Bei der Umdasch AG sollten im Jahre 2006 ca. 30 neue Roboterschweißzellen und Produktionsanlagen in das Unternehmensnetzwerk integriert werden. Für den Ausbau war es notwendig, die Strategie und Vorgehensweise weiter zu entwickeln. \“Das Produktionsnetzwerk war schnell gewachsen und sehr komplex geworden. Für die Administration wurde eine neue Sichtweise notwendig\“, sagt Herbert Dirnberger, Automatisierungs- und Systemtechniker bei Umdasch. Für die angepasste Behandlung des Risikos wie z.B. eines Virenbefalls bei Produktionsrechnern mit einem verbundenen Stillstand von Produktionslinien wurde ein Informationssicherheits-Konzept für die Prozess-, Fertigungs- und Gebäudeautomatisierung erstellt. Die Serviceabteilung Elektro- und Automatisierungstechnik und die zentrale Informationstechnologie entwickelten gemeinsam mit externen Partnern eine Plattform für Produktions- und Unterstützungsprozesse im Umdasch-Konzern. Informationssicherheit im Produktionsnetz Die aktuell wichtigsten Anforderungen an die Informationssicherheit in der Produktion sind eine durchgängige und sichere Kommunikation im Office- und Produktionsnetz, flache Netzwerke mit möglichst geringer Komplexität, eine hohe Flexibilität für die Integration neuer Anlagen und hohe Sicherheit bei externen Zugriffen wie z.B. bei der Fernwartung von Anlagen. Kern des Konzepts ist die Bildung von kleinen, überschaubaren und dezentralen Produktionszellen. Die Produktionssysteme für Bearbeitungsprozesse wie Schneiden, Bohren, Fräsen, Schweißen und weitere sind jeweils in mehrere Zellen aufgeteilt und mit einer Industrie-Firewall abgeschottet. Insgesamt über 40 solcher Zellen bilden den Übergang zum Informationsnetz. So wird der Informationsfluss zwischen den Schichten des Produktionsnetzes und den administrativen Informationssystemen kontrolliert und abgesichert (Bild 2). Neue Automatisierungs- und Steuerungssysteme können mit diesem Konzept relativ einfach und schnell in die Systemlandschaft von Umdasch eingebunden werden. \“Der Einsatz von dezentralen Firewalls ist die wichtigste Schutzmaßnahme. Trotz der sehr vielen vernetzten Produktionssysteme erreichen wir damit gut administrierbare und überschaubare Teilnetze\“, begründet Dirnberger die Entscheidung für das Zellenkonzept. Neben den dezentralen Firewalls gehören aus seiner Sicht ein Konzept für Backup und Recovery und die Vorhaltung von Ersatzgeräten zu den nächsten wichtigsten Schutzmaßnahmen. Umgesetzt werden außerdem weitere Schritte zur Systemhärtung, ein Anti-Malware-Schutz, sichere Authentifizierung und Autorisierung sowie Punkte zur physikalischen Sicherheit und Systemresistenz. Technik für Industrial Security Bei der Auswahl der geeigneten Sicherheitstechnik fiel die Entscheidung auf mGuard Security Appliances von Innominate. Entscheidende Kriterien dafür seien die Serviceunterstützung, die Industrietauglichkeit, die Einfachheit des Systems sowie der Linux-Background gewesen, so Dirnberger. \“Wir brauchen eine Service-Hotline, die man auch am Tag erreichen kann, und verzichten deshalb lieber auf Überseegeräte\“, sagt er. \“Das hat sich als richtig erwiesen.\“ Gegenüber Office-Produkten sind Anforderungen wie ein erweiterter Temperaturbereich, die Schutzart oder die Montagemöglichkeit in Schaltschränken ausschlaggebend. Da viele Funktionen aus der Bürowelt im Produktionseinsatz nicht gebraucht werden und eher störend sind, zeigt sich die Industrietechnik als einfacher und besser administrierbar. Der Linux-Background ist hilfreich, um mit eigenen Skripten die Funktionalitäten erweitern zu können oder per Command Line Logging- und Konfigurationsdateien der Firewalls einzusehen. \“Durch die eingesetzte mGuard-Technik werden sichere Übergänge zwischen den Systemen geschaffen, da der Netzwerkverkehr mittels Paketfilterung und Routing nach dem Prinzip des \’Least Privilege\‘ eingeschränkt wird\“, erläutert Dirnberger. \“Es wird nur das erlaubt, was unbedingt notwendig ist.