Der Siemens-Automatisierungsbereich ist gut aufgestellt. Das Totally Integrated Automation-Konzept trägt selbst noch nach fast zehn Jahren – ist heute gar aktueller denn je. Kein Wunder, ist doch das Gesamtsystem so umfangreich wie nie zuvor. Und auch den nächsten logischen Weg hat Siemens bereits beschritten, namentlich die Erweiterung von TIA nach oben in Richtung MES/ERP (Simatic IT) und einer Spezialisierung des Systems für Zielbranchen. Doch dazu weiter unten mehr. Bei der schieren Anzahl der Neuheiten, die Siemens auf der Hannover Messe zeigt, ist es schwer, ein einzelnes Highlight herauszugreifen. Einzelne Produktvorstellungen finden Sie in den Neuheiten zur Hannover Messe ab Seite 98. Im vorliegenden Beitrag habe ich mich auf die Vorstellung von zwei Themen beschränkt, in denen sich der Lösungsansatz, den Siemens seit TIA und TIP verfolgt, deutlich zeigt. Branchenorientiertes Portfolio und durchgängige Prozesslösungen \“Siemens ist der Industrieausrüster mit der intensivsten Branchenorientierung. Zudem ist unser breites, integriertes Portfolio an standardisierten Produkten und Systemen einzigartig am Markt. Damit können wir Trends in der Produktion nicht nur wahrnehmen, sondern sie weltweit prägen\“, erklärte Helmut Gierse, Vorstandsvorsitzender des Siemens-Bereichs Automation and Drives (A&D). \“Mit unserem Angebot für Gesamtanlagen wie auch für einzelne Stufen der Produktion haben wir Lösungen für die Industrie und für die Entwicklung der Infrastruktur. Sie bieten durch die gesamtheitliche Betrachtung aller Prozesse und Verfahren unseren Kunden langfristig wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit\“, sagte Joergen Ole Haslestad, Vorstandsvorsitzender des Siemens-Bereichs Industrial Solutions and Services (I&S). A&D und I&S haben ihr Branchen-Know-how in Siemens-übergreifenden Competence Centern und deren Vermarktung in Industry Suites gebündelt (www.siemens.com. Basis hierfür seien Totally Integrated Automation und Totally Integrated Power. \“Wir entwickeln unser Automatisierungsspektrum konsequent weiter und sind in der Lage, alle marktrelevanten Technologien aufwandsarm in unsere Gesamtarchitektur zu integrieren\“, sagte Gierse. Mit den Akquisitionen Robicon und Flender habe Siemens A&D sein technisches Portfolio über den gesamten Antriebsstrang ausgedehnt und sich entscheidende Ergänzungen im Marktzugang verschafft. Damit habe sich der Weltmarktführer vor allem in der Prozessautomatisierung noch weiter verstärkt. Nach der erfolgreichen Einführung der branchenspezifischen Produktfamilien hat I&S sein Lösungsangebot für Industrie- und Infrastrukturanlagen weiter ausgebaut. Mit der Übernahme der Voest Alpine Industrieanlagenbau ist I&S weltweit der führende Anbieter bei Anlagen der Eisen- und Stahlerzeugung. Mit der Übernahme und Integration von USFilter ist Siemens die Nummer 1 bei der Wasser- und Abwasserbehandlung. I&S verfügt dabei auch über Verfahrenstechniken für industrielle Prozesse, um weltweit knappe Ressourcen zu schonen, Kosten zu sparen und die Produktion sicherzustellen. Mit der Integration von Postal Automation und Airport Logistics ist I&S heute führender Anbieter bei Infrastrukturlösungen, die die globalen Anforderungen einer vernetzten Logistik erfüllen. \“Durch die gesamtheitliche Betrachtung und durch die Verknüpfung von Verfahrenswissen mit Elektrotechnik ist I&S heute in der Lage\“, so Haslestad, \“Anlagen und Teilprozesse für die Industrie und Infrastruktur technisch und wirtschaftlich zu optimieren. Mit unseren Prozesslösungen, der Modernisierung von Anlagen und dem Service vor Ort gestalten wir Zukunft und erhalten die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden weltweit.