahre Entwicklungsarbeit, die in die Software geflossen sind, wurde ein enormer Funktionsumfang aufgebaut und es wurde in unzähligen unterschiedlichen Anwendungen eingesetzt. Dabei ist ein großes Maß an Wissen zusammengetragen worden. Die Idee der vorgefertigten Anwendungen in Bibliotheken ist sowohl für diskrete Anwendungen als auch für Prozessanwendungen sehr wichtig. Anwender haben von solchen vorgefertigten und erprobten Bausteinen viele Vorteile: Sie beschleunigen die Time-To-Market erheblich und sorgen für sichere Resultate. Wir werden diesen Bereich auch in Zukunft weiter ausbauen und um weitere Funktionen ergänzen. Die (Wieder-)Verwendung von bereits geschriebenen Funktionen ist eine großartige Möglichkeit, den Entwicklungsprozess erheblich zu beschleunigen. Auch das Thema Vereinfachung spielt eine zentrale Rolle. Sie ist sehr wichtig in unserem Ansatz und bei allen Produkten und kommerziellen Angeboten. Die Welt der Automatisierung im Allgemeinen ist viel zu komplex. Diese Komplexität hat viel zu viele Projekte hervorgebracht, die nicht den erwarteten ROI liefern. Die zunehmende Vereinfachung der einzelnen Produkte, der Software und die Art der Vermarktung und des Vertriebes – also beispielsweise mehr auf Abonnements basierende Ansätze, die den Zugang zur Technologie mit den Diensten verbinden – all das sind wichtige Bausteine der Vereinfachung und der Verbesserung für Endanwender und OEMs.

Analytics wird immer mehr zu einer wichtigen Funktion auch in der Automatisierung. Würden Sie mir zustimmen?

Moret: Ja, absolut. Ich möchte dazu zwei Beispiele für fortgeschrittene Analytik in unserem Portfolio nennen. Unsere Pavilion-MPC-Software (Anm.: MPC steht für Model Predictive Control), diese modellgestützte prädiktive Steuerungssoftware zur Optimierung kontinuierlicher Prozesse, umfasst umfangreiches Prozess-Know-how aus vielen Branchen. Sie sorgt bei unseren Kunden für eine schnelle Kapitalrendite und Werthaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage. Das ist ein starkes Beispiel für fortgeschrittene Analytik auf einer sehr grundlegenden Ebene. Ein weiteres Beispiel sind unsere neuen Frequenzumrichter, die über Analytik bei der Temperatur der Leistungshalbleiter verfügen, um Fehler vorherzusagen und Korrekturmaßnahmen zu ergreifen. Das ist ein Beispiel, das ich als wichtigen Aspekt der kommenden Entwicklungen bezeichnen würde. Frequenzumrichter liefern wir schon heute hunderttausendfach aus.

Mit der Übernahme von Jacobs Automation und MagneMotion haben Sie sich dem Thema der modernen Bewegungsführung in Maschinen gewidmet. Man könnte vermuten, dass das für Sie der Einstieg in die Welt der Robotik war?

Moret: Zunächsteinmal sind wir sehr glücklich mit den Übernahmen, die wir sowohl mit Jacobs Automation als auch MagneMotion getätigt haben. Wir sind der Meinung, dass der Markt heute zwar noch klein ist, dass er aber solche Effizienzmöglichkeiten bei Verpackungsmaschinen oder beim Materialhandling bietet, dass er wachsen wird und dass er wirklich ein spannender Bereich ist, in den wir investieren, um unser Angebot kontinuierlich zu erweitern. Durch die Akquisitionen von Jacobs Automation und MagneMotion in Kombination mit strategischen Partnerschaften wie wir sie mit Robotikunternehmen wie Fanuc haben, sind wir gut positioniert für technologische Veränderungen. Zudem beobachten wir, dass die Grenzen in Bezug auf die Technologie, mit der Roboter gesteuert werden, etwas verschwimmen, denn es gibt bereits heute eine ganze Reihe von Anwendungen, bei denen unsere Bewegungssteuerungen und unsere SPSen einen Roboter steuern bzw. Robotikaufgaben übernehmen.

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