\“ Für ihn ist außerdem die Logging-Funktion der Security Appliances ein wichtiges Sicherheitselement. Da sich die Netzwerke ständig dynamisch verändern, neue Netzteilnehmer eingepflegt oder Fehler im Netzwerk korrigiert werden, wird der Netzwerkverkehr aufmerksam beobachtet. Die Meldungen über \’abgelehnte\‘ bzw. \’akzeptierte\‘ Datenverbindungen werden zentral an einen Syslog-Server weitergeleitet und kontinuierlich überwacht. Veränderungen werden mittels automatisierten Skripten herausgefiltert und analysiert. Durch das Logging wurde beispielsweise ein aktueller Virusbefall frühzeitig erkannt. Der Virus war in der Lage, innerhalb von einer Stunde mehr als 100.000 Netzadressen zu kontaktieren. Durch die Firewalls wurden die Produktionszellen allerdings erfolgreich geschützt. Lediglich eine Zelle hatte Probleme. Die Ursache war ein ungepatchtes Gerät, das nicht dem Stand der Technik entsprach. Konfiguration, Rollout und Betrieb \“Die Konfiguration von Firewalls mit individuellen Regeln für die einzelnen Zellen ist zunächst keine triviale Aufgabe\“, sagt Dirnberger. \“Mit einer Schulung, etwas Übung und den Erfolgsmethoden von Experten lässt sich allerdings recht schnell ein strukturiertes Verfahren entwickeln. Dann geht es in kleinen Schritten immer nach dem gleichen Muster. 80% der einmal entwickelten Konfiguration kann auch für andere Zellen genutzt werden\“, berichtet er aus der Praxis. Für die Verwaltung der Firewall-Systeme überlegt das Unternehmen Umdasch, in Zukunft den Innominate Device Manager (IDM) einzusetzen. Damit lässt sich der administrative Aufwand bei Systemumstellungen oder bei Anpassungen an Ausführungsrichtlinien und Standards verringern. Ein größerer Anpassungsaufwand entsteht z.B. immer dann, wenn ein Fileserver ausgetauscht wird oder sich Adressen des Fileservers ändern. Weil dann bei allen Firewalls die gleichen Einträge angepasst werden müssen, kann der IDM für eine automatisierte Rollout-Prozedur genutzt werden. Dabei ermöglichen Templates die Zusammenfassung von Einstellungen und vereinfachen auch den sicherheitskritischen und komplizierten Teil einer Systemkonfiguration. Nach Einschätzung von Umdasch lohnt sich der Einsatz bereits ab 15 bis 20 Geräten. Für den Betrieb der Firewalls vergibt der Automatisierungs- und Systemtechniker sehr gute Noten. Ausfälle seien äußerst selten. Das System bleibt gleich und die Zellen müssen im laufenden Betrieb nicht mehr verändert werden. Auch bei der Fernwartung durch externe Serviceanbieter sorgt mGuard für ein kontrollierbares und sicheres Verfahren. Dirnberger erläutert den Ablauf: \“Unsere Servicetechniker entscheiden von Fall zu Fall, ob für eine einzelne Zelle eine externe Einwahl erfolgen soll. Externe Zugriffe über die Hintertür gehören der Vergangenheit an. Erst wenn sie per Serviceknopf die Einwahl freischalten, ist ein Verbindungsaufbau möglich.\“ Dann wird die Verbindung zwischen der Produktionszelle und der Office Firewall, dem äußeren Schutzwall an der Außengrenze des Unternehmens, freigeschaltet. Hier sind die Office- und Industriefirewalls aufeinander abgestimmt. Fazit
Informationssicherheit in der Produktion durch Zellenschutz
-
IIoT / Edge Computing
Edge-Modul für durchgängige IIoT-Daten
Turck erweitert seine IIoT- und Service-Plattform Turck Automation Suite um das Modul TAS Edge.
-
Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im April: +0,4% zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im April gegenüber März saison- und kalenderbereinigt um 0,4% gestiegen.
-
Best Managed Companies Award 2026: Schmersal mit Goldstatus geehrt
Die Firma K.A. Schmersal wurde erneut mit dem Best Managed Companies Award ausgezeichnet.
-
Smartes Engineering für funktionale Sicherheit
In der modernen Softwareentwicklung gehören Versionskontrolle mit Git, mehrsprachige Codebasen, KI-gestützte Assistenten, Extensions statt monolithischer Toolchains mittlerweile zum Standard.
-
Auftragseingang im Maschinenbau: Keine Belebung in den Mai-Orderbüchern
Der Maschinenbau wartet weiter auf eine Belebung ihrer Orderbücher.
