Zunächst die Frage: Was ist die Robotation Academy?
Thomas Rilke: Wir haben vor acht Jahren in Hannover auf dem Messegelände mit der Volkswagen Group Academy ein Joint Venture gegründet, um Konferenzen, Netzwerkveranstaltungen, Lehrgänge usw. zu den Themen Automation, Robotik und auch Industrie 4.0 aufzubauen.
Können Sie kurz umreißen, was das Besondere an der Robotation Academy ist?
Rilke: Eine unserer Besonderheiten ist sicherlich, dass wir in unserem Konferenz- und Ausbildungszentrum Automations- und Robotertechnik für ungefähr 3,5Mio.€ haben. Alle Veranstaltungen finden immer inmitten der Technik statt.
Aus der Robotation Academy ist vor Kurzem die Deutsche Messe Technology Academy geworden. Was war der Grund für die Umfirmierung?
Rilke: Neben der Robotik verändert die Digitalisierung und der 3D-Druck die Welt der produzierenden Industrie. Um auf diese Trends reagieren zu können, haben wir die Robotation Academy GmbH in Deutsche Messe Technology Academy umfirmiert, unter deren Dach dann themenspezifische Akademien Veranstaltungen durchführen. D.h. die Robotation Academy bleibt bestehen, nur nicht mehr als rechtliche Einheit. Vielmehr erweitern wir unser Angebot um weitere Themen und Akademien. So wird es eine ganze Reihe an Veranstaltungen rund um das Thema Industrie 4.0 in der Robotation Academy geben. Zudem planen wir weitere Akademien zu den Themenbereichen industrieller 3D-Druck und VR/AR.
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Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
Rilke: Wir haben das Ziel, hier in Hannover Europas größten Überblick über industriellen 3D-Druck zu schaffen. Wir werden Ende des Jahres nahezu alle unterschiedlichen Industriedrucker hier stehen haben und auf diesen Druckern verschiedener Hersteller Konferenzen und Schulungen anbieten. Wir gehen sogar noch ein Stück weiter: Gemeinsam mit dem Laser-Zentrum Hannover und dem Institut für integrierte Produktion werden wir in die Forschung hineingehen – also beispielsweise Fragestellungen nachgehen, wie der 3D-Druck industriell nutzbar und industriell einbindbar ist. Wir haben jetzt schon eine große Nachfrage zum Thema 3D-Fertigung, die wir im Moment noch gar nicht bearbeiten können, weil wir erst Ende des Jahres hier die ganzen Drucker stehen haben werden.
Was sehen Sie als vordringliche Fragestellung für Unternehmen heute, auf die Sie mit Ihren Veranstaltungen Antworten geben können?
Rilke: Viele Unternehmer fragen sich heute, wie sie durch eine zunehmende Digitalisierung ihr Geschäftsmodell erweitern oder vielleicht auch ihr bestehendes Geschäftsmodell in die Zukunft überführen können. Wie können sie mit der Digitalisierung Wettbewerbsvorteile generieren? Dabei sind Industrie 4.0, Additive Fertigung und Robotik die zentralen Themen, mit denen sich ein Unternehmen heute beschäftigen muss. Hier können Unternehmen in unseren Veranstaltungen zum einen die Frage beantworten, ob sie sich technisch verändern müssen, und wenn ja, dann kann man die dafür notwendigen Komponenten von unterschiedlichen Anbietern live erleben.
Sie haben kürzlich eine Pressemeldung über eine Robotation Academy in China veröffentlicht. Können Sie uns hierüber Genaueres verraten?
Rilke: Das, was wir mit der Robotation Academy hier in Hannover aufgebaut haben, mit 19 Partnern, die hier ihre Automations- und Robotertechnik installiert haben, bauen wir jetzt auch in Südchina, in Foshan, auf. Foshan liegt in der Provinz Guangdong. Die Provinz Guangdong wiederum ist mit 40 Prozent am gesamten GDP der Volksrepublik China eine der wichtigsten Industrieregionen des Landes. Dort ist das Messegelände und zukünftig auch die Robotation Academy angesiedelt. Gemeinsam mit der Stadtregierung entsteht derzeit die Robotation Academy China, auch dort mitten auf einem Messegelände, das sich auf Investitionsgütermessen spezialisiert hat.
Ist das ein Joint-Venture oder gehört das der Deutschen Messe alleine?
Rilke: Die Deutsche Messe Technology Academy in Deutschland ist ein Joint-Venture-Unternehmen mit der Volkswagen Group Academy, gehört aber zu 100 Prozent der Deutschen Messe AG. In China ist die Robotation Academy Ltd. Eigentum der Stadtregierung von Foshan, die Deutsche Messe Technology Academy hat jedoch die inhaltliche Leitung dieses Unternehmens übernommen. Das ist auch vertraglich über die kommenden 20 Jahre abgesichert. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Wie weit sind sie dort mit Ihren Aktivitäten vorangeschritten?
