Die Arbeit der Zukunft gestalten

Auf dem OWL-Gemeinschaftsstand präsentieren 40 Unternehmen und Forschungseinrichtungen Lösungen für Industrie 4.0.
Auf dem OWL-Gemeinschaftsstand präsentieren 40 Unternehmen und Forschungseinrichtungen Lösungen für Industrie 4.0.Bild: it´s OWL Clustermanagement GmbH

Der Weg zur Industrie 4.0 ist für jedes Unternehmen unterschiedlich. „Technologisch sind viele Anwendungen möglich“, sagt Prof. Dr. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer it’s OWL Clustermanagement. Allen gemein sei aber: „Der Mensch aber bleibt im Zentrum.“ Deshalb gelte es Assistenzsysteme, intuitive Bedienverfahren und neue Entwicklungsmethoden in die Unternehmen zu bringen – gerade in KMU. „Dabei gilt es, die Technologieakzeptanz zu fördern und die Beschäftigten einzubinden“, so Dumistrescu weiter. „Das ist derzeit der Schwerpunkt unserer Aktivitäten bei it’s OWL.“

Virtuelle Post-Its können auf einem Smartphone oder Tablet Fehler anzeigen und so die Wartung von Produktionsanlagen vereinfachen.
Virtuelle Post-Its können auf einem Smartphone oder Tablet Fehler anzeigen und so die Wartung von Produktionsanlagen vereinfachen. Bild: it´s OWL Clustermanagement GmbH

Neue Formen der Produktentwicklung

Die steigende Komplexität von Maschinen und Anlagen stellt neue Anforderungen an die Entwicklungsarbeit. Ingenieure entwickeln in weltweit verteilten Teams gemeinsam neue Produkte und Produktionsverfahren. Durch die Digitalisierung können bisher getrennte Unternehmensbereiche wie Vertrieb, Service oder Entwicklung effizient zusammenarbeiten. Das Fraunhofer IEM macht beispielsweise Technologien wie Augmented Reality (AR) für Unternehmen verfügbar. Dadurch können digitale Zusatzinformationen als virtuelle Objekte, Bilder oder Videos über eine Datenbrille in das Sichtfeld des Nutzers eingeblendet werden. Wie AR in der Produktentwicklung funktioniert, kann der Besucher auf der Hannover Messe am Beispiel der Entwicklung einer Industriezentrifuge erleben, die für die Produktion von Milch oder Apfelsaft eingesetzt wird. Sie wird bereits im Entwurfsstadium an ihren späteren Einsatzort angepasst. Eine Datenbrille projiziert aktuelle Entwicklungsentwürfe direkt an den späteren Verbauungsort. So erkennt der Vertriebsmitarbeiter vor Ort erforderliche Anpassungen und kann sie digital an sein Entwicklerteam weiterleiten. Korrekturschleifen in der Entwicklung können so stark reduziert werden und der Aufwand für Produktentwicklung, Test, Einbau und Inbetriebnahme verringert sich. Von der Bestellung einer neuen Zentrifuge bis zu ihrer Inbetriebnahme sparen Unternehmen künftig Zeit und Kosten.

Im Projekt Arbeit 4.0 entwickeln Unternehmen gemeinsam mit Beschäftigen und Gewerkschaften Empfehlungen für die Arbeitswelt der Zukunft.
Im Projekt Arbeit 4.0 entwickeln Unternehmen gemeinsam mit Beschäftigen und Gewerkschaften Empfehlungen für die Arbeitswelt der Zukunft.Bild: it´s OWL Clustermanagement GmbH

Mensch und Maschine

Auch in anderen Unternehmensbereichen verändern Informations- und Kommunikationstechnologien die Arbeitswelt. So werden beispielsweise in der Produktion Tablets zur Unterstützung der Arbeitsabläufe oder Assistenzsysteme für komplexe Montagevorgänge eingesetzt. Auf der Hannover Messe demonstrieren Fraunhofer IOSB-INA und das InIT der Hochschule OWL an einem wandlungsfähigen Produktionssystem diverse Einsatzmöglichkeiten von mobilen Assistenzsystemen in der Fertigung: Eine SmartWatch steuert die OPC-UA-Module der Multi-Vendor-Anlage. Virtuelle Post-Its können per App auf einem Tablet oder Smartphone beispielsweise Fehlermeldungen dokumentieren und so die Anlagenwartung und den Betrieb vereinfachen. Und über eine Datenbrille wird der Mensch intuitiv und interaktiv mittels Augmented Reality-basierten Visualisierungen von Montageinformationen beim Arbeitsvorgang unterstützt. Eine Erleichterung für die Beschäftigten bietet auch das Unterfahr-FTS des Systementwicklers Torwegge. Das omnidirektionale Transportfahrzeug bewegt nicht nur bis zu sieben Tonnen schwere Lasten durch Produktions- und Logistikhallen, sondern navigiert auch selbstständig. Im Gegensatz zu vielen anderen FTS ist es mit einer eigenen Sensorik ausgestattet und nicht an eine induktive oder optische Spurführung gebunden. Die flache und kompakte Bauweise des fahrerlosen Transportsystems ermöglicht darüber hinaus das Unterfahren zahlloser individueller Transportplattformen und Aufbauten. Auf diese Weise kann das FTS von der Gitterbox über die Europalette bis hin zu sieben Tonnen schweren Einzelbauteilen alles bewegen, was in Lager- und Produktionshallen von A nach B transportiert werden muss

Das Transportfahrzeug von Torwegge bewegt Lasten bis 7t und navigiert selbständig.
Das Transportfahrzeug von Torwegge bewegt Lasten bis 7t und navigiert selbständig.Bild: it´s OWL Clustermanagement GmbH

Arbeitswelt der Zukunft

Mit der zunehmenden Digitalisierung rücken die sozialen Aspekte der Arbeitsgestaltung in den Vordergrund. Wie werden sich Arbeitsplätze verändern? Wie müssen Beschäftigte qualifiziert werden? Und wie können Unternehmen und Beschäftigte den Veränderungsprozess gemeinsam angehen? In diesem Spannungsfeld setzt das Projekt „Arbeit 4.0 – Arbeiten in der digitalen Welt“ an. Auf Grundlage von praktischen Erfahrungen werden Handlungsempfehlungen für Unternehmen entwickelt, um den Wandel der Arbeitswelt aktiv zu gestalten. Dazu werden in fünf Unternehmen Modellprojekte umgesetzt, in denen Management, Produktionsleitung, Personalabteilung, Beschäftigte, Betriebsrat und Gewerkschaften zusammenarbeiten. Beteiligt sind die Firmen Hettich, Miele, Phoenix Contact, Weidmüller und Diebold Nixdorf. Inhaltlich geht es beispielsweise um den Einsatz von Assistenzsystemen, interaktive Robotik und Technologieakzeptanz.

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