In den meisten Applikationen werden weniger als 50 Signale benötigt, um die funktionale Sicherheit umzusetzen. Aufgrund der geringen Anzahl sicherer Ein- und Ausgänge erweist sich die Installation einer sicheren Steuerung mit dem zugehörigen Safety-Netzwerk meist als zu teuer. Deshalb verwenden viele Anwender zentrale Sicherheitsschaltgeräte. Bei dieser Betrachtung ist es nicht relevant, ob es sich dabei um klassische Sicherheitsrelais oder um frei konfigurierbare Sicherheitsschaltgeräte handelt. Wegen der räumlichen Verteilung der sicheren Signale entsteht in jedem Fall ein signifikanter Verdrahtungsaufwand für die erforderliche Parallelverkabelung. Durch die komplette Trennung der funktionalen Sicherheitstechnik von der Standard-Steuerung gehen zudem viele Informationen verloren. Die Standard-Steuerung hat keinen Zugriff auf die sicheren Signale und die zugehörigen Diagnosedaten. Das bedeutet für die funktionale Sicherheit zwar keinen Nachteil, doch die Verfügbarkeit der Maschine oder Anlage sinkt. Nur wenn dem Standard-Prozess sämtliche Informationen aus der Safety-Applikation vorliegen, kann beispielsweise dem Maschinenbediener die richtige Unterstützung zur Beseitigung eines Fehlers an die Hand gegeben werden. Safety-Kommunikation über das Standard-Netzwerk Bei den bisher realisierten abgesetzten Safety-Lösungen mussten die Sicherheitsschaltgeräte zusätzlich an die SPS angebunden werden, damit die relevanten Daten dort zur Verfügung stehen. Die Kopplung von Hilfskontakten der Sicherheitsschaltgeräte auf die Eingänge des Standard-Prozesses führt allerdings zum Verlust der meisten nützlichen Informationen. Entscheidet sich der Anwender für eine Sicherheits-Steuerung, wird das Automatisierungsnetzwerk hingegen automatisch durch den Hersteller der Steuerung vorgegeben. Dies kann speziell in den Applikationen nachteilig sein, wo der jeweilige Endkunde eine andere Kommunikationslösung oder Safety-Steuerung vorschreibt. Die SafetyBridge Technology verfolgt daher einen anderen Ansatz, denn sie baut eine Brücke über die verschiedenen Automatisierungsnetzwerke und SPSen. Mit den sicheren SBT-I/O-Modulen, die Bestandteil des Automatisierungsbaukastens Inline sind, lassen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der relevanten Sicherheitsnormen erfüllen, ohne dass ein sicheres Netzwerk oder eine Safety-Steuerung vorhanden sein muss. Dazu werden die SBT-Module an beliebiger Stelle im jeweiligen Netzwerk verteilt, wobei sie gemischt mit Standard-I/Os installiert und betrieben werden können. Das Automatisierungsnetzwerk und die SPS fungieren lediglich als Kommunikationskanal für das SafetyBridge-Protokoll. Neben der Standard-Applikation, die die Maschine oder Anlage automatisiert, sind sie für den Austausch der Datenpakete zwischen den sicheren SafetyBridge-Modulen verantwortlich, ermöglichen also die netzwerkübergreifende Kommunikation der sicheren Signale. Die SafetyBridge Technology erlaubt die Umsetzung von sicherheitsgerichteten Anwendungen bis SIL (CL) 3, PL e oder Kat. 4. Durchgängige Diagnose ohne zusätzlichen Aufwand Das SBT-Protokoll sichert die Übertragung der Safety-Signale zwischen den sicheren Ein- und den sicheren Ausgangsmodulen über das Netzwerk ab. Es wird vom intelligenten sicheren Logikmodul getrieben und überwacht. Die Standard-Steuerung muss somit lediglich Standard-I/O-Daten bidirektional zwischen Ein- und Ausgangsmodulen kopieren. Dabei stehen ihr die Ein- und Ausgangssignale der SafetyBridge-Module jederzeit zur Verfügung, weil sie unverschlüsselt weitergeleitet werden. Das Netzwerk und die Standard-Steuerung haben folglich keine sicherheitsgerichteten Aufgaben. Das bedeutet, dass die sicheren Datenpakete zwar von der Steuerung kopiert, jedoch nicht als Safety-Daten erkannt oder verarbeitet werden müssen. Die SBT-Module übernehmen die komplette Sicherheitsfunktion. Da der Standard-Steuerung die Ein- und Ausgangssignale der SafetyBridge-Module vorliegen, kann das Standard-Applikationsprogramm direkt auf eine Not-Halt-Anforderung reagieren und dem Bediener in der Visualisierung anzeigen, von welchem Anlagenteil die Anforderung stammt. Auch die Diagnosemeldungen der einzelnen sicheren I/O-Module wie Kurz- oder Querschluss sind in der Standard-Steuerung verfügbar. Diese Transparenz, die der Anwender