Zwei die sich ideal ergänzen – 'u-view', moderne Be­diengeräte (HMI’s) und 'u-control', eine neuartige Steuerung auf Basis offener, herstellerunabhängiger Web-Technologien.
Zwei die sich ideal ergänzen – ‚u-view‘, moderne Be­diengeräte (HMI’s) und ‚u-control‘, eine neuartige Steuerung auf Basis offener, herstellerunabhängiger Web-Technologien. Bild: Weidmüller Interface GmbH & Co. KG

Von der klassischen zu hybriden Steuerungsarchitektur

Weidmüller setzt für das Engineering einen integrierten Webserver in der Steuerung ein. Welche Vorteile bietet das für den Anwender? „Das integrierte webbasierte Engineering bedeutet für den Entwickler zunächst einmal Geräteunabhängigkeit vom Programmier-PC“, erläutert Matthesius. Die meisten Programmiersysteme basieren heute auf Microsoft-Betriebssystemen. Zudem liegt die aktuelle Version des Steuerungsprogramms üblicher Weise ebenfalls auf diesem PC. „Bei der Weidmüller-Steuerung u-control ist das anders: Als Anwender kann ich mich mit jedem normalen Browser mit der Steuerung oder mit unserem IO-System u-remote verbinden. Das gilt Vorort, aber auch von überall auf der Welt.“ Mit HTML5, CSS3 und JavaScript in der Steuerung lässt sich jede Anlage unabhängig von Betriebssystemen überwachen und programmieren. Einzige Voraussetzung ist ein HTML5-fähiger Browser. Die Tatsache, dass nicht nur das Engineeringsystem auf der Steuerung liegt, sondern natürlich auch das Steuerungsprogramm hilft im übrigen dabei, Versionskonflikte zu vermeiden und versehentlich eine alte Version des Steuerungsprogramms auf die Maschine zu laden. Da liegt der Schritt in die Cloud nahe. „Solche Dinge sind bei uns im Fokus“, berichtet Matthesius. Wir entwickeln diese Dinge und beteiligen uns auch an entsprechenden Forschungsprojekten, um Steuerungstechnologien auch in einer Cloud verfügbar zu machen.“ „Allerdings“, schränkt er ein, „wird es aus meiner Sicht in absehbarer Zeit weder rein cloudbasierte Steuerungslösungen für industrielle Aufgaben geben noch wird alles so bleiben wie es ist. Meine Prämisse sind daher Hybridlösungen, an denen wir bei Weidmüller bereits arbeiten. Wir haben also weiterhin die Steuerungen, die nah am Prozess arbeiten und die durch Funktionen in der Cloud ergänzt werden, egal ob diese sich als Software as a Service im Internet befindet oder On Premise vor Ort bei dem Betreiber der Maschine oder Anlage“.

Automatisierungslösung mit Web-based Engineering.
Automatisierungslösung mit Web-based Engineering. Bild: Weidmüller Interface GmbH & Co. KG

Kommunikation From Sensor To Cloud

Die Kommunikation dafür kann Weidmüller gleich mitliefern: „Wir haben eine Stoßrichtung bei Weidmüller, die wir Industrial Communication nennen. Das ist – so will ich es einmal nennen – unsere From Sensor to Cloud-Lösung. Tatsächlich ist das ein ganz starker Fokus von Weidmüller“, so Matthesius. Damit kommt unser Gespräch wieder auf den eingangs beschriebenen Trend zur Dezentralisierung zurück. „Signale vorzuverarbeiten ist eine zunehmende Anforderung an Geräte der Feldebene. Dies entspricht auch unserer Produktausrichtung, beispielsweise unseren Klemmen, die wir mit immer mehr intelligenten Funktionen ausstatten, und die letztendlich dann entweder mit der klassischen Steuerungstechnik interagieren, oder ihre Daten in eine Datenbank schreiben, entweder vor Ort oder in der Cloud. Für spezielle Aufgaben, die nicht so sehr von der SPS her entwickelt werden, bieten wir einen sogenannten IoT-Controller, der zunächst einmal reine Gateway-Funktionen übernehmen kann, der aber auch in der Lage ist, Steuerungs- oder Automatisierungsaufgaben sowie die Signalvorverarbeitung zu übernehmen. Der IoT-Controller wurde unter Berücksichtigung neuester Sicherheitsnormen, z.B. dem Konzept zur Gewährleistung der Sicherheit – Security by Design (SbD) entwickelt. In diesem Bereich ´From Sensor to the Cloud´ wird der IoT-Controller einen ganz wichtigen Part einnehmen. Der große Vorteil: Das gesamte u-remote-Programm kann über den Backbone-Bus nahtlos an den IoT- Controller angedockt werden. Eine mögliche Anwendung: Auf diese Weise lassen sich bestehende Maschinen oder Anlagen in die Welt der Digitalisierung holen.“

Von Einsteiger bis Experte

Eine heute immer wieder viel zitierte Forderung lautet Einfachheit, Komplexität soll reduziert werden. Auf dieses Thema angesprochen erläutert Matthesius: „Grundsätzlich ist unsere Steuerung von der Auslegung her sehr einfach zu programmieren. Das beginnt mit der sehr einfachen Bedienung des Engineering-Tools. Unser Ziel ist es, dass auch jemand der wenig Steuerungs-Know-How hat, relativ schnell ein SPS-Projekt entwickeln kann. Damit meine ich vor allem das Prinzip modifizieren und parametrieren statt programmieren. Dafür stehen über Drag & Drop vorgefertigte Funktionsblöcke zur Verfügung, die Anwender einfach zusammenschalten können. So kann man ohne große Programmierkenntnisse schnell u-control Projekte umsetzen.“ Aber auch für Anwender, die erfahrene Programmierer in Sachen IEC61131-3-Sprachen sind bietet Weidmüller eine offene und innovative Programmierumgebung, die individuell an die Anforderungen des Benutzers angepasst werden kann. Hier steht alles zur Verfügung, was man von einer klassischen Engineeringumgebung erwartet. Matthesius dazu: „Wir haben alles implementiert was ein Experte erwartet, wenn er eine ausgewachsene Steuerung von Weidmüller einsetzt. Er kann also ebenso in alle tiefen und Programmierebenen sowie auch in alle Programmiersprachen abtauchen, nicht nur in IEC 61131-3 sondern auch in Hochsprachen wie C/C++. Diese Möglichkeit ist standardmäßig integriert.“

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