Rilke: Wir werden im Oktober diesen Jahres die Robotation Academy in Foshan eröffnen. Das Gebäude der Robotation Academy befindet sich derzeit im Bau und wird uns rund 6.000m² Platz bietet. Zum Vergleich: Das Gebäude der Robotation Academy in Hannover hat 3.000m² – das heißt, wir werden in China mit der doppelten Größe starten. Etwa zehn bis zwölf Partner werden ihre Roboter und ihre Automationstechnik als ständige Partner in diesem Zentrum präsentieren. Neben internationalen Anbietern – vor allem aus Deutschland – werden auch viele chinesische Roboteranbieter oder Anbieter von mobilen Transportsystemen oder Automatisierungstechnik Partner der Robotation Academy in Foshan sein und dort mitwirken. Neben den gemeinsamen großen Konferenzen und Netzwerkveranstaltungen, die von der Robotation Academy durchgeführt werden, haben unsere Partner die Möglichkeit, das Zentrum auch als Dependance für sich selber zu nutzen sowie eigene Schulungen, Kundentreffen, Meetings usw. durchzuführen.
Wie sieht es mit Kooperationen mit Hochschulen oder Universitäten aus?
Rilke: In Foshan gibt es heute bereits eine Universität und eine Hochschule, an denen auch das Thema Automation und Robotik gelehrt wird. Es ist geplant, in zwei Jahren die Aktivitäten in Richtung Robotik und Automation deutlich auszuweiten und sich in Foshan in einer eigenen Universität auf die Themen Robotik und Automation zu konzentrieren. Es wird wahrscheinlich so sein, dass in zwei Jahren die weltweit erste Universität entstanden sein wird, die sich ausschließlich auf Automation und Robotik konzentriert.
Spielt Robotik und Automation im vermeintlichen Billiglohnland China denn so eine wichtige Rolle?
Rilke: Automatisierungstechnik wird heute nicht mehr vornehmlich dazu eingesetzt, Lohnkosten zu reduzieren, obwohl auch dies in China zunehmend ein Grund ist, zu automatisieren. Häufig geht es jedoch um Themen der Machbarkeit und der Qualität. Wenn ich mir z.B. die riesigen Produktionen in Shenzhen anschaue, wo Elektronik für die IT-Industrie produziert wird, dann gibt es dort immer mehr Arbeitsschritte, die in einer so rasanten Geschwindigkeit auf den Mikromillimeter ausgeführt werden müssen, dass sie manuell nicht mehr zu bewerkstelligen sind. Gerade in der Provinz Guangdong, in der wir uns befinden, wird die Automatisierung daher sehr stark vorangetrieben. Dabei spielen aber vornehmlich qualitative Überlegungen und Produktionsnotwendigkeiten eine entscheidende Rolle. Das ist eben ganz ähnlich wie bei uns. Im Übrigen haben auch die immens gestiegenen Immobilienpreise eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Wenn sehr viele Menschen in einen Produktionsprozess integriert sind, brauche ich dafür auch mehr Platz für eine Produktion. Mit Robotik und Automation kann meine Produktionsstätte nicht nur smarter, sondern auch kleiner ausfallen.
Welche Chancen bieten sich für deutsche und europäische Hersteller mit der Robotation Academy in Foshan?
Rilke: Die Robotation Academy ist zum einen ein Zentrum, in dem Konferenzen, Netzwerkveranstaltungen und Schulungen stattfinden. Partnerunternehmen profitieren davon, dass alle Konferenzen und Veranstaltungen, die wir durchführen, immer inmitten der Technik stattfinden, die diese Partnerunternehmen in die Konferenz- und Schulungsräume hineingestellt haben. Das heißt, die chinesischen Teilnehmer werden aufmerksam auf die Technik der Partnerfirmen. Aber es ist in dieser Akademie auch möglich, genauso wie in Hannover übrigens auch, dass den Partnern Büroräume, Meetingräume usw. zur Verfügung stehen. Das heißt, wenn ein Unternehmen in China noch keine Niederlassung hat, dann kann ein Unternehmen, das bei uns Partner ist, die Robotation Academy wie einen eigenen Standort nutzen. Gleiches gilt, wenn man in China in anderen Regionen bereits einen Standort hat, aber im Industriezentrum Südchina noch nicht vertreten ist. Dann kann man als Partner der Robotation Academy dort seine Büroräume haben, seine Kundenmeetings machen, man kann dann die eigene Technik dort dem Kunden zeigen und profitiert eben davon, in allen Veranstaltungen der Academy selber mit der eigenen Technik und den eigenen Leuten involviert zu sein.



