ohne zusätzlichen Verdrahtungs- oder Programmieraufwand erhält, sorgt für eine Reduzierung der Stillstandszeiten und erhöht damit die Verfügbarkeit der Maschine oder Anlage signifikant. Einfache Konfiguration per Drag&Drop Die SafetyBridge-Applikation wird mit der kostenfrei erhältlichen Software Safeconf konfiguriert. Dazu stellt das Tool sämtliche notwendigen Funktionen auf der Oberfläche bereit. Hier kann der Anwender die gesamte Sicherheitslogik per Drag&Drop aufbauen. Safeconf gliedert sich in drei Bereiche: – die Tool Box mit allen bereits vom TÜV zertifizierten Funktionsbausteinen – dem Hardware-Editor und – dem Verdrahtungsbereich, in dem die Sicherheitslogik erstellt wird. Im ersten Schritt wählt der Anwender die erforderlichen Bausteine aus den verschiedenen sicheren Funktionen der Tool Box aus und zieht sie mit der Maus in den Verdrahtungsbereich. Dort werden die Bausteine mit den gewünschten Ein- und Ausgängen verknüpft, die er ebenfalls per Drag&Drop in den Verdrahtungsbereich holt und per Maus virtuell verdrahtet. Der Umgang mit der Konfigurations-Software erfordert keinerlei Programmierkenntnisse, um das SafetyBridge-System an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Fragen zu den Software-Funktionen beantwortet eine Hilfefunktion, die neben den Funktionsbeschreibungen auch Applikationsbeispiele umfasst, welche sich auf die entsprechende Problemstellung anwenden lassen. Sofortige Erkennung von Beschaltungsfehlern Aus Sicht des Safety-Experten handelt es sich bei den SafetyBridge-Modulen um im Netzwerk verteilte Sicherheitsrelais, deren sicherheitsgerichtete Funktion er mit einem einfach handhabbaren Software-Werkzeug konfiguriert. Ihre Verteilung in der Automatisierungslösung, die Art des Netzwerks und der Hersteller der Steuerung sind dabei für ihn nicht relevant. Der Programmierer der Standard-Steuerung betrachtet die SafetyBridge-Module nicht als sicherheitsrelevante I/O-Geräte, denn sie verhalten sich im Netzwerk wie digitale Ein- und Ausgabekomponenten, die über Funktionsbausteine miteinander verschaltet werden müssen. Er übernimmt daher keine Safety-Aufgaben. Verbindet der SPS-Programmierer die SBT-Module korrekt mit den Funktionsbausteinen, läuft das System. Macht er einen beliebigen Fehler, wird dies von den SafetyBridge-Modulen und dem -Protokoll erkannt und die Module nehmen einen sicheren Zustand ein. Fazit Die Anforderungen an die funktionale Sicherheit von Maschinen und Anlagen sind vorgegeben und können nicht abgeändert werden. Sie sorgen letztendlich für den sicheren Betrieb der Applikation und reduzieren somit das Verletzungsrisiko des Bedienpersonals. Durch einen geschickten Einsatz der Technik können jedoch Wettbewerbsvorteile für die Maschinen- und Anlagenbauer entstehen, die die funktionale Sicherheitstechnik zu einer Chance im internationalen Wettbewerb werden lassen. Kasten: Einfaches Retrofit sicherheitsgerichteter Maschinen und Anlagen Die SafetyBridge Technology eröffnet nicht nur bei neuen Maschinen oder Anlagen einen wirtschaftlichen und technischen Nutzen. Auch bei Retrofit-Projekten und Erweiterungen lässt sich so auf einfache Weise eine flexible Safety-Lösung aufbauen. Ein Retrofit-Konzept entspricht letztendlich einem neuen Projekt. Hier greifen die gleichen Vorteile, die sich beim Einsatz von Technologien in neu entwickelten Maschinen und Anlagen ergeben. Die Erweiterung oder Änderungen bestehender Automatisierungslösungen stellen jedoch einen Sonderfall dar. Werden signifikante technische Daten verändert, kommt die derzeit gültige Maschinenrichtlinie zum Tragen. Das vorhandene Safety-Konzept muss also die Anforderungen der aktuellen Sicherheitsnormen erfüllen. Diese Rahmenbedingungen lassen sich durch die Ergänzung des I/O-Systems um die SafetyBridge-Module unter Beibehaltung der bislang verwendeten Steuerung und des existierenden Netzwerks einfach und flexibel umsetzen.
SafetyBridge Technology Funktionale Sicherheit für alle Netzwerke
-
Künstliche Intelligenz
KI-Agent unterstützt weltweiten technischen Service
Mit dem KI-Agenten ‚Karl‘ erweitert Neugart sein digitales Serviceangebot um einen weltweit verfügbaren Support-Assistenten.
-
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt Kosten – für innovative Lösungen und nachhaltige Produktionsprozesse.