-
Leitungstechnik
Torsionsfeste Devicenet-Leitung für Roboter
Igus erweitert seine Roboterleitungsserie CFRobot8.Plus um eine Devicenet-Leitung für hochdynamische Anwendungen mit Torsionsbewegungen…
-
Ringsensoren liefern Prozess- und Diagnosedaten
Induktive Ringsensoren mit IO-Link
Turck erweitert sein Portfolio um induktive IO-Link-Ringsensoren für die zuverlässige Erfassung kleiner metallischer…
-
Maschinenbau rechnet für 2026 nicht mehr mit Wachstum bei der Produktion
Die Produktion im Maschinenbau in Deutschland sank von Januar bis April um real…
-
Technische Beschaffung
B2B-Katalog als Brücke zur digitalen Beschaffung
Conrad Electronic erweitert seine B2B-Strategie um einen neuen, 960 Seiten starken Katalog.
-
AC/DC-Hochleistungssicherungen
Mersen präsentiert seine neue Generation von Hochleistungssicherungen.
-
Cybersicherheit
Sicherer Entwicklungsprozess zertifiziert
Moxa hat gleich zwei Zertifizierungen nach IEC62443-4-1 Maturity Level 3 (ML3) erhalten –…
-
Industrie-PCs
Panel-PCs für HMI und Maschinensteuerung
Gett erweitert sein HMI-Portfolio um eine neue Serie industrieller Panel-PCs der Marke InduSmart.
-
Ormazabal baut neue Deutschlandzentrale
Ormazabal hat den offiziellen Spatenstich für seine neue Deutschlandzentrale in Krefeld gesetzt.
-
Analogmodul für Fußschalter
ASA Schalttechnik erweitert sein Portfolio um ein Analogmodul für Fußschalteranwendungen.
-
Potentiometer
Präzisionspotentiometer individuell angepasst
Megatron bietet Präzisionspotentiometer für Anwendungen in Medizin-, Labor-, Industrie- und Messtechnik an und…
-
Hima wächst in schwierigem Marktumfeld
Hima, Anbieter sicherheitsgerichteter Automatisierungslösungen, ist im Geschäftsjahr 2025 in einem anspruchsvollen Marktumfeld gewachsen.
-
Deutsche Elektroexporte bleiben vorerst auf Wachstumskurs
Im April entwickelten sich die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie weiter beschleunigt…
-
Vorstandswahlen bei PLCopen
PLCopen hat einen neuen Vorstand gewählt, nachdem drei Mitglieder zurückgetreten sind.
-
R&M stärkt Produktmanagement und Marketing
Dr. Hannes Grubinger hat die Position des Chief Product & Marketing Officers bei R&M…
-
Linearführung für Extrembedingungen
Bosch Rexroth erweitert sein Portfolio an Kugelschienenführungen um den Führungswagen NRTVG für Anwendungen…
-
Prozessautomatisierung
Ethernet-APL-Switches verbinden bis zu zwölf Feldgeräte direkt mit dem Ethernet-Netzwerk
Phoenix Contact erweitert sein Ethernet-APL-Portfolio um zwei Managed-Switch-Varianten mit zwölf Ports für die…
-
Elektromechanischer Fügemodule
Kistler präsentiert elektromechanische Fügesysteme, die Messdaten mittels weiterentwickelter Telemetrie kabellos übertragen.
-
Neue Funktionen für Siemens KI-Agent
Siemens hat zwei neue Funktionen für den Eigen Engineering Agent, eine speziell für…
-
Antriebstechnik
Motor und Umrichter zu einer kompakten Antriebseinheit kombiniert
Mit Nordac Fusion stellt Nord Drivesystems ein integriertes Antriebssystem vor, das Motor und…
-
Steckverbinder – Docking-Systeme
Erweiterte Docking-Lösungen für automatisierte Andockprozesse und hohe Steckzyklen
Odu bietet mit seinen Docking-Lösungen auf Basis der Odu-Mac Silver-Line eine modulare Schnittstellenplattform…
das könnte sie auch interessieren
-
Kommunikationsfreudige Switches erleichtern die Modernisierung von Schaltanlagen
Weniger Kosten und Konfigurationsaufwand
-
SE Tylose setzt auf SAP PM und Argvis als durchgängige CMMS-Plattform
Schluss mit Insellösungen in der Instandhaltung
-
Kreislaufwirtschaft in der Robotik
Ein zweites Leben für Industrieroboter
-
Neue IO-Link-Komponenten bringen Innovationen in die Automation
Mehr Flexibilität auf den letzten Metern
