\“ RFID-Software Siemens begreift die Identifikation via RFID nicht in erster Linie als eine Sensorikaufgabe. RFID erfordert vielmehr eine Neudefinition der Geschäftsprozesse und eine Integration der Daten in die Unternehmens-EDV. Eine neue Software von Siemens Automation and Drives trägt dieser Erkenntnis Rechnung. Der Simatic RF-Manager verwaltet die Schreib-/ Lesegeräte, sammelt und verdichtet RFID-Daten und stellt sie dem Warenwirtschaftssystem bereit – konform zum Standard EPCglobal (Electronic Product Code). Dieser Standard – eine Initiative des Handels – treibt die Identifikation per RFID im UHF-(Ultra High Frequency)-Bereich voran, um die Wertschöpfungskette zu optimieren. Der Simatic RF-Manager eignet sich für die unterschiedlichen Szenarien in Logistik und Distribution – von der Kennzeichnung einzelner Produkte bis zur automatischen Erfassung ganzer Warenströme. Die Software verwaltet Schreib-/Lesegeräte, sammelt die von diesen gelieferten Daten der Tags (Datenträger) und verdichtet die Daten zu der vom Warenwirtschaftssystem benötigten Genauigkeit und Menge. Außerdem lässt sich auf jedes einzelne Tag zugreifen, um Daten oder EPC-konforme Produkt-Kennungen zu lesen und zu schreiben. Die Benutzeroberfläche des Simatic RF-Managers mit grafischen Editoren bietet Werkzeuge zur Parametrierung der gesamten RFID-Anlage, etwa eine Wizard-geführte Projektierung der Schreib-/Lesegeräte und der Anlagenkonfiguration. Mit ausgefeilten Dialogen und einem leistungsfähigen Meldesystem lassen sich die Reader während der Inbetriebnahme und im laufenden Betrieb fein abstimmen. Für die Betriebsphase verfügt die neue Software über Funktionen zur effizienten Verarbeitung von Massendaten, um das Warenwirtschaftssystem gezielt mit den gewünschten Informationen zu versorgen. Z.B. werden mehrfach erfasste RFID-Datenträger automatisch erkannt, und Filteralgorithmen reduzieren das Datenaufkommen. Dies vermeidet Fehlbuchungen oder aufwändige Korrekturen im Warenwirtschaftssystem. Für vertikal integrierte Lösungen wird der Simatic RF-Manager mit dem Manufacturing Execution System Simatic IT verknüpft. Damit lassen sich die RFID-Daten in geschäftsrelevante Informationen umsetzen und zur Steuerung der Geschäftsprozesse nutzen. (kbn) Kasten: Siemens wächst zweistellig Ein sichtlich gut gelaunter Helmut Gierse präsentierte der Fachpresse die jüngsten Geschäftszahlen. Demnach ist der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2004/2005 bei Siemens Automation & Drives (A&D) um 13% gestiegen. Das A&D-Ergebnis wuchs um 12,3% bezogen auf den Nettoumsatz. \“Damit wachsen wir deutlich schneller als der Markt. Das bedeutet, dass wir Marktanteile gewinnen\“, erläuterte Gierse auf einer internationalen Pressekonferenz in Frankfurt/Main. Diesen Erfolg führt er im Wesentlichen auf die hohen Investitionen der vergangenen Jahre in Forschung und Entwicklung (654Mio.E in 2004/2005) zurück, die sich nun in neuen Produkten und Wettbewerbsvorteilen niedergeschlagen hätten. Damit konnte Siemens seine Position als Weltmarktführer im Bereich der Fertigungsautomatisierung weiter ausbauen. Der Marktanteil liegt nach Angaben des Unternehmens bei 40%. In der Gebäudeautomatisierung sieht Siemens sich auf Platz zwei, in der Prozessautomatisierung liegt Siemens etwa auf Rang vier oder fünf. Hier will das Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich Marktanteile gewinnen. Mit einem Umsatzwachstum von 15-20% entwickelt sich auch das Chinageschäft von A&D sehr positiv. In RMB, also ohne Währungsbereinigung, liege das Umsatzwachstum dort sogar bei 40%. Hannover Messe:
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