Zweikern-Technologie trennt Kommunikation und Anwendung

Eine wesentliche Neuerung im netX 90 ist die Verwendung eines Zwei-Core-Systems, d.h. eine ARM-CPU arbeitet für die Kommunikationsseite und eine weitere ARM-CPU für die Applikationsseite. Sebastian Hilscher erläutert: „Für die Kommunikationsseite bieten wir von Hilscher auch die komplette Softwareinfrastruktur, das heißt die ganzen Protokollstacks, das Betriebssystem und vieles mehr als fertiges Binary. Der Kunde hat für seine Applikation einen kompletten ARM-Core für sich zur Verfügung und kann dort machen, was er möchte, ohne, dass sich die Prozesse gegenseitig auf der Hardware beeinflussen können. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu den Vorgängern. Es sind wirklich zwei getrennte Welten. Mit der verdoppelten Kernzahl ist natürlich auch eine erhebliche Leistungssteigerung des SoC verbunden. „In Bezug auf die generelle Geschwindigkeit der CPU“, erklärt uns Sebastian Hilscher, „gehen wir von einer 2,8- bis 3-fachen Performance-Steigerung aus.“

Fit für industrielle IoT-Anwendungen

Doch netX 90 ist viel mehr als eine deutlich verbesserte Version der bisherigen netX-Serie. Vielmehr macht Sebastian Hilscher klar, dass der neue Chip die Plattform für völlig neue Geräteklassen ist, die das industrielle Internet der Dinge bedienen: „Der netX 90 kann, wie die bisherigen netX-Chips auch, als ganz normaler Companion-Multiprotokoll-Chip verwendet werden, falls man eine CPU zur Verfügung hat, auf der die Applikation bereits läuft. Er macht dann einfach nur die Kommunikation, aber er kann eben viel mehr als das: Er ist unsere Plattform für das IIoT, für das Automatisierungshersteller heute ihre Geräte konzipieren müssen. Dafür unterstützt der neue Chip sowohl OPC UA als auch MQTT und wir sind aktiv an der Open-Source-Variante von OPC UA beteiligt.“

Parallele Pfade

netX 90 macht also die Feldkommunikation und die übergeordnete Kommunikation z.B. bis in die Cloud mit einem einzigen Gerätechip möglich. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Hilscher dazu: „Was wir sehen, ist, dass gerade im Bereich IIoT nicht mehr nur die ganzen Prozessdaten per Steuerung übertragen werden, sondern eben parallele Pfade aufgebaut werden, d.h. man hat einmal den Pfad für die Steuerung vor Ort über Profinet, über Ethernet/IP, Ethercat usw. Daneben wird für übergeordnete Dinge noch ein paralleler Pfad über OPC UA betrieben, beispielsweise zu Cloud-Plattformen. Hier findet dann die Kommunikation für größere Diagnosen und weiteren Mechanismen und Funktionalitäten statt. Das sind heute häufig Ansätze, die helfen sollen, Prozesse oder die Performance zu optimieren.

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