
Die automatisierte Fluggastbrücke von Reel bewegt sich über mehrere Ebenen: Sie fährt teleskopisch ein und aus, schwenkt, hebt und senkt sich, um sich an unterschiedliche Flugzeugtypen anzupassen. Für die zahlreichen Leitungen im Inneren, die unter anderem Sensoren mit Energie und Daten versorgen, bedeutet das eine hohe mechanische Belastung. Frei verlegt könnten sie an Metallkanten scheuern, zwischen Bauteilen eingeklemmt oder durch wiederholte Biegung beschädigt werden. „Flughäfen erwarten maximale Verfügbarkeit. Die Leitungsführung ist daher einer der kritischen Punkte der Konstruktion“, sagt Sven Helbig, Konstrukteur bei Reel. Zum Einsatz kommen deshalb Energieketten der Serie E4.42 von Igus.
Leitungsschutz bei komplexen Bewegungen
Die Energiekette ist stehend in einem eingehausten metallischen Führungskanal montiert. Dieser verhindert ein seitliches Auswandern und schützt gleichzeitig vor Schmutz, Eis und Fremdkörpern. Beim teleskopischen Ein- und Ausfahren über drei Teleskopauszüge mit insgesamt 17,35m Verfahrweg bewegt sich ein Teil der Kette mit dem beweglichen Brückensegment, während der andere am festen Segment verbleibt.
Eine weitere Energiekette der Serie E4.21 verfährt horizontal zwischen Ober- und Untertrum der stehenden Kette. Sie führt Energie- und Datenleitungen für den mittleren Teleskopauszug. Am Ende des Führungskanals werden einige Leitungen schließlich in eine dreidimensional bewegliche Triflex-Energiekette für die Höhenverstellung überführt.
Damit bleiben die Leitungen während des gesamten Bewegungsablaufs kontrolliert geführt und vor Scheuern, Einklemmen sowie zu starker Biegung geschützt. Das soll Leitungsdefekte vermeiden und die Betriebssicherheit der Fluggastbrücke erhöhen.
Für den Außeneinsatz ausgelegt
Neben der Bewegungsführung mussten die Konstrukteure die Umgebungsbedingungen berücksichtigen. Fluggastbrücken sind ganzjährig Hitze, Frost, Regen und UV-Strahlung ausgesetzt. Hinzu kommen Reinigungsmittel, Enteisungsflüssigkeiten und Kerosin. Solche Einflüsse können Leitungen und Führungen vorzeitig altern lassen und Kunststoffe angreifen. Die eingesetzten Energieketten bestehen deshalb aus Hochleistungskunststoffen, die für solche Einsatzbedingungen ausgelegt sind. Für Reel sind Widerstandsfähigkeit und lange Wartungsintervalle wichtige Voraussetzungen für eine hohe Anlagenverfügbarkeit.
Ketten und Leitungen als System
Auch die Energie- und Datenleitungen müssen den Bewegungen, langen Verfahrwegen und Umgebungsbedingungen standhalten. Reel setzt hier ebenfalls auf Komponenten von Igus. Zum Chainflex-Portfolio gehören mehr als 1.350 für den Einsatz in Energieketten entwickelte Leitungstypen. Der Vorteil für die Konstrukteure: Energieketten und Leitungen lassen sich hinsichtlich Biegeradius, Dynamik und Lebensdauer aufeinander abstimmen. „Hätten wir Energieketten und Leitungen verschiedener Hersteller kombiniert, wäre eine aufwendige Abstimmung nötig gewesen“, erklärt Helbig. So trägt die abgestimmte Leitungsführung dazu bei, mechanische Belastungen zu reduzieren und die Verfügbarkeit der automatisierten Fluggastbrücke sicherzustellen – damit technische Probleme hinter den Kulissen möglichst nicht zu Verzögerungen beim Boarding führen.

















