Sicherheit auf Schiene und Wasser

Eine Vielzahl von Schutzeinrichtungen soll einen zuverlässigen Betrieb für den Bahn- ebenso wie für den Schiffsverkehr gewährleisten. Fällt z.B. eine SPS aus, lassen sich die jeweiligen Anlagenteile über die Unterverteilungen per Tastenbedienung manuell steuern. Bei einer Brückenbewegung sind dafür neben einem Schlüsselschalter auch ein ständiger Funk- oder Sichtkontakt zu einem weiteren Mitarbeiter betrieblich vorgeschrieben. Der Schiffsverkehr wird u.a. durch Schifffahrtssignale in nördlicher und südlicher Richtung sowie durch Beleuchtungs- und Kommunikationseinrichtungen gesichert. Neben dem oberen Fachwerk der Brücke sind auch 24 Dalben zur Markierung der Fahrrinne beleuchtet. Die zugehörige Verkabelung wurde hängend ausgeführt, sodass sie nicht im Wasser liegt. Bei einem Aufprall gibt eine Sollbruchstelle Kabelreserve frei, um trotz einer Zuglast von bis zu 15kN einen Kabelbruch zu vermeiden.

Kameras überwachen kontinuierlich die Schifffahrtsstraße auf- und abwärts der Ems sowie die öffentlichen Bereiche des Fuß- und Radwegs. Lautsprecher kündigen die Brückenbewegung frühzeitig an. Über eine Anlage mit erhöhtem Schallpegel können die Brückenwärter zudem Schiffe direkt ansprechen. Zusätzlich besteht Seefunkkontakt, über den sich die Schiffsführer anmelden müssen. Wechselsprechanlagen an den Bedienorten ergänzen die Kommunikationsmöglichkeiten.

Auch Potenzialausgleich und Überspannungsschutz waren Bestandteil des Projekts. Alle metallisch-elektrischen Anlagenteile wurden an Potenzialausgleichsschienen angeschlossen. Die Komponenten auf der Ostseite mit Drehpfeiler und Netzstation sind über ein TN-S-System verbunden. Aufgrund des hohen Widerstands durch die große Kabellänge zwischen Netzstation und Brückenwärterhaus wurde der Potenzialausgleich des Zuleitungskabels geschirmt aufgelegt und im Brückenwärterhaus separat ausgeführt. Auch den inneren Blitzschutz mit Überspannungsschutzmodulen realisierte Actemium.

Auf dem Weg zur vollständigen Inbetriebnahme

Planung und Umsetzung der Elektro- und Steuerungstechnik nahmen rund ein Jahr Planungs- und etwa eineinhalb Jahre Bauzeit in Anspruch. Bereits im September 2025 wurde die Friesenbrücke für den Rad- und Fußverkehr weitgehend geöffnet. Nach dem letzten Feinschliff bei der Programmierung der Brückenschnittstelle zur Leit- und Sicherungstechnik der Bahn und der anschließenden Endabnahme und Prüfung der Sicherheitsstandards, ist auch der Bahnverkehr seit dem 5. Oktober 2026 wieder angelaufen. Die Betreuung der Brückensteuerung – von Signalen und Kommunikation über die Beleuchtung bis zum Bewegungsmechanismus – übernimmt Actemium. Dazu gehören auch Rufbereitschaft und Störungsbeseitigung. Künftig soll der Industriedienstleister zudem Wartung sowie Schulung und Einweisung der Brückenwärter übernehmen, voraussichtlich für die kommenden fünf Jahre. Das Projekt zeigt, wie eng Energieversorgung, Automatisierung, Sensorik, Kommunikation und Sicherheitstechnik bei moderner Verkehrsinfrastruktur zusammenspielen müssen, wenn Bahn-, Schiffs- sowie Fuß- und Radverkehr an einem Bauwerk zusammenkommen.

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