-
Zentrale Überwachung von Profibus- und Profinet-Netzwerken in einer einzigen Anwendung
Monitoringlösung unterstützt jetzt auch Profinet
Mit PlantPerfect Monitor 2.00 erweitert Softing Industrial Automation seine Monitoringlösung um Profinet-Unterstützung.
-
Eplan
Smart Sourcing verbindet Elektrokonstruktion und Beschaffung
Mit Eplan Smart Sourcing stellt Eplan eine neue Software zur intelligenten Verknüpfung von Elektrokonstruktion und Beschaffung vor.
-
Messtechnikzubehör
DataTec erweitert Portfolio um Signalzugriffs- und Verbindungslösungen
DataTec baut sein Angebot im Bereich Messtechnikzubehör aus und vertreibt künftig im DACH-Raum spezialisierte Signalzugriffs- und Verbindungslösungen von Deico.
-
Anzeige
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt…
-
Messgerät
Kalibrator und Präzisionsmultimeter in einem Gerät
Mit der neuen Metracal CM Serie kombiniert Gossen Metrawatt Kalibrator und Präzisionsmultimeter in…
-
Modulare I/O-Systeme werden zur Architektur hinter moderner Produktion
Vom Anschlusspunkt zur Dateninfrastruktur
Industrielle Steuerungssysteme werden nicht mehr durch zentralisierte Logik und starre Architekturen bestimmt, sondern…
-
Führungswechsel bei der OI4 Alliance
Die Open Industry 4.0 Alliance stellt seine Führung um: Ab Juli übernimmt Michael…
-
Produktion in den energieintensiven Industriezweigen um 1,2% gestiegen
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen…
-
Jedes zwölfte Unternehmen sieht wirtschaftliche Existenz bedroht
8,1% der Unternehmen in Deutschland sehen den eigenen Fortbestand gefährdet.
-
Messevorschau Sensor+Test 2026
Starkes Rahmenprogramm auf dem Branchentreffpunkt
Die Sensor+Test 2026 bietet ein umfassendes Rahmenprogramm mit Fachforen und Kongressen. Besucher erhalten…
-
Sensorbasierte Echtzeitüberwachung des Schmierungszustands
Das Lager wird zum Sensor
Lagerschäden werden mit klassischer Sensortechnologie typischerweise erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt,…
-
Nachgefragt: Wie weit die Industrie bei Umsetzung, Security und Compliance ist – Teil 1
Maschinenverordnung 2027: Die Zeit läuft
Der Countdown läuft: Am 20. Januar 2027 wird die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 verbindlich. Doch…
-
Platzsparende Antriebstechnik für die Verpackungsindustrie
Effizient, robust und kompakt
In der Lebensmittel- und Getränkeproduktion ist der Platz meist begrenzt. Daher ist bei…
-
Workshop ebnet produzierenden Unternehmen den Weg zur Smart Factory
KI in der Praxis
Smart Manufacturing verlangt nach konkreten Projekten. Ein Workshop zeigt praxisnahe Wege zur Smart…
-
Bomag standardisiert die Elektrokonstruktion von mobilen Arbeitsmaschinen
Der Kabelbaum als digitaler Zwilling
Kabelbäume zählen zu den aufwendigsten Baugruppen mobiler Maschinen – und entstehen in vielen…
-
Kompakte S7-Steuerung mit Touchpanel
Die Jedermanns-SPS
Kompakte Panel-SPS-Lösungen mit integrierter Steuerung und I/Os ermöglichen den wirtschaftlichen Ersatz klassischer Handbedienelemente,…
-
Webbasiertes Engineering-Tool als Designer für die schaltschranklose Automatisierung
„Wir vereinfachen die Umsetzung drastisch“
Der neue MX-System Designer von Beckhoff ermöglicht strukturierte und technisch validierte elektrische Auslegung…
-
Integrierte Kompaktantriebe ermöglichen schaltschranklose Maschinen
Es geht auch ohne Einspeisemodul
Dezentrale Servomotoren kommen häufig bei räumlich verteilten Einzelachsen zum Einsatz. Die im Motor…
-
Cobots bringen mehr Effizienz in die EMS-Fertigung
Bestückung neu gedacht
Mit Cobots lassen sich auch komplizierte Prozesse teilautomatisieren, etwa die Bestückung von Leiterplatten…
-
Neue Ansätze und Geschäftsmodelle für zirkuläre Fluidtechnik
Mehr als nur nachhaltig
> Neue Ansätze & Geschäftsmodelle für zirkuläre Fluidtechnik. Bürkert unterstützt Transformationsprozess mit Lösungen…
-
Assistenz für reproduzierbare Fertigungsschritte
Digitale Ordnung statt Papierstapel
Auch wenn viele Produktionen hochautomatisiert sind, spielt sich ein entscheidender Teil der Wertschöpfung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
Über 200 Artikel
Bedienen und Signalisieren
-
Für Ex-Bereiche
Magnetfreier IE6-Motor
-
Für Rechenzentren
Direct-to-Chip-Flüssigkühlung
















